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Das erste Zwischenfazit: Die 2. Bundesliga nach dem Auftakt #1

© imago/Hübner

Neun Spieltage sind gespielt, die 2. Bundesliga lehnt sich in der Länderspielpause erstmal zurück. Die Zeit für ein erstes Fazit ist gekommen: Wer hat in den ersten Wochen überzeugt und wer den Auftakt völlig verschlafen?  Im ersten Teil unserer umfassenden Analyse widmen wir uns den ersten neun Plätzen der Tabelle.

Der Spitzenreiter des ersten Saisonviertels ist die Fortuna aus Düsseldorf. Das Team von Trainer Friedhelm Funkel besticht in dieser Saison durch Konstanz und fehlerfreie Spielweise. Dabei haben die Rheinländer vor allem eine der Kernfähigkeiten zurückgewonnen, die ein Aufstiegskandidat benötigt: die Düsseldorfer gewinnen die knappen Spiele. Gegen Union Berlin, Regensburg, Sandhausen und St. Pauli standen die Partien mehrfach auf Messers Schneide, doch am Ende gewann immer die Funkel-Elf. Auch das nötige Glück ist bisher mit dem Spitzenreiter. Im Pokal gegen Bielefeld lud der Gegner die Fortuna nach Rückstand zum Siegen ein, Gegen Union Berlin reichte ein böser Torwartfehler von Busk zur Führung in der Nachspielzeit und der MSV Duisburg traf im Derby gleich fünf mal das Aluminium. Der Punkt ist: Soviel Glück ist schon wieder Qualität und diese braucht man für den Platz an der Sonne.

Prognose: Düsseldorf wird über die gesamte Saison im Aufstiegskampf mitmischen.

 

Beginnen wir mit den drei Überraschungsteams der Saison. Das erste ist Aufsteiger Holstein Kiel. Die Männer von Trainer Markus Anfang schießen derzeit beinahe alles aus den Stadien, was sich nicht mit aller Macht wehrt. Mit 21 Saisontoren stellt die KSV Holstein die beste Offensive der Liga. Die beiden einzigen Saisonniederlagen waren äußerst unglückliche 3:4 und 0:1-Niederlagen gegen Berlin und St. Pauli. Ansonsten sind die Störche aktuell nicht aufzuhalten. Aue, Berlin, Duisburg, Bochum und Fürth mussten allesamt drei Gegentore gegen Kiel schlucken und nur einmal gelang den Holsteinern kein Tor. Während schon in den vergangenen Jahren immer wieder Aufsteiger für Furore sorgten, so überzeugt Holstein durch bestechende Souveränität. Die Spiele werden nicht knapp, sondern souverän gewonnen und dazu vergibt die Mannschaft zumeist noch eine große Zahl weiterer Chancen. Mit Holstein dürfte also weiter zu rechnen sein.

Prognose: Mit dem Abstieg hat Holstein Kiel nichts tun tun. Je länger die Euphorie anhält, desto wahrscheinlicher ist sogar eine Überraschung.

 

Und jährlich grüßt das Murmeltier. So in etwa dürfte die Reaktion aller Beteiligten beim SV Sandhausen gewesen sein, als man die Männer vom Hardtwald vor der Saison wieder einmal als Abstiegskandidat Nummer eins handelte. In der Tat steht der SVS in dieser Saison auf dem Relegationsplatz, allerdings nicht auf dem erwarteten. Die Kurpfälzer sind auf Rang drei der Tabelle und überzeugen durch Effizienz und eine bärenstarke Defensive. Lediglich sechs Gegentore nach neun Spielen sind absolut unerreicht in der 2. Bundesliga. Zwar lässt die Offensive des Kocak-Teams – abgesehen vom 4:0 gegen Dresden – eher Luft nach oben zu, doch wer schon fünf Spiele ohne Gegentor absolvieren konnte, dem reicht eben auch ein Tor. Auch in diesem Jahr wird Sandhausen wohl – mal wieder – nichts mit dem Abstieg zu tun haben.

Prognose: Sandhausen spielt sicher über dem eigenen Limit. Auf Rang drei der Tabelle wird man auf Dauer nicht bleiben, doch ein Platz im oberen Mittelfeld ist wahrscheinlich.

 

Was die Spannung in Spielen und der Saison angeht, so ist der DSC Arminia Bielefeld wohl einer der heißesten Anwärter auf den Titel "Drama-Queen". Traditionell werden Spiele der Ostwestfalen immer erst nach der 85. Minute entschieden oder stehen bis zur Nachspielzeit auf der Kippe. Das hat sich auch in dieser Saison fast nicht geändert. Im Gegensatz zu den letzten Jahren gewinnen die Arminen diese Spiele allerdings. Gegen Heidenheim, Regensburg, Darmstadt, Berlin, Dresden, Fürth und Nürnberg waren die Partien bis nach der 90. Minute hin offen. Aus diesen sieben Partien konnten die Bielefelder stolze 14 Punkte einsammeln. Diese Qualität spülte den DSC auf den vierten Rang der Tabelle. Abgesehen vom eklatanten 0:4 gegen Duisburg und den Fehlern aus dem Pokal gegen Düsseldorf sorgt Trainer Saibene mit seinem Team also für mächtig Furore und lässt die Arminen von einem frühen Klassenerhalt träumen.

Prognose: Von Abstiegsdramen der Vergangenheit ist Arminia in dieser Saison scheinbar weit entfernt. Bei der gewonnen Stabilität unter Jeff Saibene ist sogar ein niedrigerer einstelliger Tabellenplatz sehr gut möglich.

