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Winterfazit und Prognose zur 2. Bundesliga – Teil 2

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18 Spieltage sind gespielt, die Hinrunde ist vollständig absolviert und die Teams sammeln in der Winterpause neue Kräfte für die verbleibenden 16 Spieltage. Es ist also Zeit für ein Zwischenfazit zur "Hälfte" der Saison: Wer hat sich in guter Form gezeigt, wer ist abgestürzt und um wen muss man sich ernsthafte Sorgen machen? Im zweiten Teil unserer umfassenden Analyse widmen wir uns den unteren neun Plätzen der Tabelle.

Der Traditionsverein vom Millerntor muss auch in dieser Saison wieder Berg- und Talfahrten durchleben. Nachdem das erste Halbjahr des Jahres 2017 mit einer der größten Aufholjagden der Zweitliga-Geschichte endete, so begann auch die aktuelle Saison vielversprechend. Doch Mitte der Hinrunde brach die Mannschaft plötzlich ein und konnte nur noch Remis und Niederlagen sammeln. Nach 0:9-Toren aus den Spielen gegen Fürth und Bielefeld musste Trainer Janßen gehen und Markus Kauczinski übernahm. Danach wirkte das Team mental erholt und holte vier Punkte aus zwei Spielen. Mit diesen Erfolgserlebnissen will man im neuen Jahr wieder in der Tabelle klettern.

Prognose: Mit neuem Trainer kommt wieder Ruhe ans Millerntor. Es geht wieder aufwärts auf einen einstelligen Tabellenplatz.

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Das Fußballbusiness in Dresden ist auch nicht viel anders als im Rest Deutschlands. Vor wenigen Wochen noch stand Dynamo nach einer 1:2-Niederlage gegen Kaiserslautern auf dem Relegationsrang und Trainer Neuhaus wurde merklich angezählt. Doch drei Erfolge und einen Kantersieg im Derby gegen Aue später will man von einem Trainerwechsel nichts mehr wissen. Daran konnte auch die Niederlage gegen Duisburg nicht mehr ändern. Dennoch ist die aktuelle Ruhe trügerisch, schließlich ist das Polster nach unten nicht entscheidend groß. Auch fehlte in der Offensive vielfach eine nötige Durchschlagskraft, sodass es eine schwere Rückrunde werden dürfte.

Prognose: Die Tagesform entscheidet in Dresden. Genie und Wahnsinn liegen nah beieinander. Auch deshalb reicht es am Ende nicht zu großen Sprüngen.

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Noch mehr Chaos als in Berlin gab es in der Hinrunde nur noch beim VfL Bochum. Ein Trainerwechsel vor der Saison, ein mieser Saisonstart, noch ein Trainerwechsel und die eigenen Ansprüche in die Bundesliga aufzusteigen. Das alles stand in Widerspruch zueinander und sorgte für Unmut gegen Sportvorstand Hochstätter. Sogar ein Sturz auf einen Abstiegsplatz drohte, hätte man nicht mit zwei Siegen in Serie wieder Anschluss an das Mittelfeld gefunden. Zum wiederholten Male in Folge hinkt man den eigenen Ansprüchen weit hinterher, auch weil der Kader lange Zeit nur aus Namen und nicht aus einer Mannschaft bestand.

Prognose: Einzelspieler sind noch kein Team. Vom Aufstieg darf wieder nur geträumt werden, denn wieder einmal kann der VfL bis zum Ende noch nicht sicher sein.

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Nach dem Abgang von Trainer Domenico Tedesco fiel der Saisonstart der Auer gleich mal ins Wasser. Schon nach drei Pflichtspielen wurde der Trainer gewechselt, um nicht wieder in den untersten Gefilden der Liga zu rangieren. Seither bekennt sich Aue wieder auf die eigenen Stärken. Defensive Stärke und offensive Effektivität prägen das Bild. 67 Prozent aller Spiele der Veilchen werden durch maximal ein Tor Differenz entschieden. Wer in Führung geht, gewinnt das Spiel. Diese Regel trifft bis auf wenige Ausnahmen auf die Spiele der Erzgebirgler zu. Während sie Führungen extrem sicher verteidigen, so können sie Rückstände nur mit Mühe aufholen. Das 0:4 in Dresden dagegen sorgte dennoch für ein wenig Frust am Ende des Jahres.

