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MSV Duisburg: Licht und Schatten im Einklang

Beim letzten Anlauf in die 2. Bundesliga vor zwei Jahren dauerte es ganze neun Spiele, bevor der MSV Duisburg seinerzeit den ersten Dreier gegen den SC Paderborn 07 einfahren konnte. Am diesem Wochenende soll das Kunststück schon gegen den 1. FC Heidenheim glücken, denn was bislang den großen Unterscheid zum Abstiegskrimi in der Saison 2015/16 ausmacht, liegt ganz klar auf der Hand: Die Spielweise der Zebras ist zweitligatauglich! Jetzt fehlt nur noch der Ertrag.

Spiele auf Augenhöhe

Wenn Trainer Ilia Gruev am Samstagmorgen aufsteht, kann er wohl frohen Mutes in den Tag starten. Obwohl der Zebra-Coach bislang keinen Sieg in den ersten drei Pflichtspielen der Saison holen konnte, hat der Deutsch-Bulgare mit seinen Jungs etwas geschafft, was viele schon lange vermisst hatten – sie haben die Fans begeistert. An dem selben Ort, wo noch vor wenigen Monaten ein Schulterschluss mit dem eigenen Anhang verweigert wurde, weil das Publikum mit der Spielweise eines Tabellenführers (!) unzufrieden war, herrscht aktuell eine optimistische Stimmung. Den Grundstein für diesen Erfolg haben die Meidericher selbst gelegt, denn in den ersten drei Saisonspielen gegen Dresden, Bochum und Nürnberg konnte sich der Aufsteiger durchaus auf Augenhöhe präsentieren. Mit ihren Auftritten konnten die Zebras beweisen, dass die Qualität des Drittliga-Gerüsts auch eine Spielklasse höher ausreichen kann – daran hatten vor dem Saisonstart viele Fans noch starke Zweifel gehabt. Doch Sportdirektor Ivica Grlic und sein Trainer blieben ihrer bisherigen Teamphilosophie treu und setzen auf das ausgeprägte Wir-Gefühl der Mannschaft. Dass sie dabei unzweifelhaft eine gute Arbeit leisten, zeigt sich auch darin, dass alle Neuzugänge bislang ohne Probleme in die Mannschaft integriert wurden. Wenngleich sie alle noch Licht und Schatten zeigen. Borys Tachshy zum Beispiel arbeitet im Sturm wie eine Wand, hält die Bälle und verschafft seinen Nebenleuten Platz. Gleichzeitig ist seine Reaktionsschnelligkeit bei gegnerischen Standardsituationen ausbaufähig. Moritz Stoppelkamp dagegen ist jemand, der auch mal aus der zweiten Reihe den Torschuss sucht, wo seine Mitspieler manchmal zu sehr versuchen, den Ball ins Tor zu tragen. Andererseits übersieht der erfahrene Zweitliga-Kicker dabei auch mal den besser postierten Mann. Und Fröde, der aus dem Spiel heraus bislang alles vor der eigenen Viererkette dicht macht, flog im ersten Spiel wegen Meckerns vom Platz. All das ist Lehrgeld, das die Meidericher nun bezahlt haben sollten.

Goalgetter gesucht

Den neuen Schwung in ihrem Offensivspiel wird der MSV Duisburg gerne auch in die nächsten Spiele mitnehmen. Besonders Simon Brandstetter ackert und schuftet, erspielt sich die besten Torgelegenheiten – einzig die fehlende Ausbeute ist ein altbekanntes Leid, das nicht spurlos am Selbstvertrauen des Stürmers vorbeigehen wird. Dennoch sorgt "Brandy" in der Form seines Lebens aktuell für Aufsehen. Ob er die Rolle eines echten Knipsers erfüllen kann, sobald er sich das nötige Glück erarbeitet hat, wird sich erst in den kommenden Spielen entscheiden. Zittrig wurden die Nerven auch in der Abwehr, in der sich Neuzugang Gerrit Nauber als Abwehrchef etabliert hat. Während sich auch Neu-Kapitän Kevin Wolze schnell an die 2. Liga angepassen konnte, müssen sich Dustin Bomheuer und – vor allem – Nico Klotz und Tugrul Erat noch an die Spielklasse gewöhnen. Auch Fabian Schnellhardt kann sich noch nicht so sehr entfalten, wie man es von ihm gewohnt ist. Nach den ansehnlichen Anfängen gilt es deshalb jetzt, sich die nötigen Punkte zu sichern. Denn wie Abwehrspieler Enis Hajri vor Kurzem schon gegenüber der "RevierSport" andeutete: Verstecken müssen sich die Zebras nicht. Auch wenn zu einer richtigen Etablierung in der Liga noch einiges mehr gehört.