 

Auch der 1. FC Nürnberg könnte problemlos unter den ersten drei Rängen der Liga stehen. Im Gegensatz zur letzten Saison haben die Franken und Trainer Köllner wieder zu erfolgreichem und attraktivem Fußball gefunden. Mit 20 Saisontreffern hat man nur ein einziges Tor weniger als die "Torjäger von der Förde". Auch die Nürnberger sorgten in den Defensivreihen von Berlin, Nürnberg, Ingolstadt, Duisburg und Fürth für Kopfschmerzen. Lediglich die unnötigen Niederlagen gegen Aue, Bielefeld und St. Pauli verhindern eine Platzierung an der Seite von Fortuna Düsseldorf. Gerade bei den letzten Spielen war man nicht die schlechtere Mannschaft und scheiterte an der eigenen Chancenverwertung bzw. dem Aluminium. Sollte noch das Quäntchen Glück zurück zum Club finden, wird der FCN eine gewichte Rolle im Aufstiegskampf spielen können.

Prognose: Sollte Nürnberg seine Chancenverwertung in den Griff bekommen, zählen sie zu den Favoriten um den Aufstieg.

 

Der zweite norddeutsche Verein im ersten Drittel der Liga ist der FC St. Pauli. Die Hamburger stehen punktgleich mit dem 1. FC Nürnberg auf Rang sechs der Tabelle, haben aber ein negatives Torverhältnis. Das liegt vor allem an der etwas wackligen Offensive. Durch viele Verletzungssorgen muss Trainer Janßen sein Team ständig umbauen. Dennoch finden die Kiezkicker oftmals die richtige Balance zwischen Offensive und Abwehr. Vier 1:0-Erfolge und ein 2:0-Sieg sprechen für die starke Defensive der Paulianer, die lediglich durch Aussetzer gegen Darmstadt und Ingolstadt die Position als beste Abwehr der Liga einbüßte. Wenn das Verletzungspech St. Pauli wieder verlässt und alle Spieler zurückkommen, dürften auch mit den Männern vom Millerntor weider im oberen Teil der Tabelle zu finden sein.

Prognose: St. Pauli ist schon das gesamte Jahr 2017 bärenstark. Bestätigt sich dieser Trend, landen die Kiezkicker am Ende unter den Top 5.

 

Aufstiegsfavorit Nummer eins war vor der Saison der 1. FC Union Berlin. Die Köpenicker wollen endlich ihre Rolle als "Vierter" der Liga abgegeben und den Sprung ins Oberhaus schaffen. Der Saisonstart der Eisernen ließ allerdings zunächst zu Wünschen übrig. Über viele Remis und unnötige Niederlagen fanden sich die Köpenicker nur im Mittelfeld der Liga wieder. Trainer Keller hielt jedoch an seiner Mannschaft fest und wird langsam aber sicher wieder bestätigt. Nach zwei überzeugenden Siegen in Serie – darunter ein furioses 5:0 über Kaiserslautern – ist nicht nur das Selbstvertrauen zurückgekehrt, sondern auch der Anschluss an die Spitze hergestellt. Nur zwei Punkte sind es bis zu Rang drei und vier auf Holstein Kiel. Von den Namen her hat Union ohnehin einen der besten Kader der Liga.

Prognose: Union ist und bleibt der Favorit auf den Aufstieg. Kommt die Mannschaft einmal ins Rollen, werden die ersten drei Plätze bald in Reichweite sein.

 

Nach dem Abstieg aus der Bundesliga ging es für den SV Darmstadt 98 durchaus um eine schnelle Rückkehr ins Oberhaus, wenngleich ein Aufstieg keine Pflicht sein dürfte. Nach dem sechsten Spieltag stand der SVD auch auf dem zweiten Rang der Tabelle und machte seiner Favoritenrolle alle Ehre. Doch seither stimmt es in der Defensive der Hessen nicht mehr. Gegen Bielefeld, Heidenheim, Dresden und Ingolstadt kassierten die Lilien satte elf Gegentore. Diese defensiven Totalausfälle kosteten die Mannschaft einige Punkte und bringen derzeit lediglich den achten Rang der Tabelle. Zwar ist der Kontakt nach ganz oben nicht abgerissen, doch mit den aktuellen Problemen in der Hintermannschaft dürfte es schwierig werden, wieder nach oben zu gelangen.

Prognose: Die Mannschaft hat Qualität, aber defensive Probleme. Bleibt dieser Trend bestehen, wird ein Wiederaufstieg sicherlich schwierig.

 

Die Boulevardpresse rief schon nach wenigen Spieltagen die Veilchen von Erzgebirge Aue zum Abstiegskandidaten Nummer eins aus. Zwei Niederlagen zu Saisonbeginn, das Aus im Pokal und eine Trainerentlassung ließen nichts Gutes ahnen. Doch seit dem Wechsel auf der Position des Cheftrainers sind die Auer in Form. Die Spielphilosophie der Erzgebirgler ist eigentlich simpel. Eine kompakte Defensive und pfeilschnelle Konter. Wenn dieses System greift, kommen die Gegner kaum noch zu Möglichkeiten. Aus einer eigenen Führung heraus hat die Mannschaft nur ein einziges Mal Remis gespielt und ansonsten alles gewonnen. Aus Rückständen indes konnte bisher keine Punkte geholt werden. Wenn Aue kontern kann, ist es beinahe unschlagbar, doch wehe wenn man selbst das Spiel machen muss. Wie lange diese Balance funktioniert, ist aktuell nicht abzusehen.

Prognose: Der Klassenerhalt bleibt das erste Ziel der Auer. Die große Sorge wird sein, ob das Konterspiel weiterhin erfolgreich bleibt. Nur dann kann der FCE langfristig erfolgreich sein.