Prognose: Lieber vier mal 1:0 als einmal 4:0. Mit dieser Devise hamstern sich die Veilchen weiter voran, doch unter Druck wird es am Ende nochmal eng.

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Nur eine Mannschaft in der Saison musste weniger Niederlagen einstecken als Eintracht Braunschweig. Nur eine Mannschaft hat in dieser Saison weniger oft gewonnen als Eintracht Braunschweig. Zwei Fakten, die eigentlich nicht zueinander passen. Bei Eintracht Braunschweig jedoch hat sich dieses Statistik manifestiert. Vier Siege, zehn Remis und vier Niederlagen sind die Ausbeute der Eintracht. Damit hat man zwar rechnerisch mit dem Abstieg nichts zu tun, doch mit dem Aufstieg schonmal noch weniger. Auch sorgt die Ausgeglichenheit der Liga in dieser Saison dafür, dass der Vorsprung nach unten verschwindend gering ist. Sobald die schwere Verletzungsmisere der Niedersachsen beendet ist, wird aber auch die Punkteausbeute wieder besser werden.

Prognose:  Abstiegskampf hat in Braunschweig nichts verloren und die Eintracht macht noch einen Satz nach oben.

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Frank Schmidt ist mittlerweile schon eine Institution in Heidenheim einer der längsten im Amt befindlichen Trainer der Zweitliga-Geschichte. Auch deshalb gab es trotz einer sehr schwierigen Hinserie kaum Zweifel am Übungsleiter. Der FCH rangierte lange ganz unten in der Tabelle und konnte den guten Auftakt nach dem Sieg gegen Aue nicht fortsetzen. Eine Serie aus 13 Punkten in fünf Spielen spülte die Mannschaft beinahe schon wieder ins sichere Mittelfeld, ehe der Schlussspurt des Jahres wieder in die Hose ging. Die Mannschaft steht und fällt mit Kapitän Marc Schnatterer und an seine Leistungen wird sich auch die Rückrunde der Mannschaft von der Ostalb orientieren.

Prognose: Heidenheim schien schon beinahe auf dem Weg zu alter Stärker, doch nun wird es das erste Mal eng für den FCH.

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Eigentlich hatte der SC Paderborn in der vorletzten Saison schon bewiesen wie ein Durchmarsch von der Bundesliga in die 3. Liga funktioniert. Offenbar versucht der SV Darmstadt 98 in dieser Saison genau dieses Kunststück zu wiederholen. Unter Trainer Frings starteten die Lilien mehr als ordentlich in die Saison und träumten vom direkten Wiederaufstieg, doch seit Mitte September sind diese Träume mehr und mehr geplatzt. Der SVD hat seither kein Spiel mehr gewonnen und rutschte bis auf den Relegationsplatz in der 2. Bundesliga. Frings musste gehen und Aufstiegstrainer Dirk Schuster übernahm. Ob er allerdings die starbesetzte Mannschaft um Weltmeister Kevin Großkreutz wieder in den Griff bekommen kann?

Prognose: Die Lilien machen es bis zum letzten Spieltag spannend und kämpfen mit Aue, Heidenheim und Fürth gegen den Abstieg. Am Ende reicht es aber für Liga 2.

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Das Kleeblatt aus Fürth gehört zum festen Bestandteil der 2. Bundesliga und ist aus selbiger nicht mehr wegzudenken. Doch nach dem Saisonstart musste man sich mental schon beinahe von den Franken verabschieden, da Fürth mit Kaiserslautern ein Schneckenrennen um den letzten Tabellenplatz betrieb. Seit dem Trainerwechsel am Ronhof hat sich aber etwas geändert. Zuhause ist Fürth eine Macht und das viertbeste Team der gesamten Liga. In der Fremde dagegen gelang immernoch kein einziger Sieg. Ohne die Auftritte vor heimischer Kulisse wäre man wohl schon längst mit den Planungen für Liga 3 beschäftigt. Doch so besteht noch Hoffnung auf Rettung.

Prognose: Ohne Heimspiele wäre das Kleeblatt wohl schon fast abgestiegen, doch ohne Punkte in der Fremde gibt es am Ronhof bald wohl nur noch Drittliga-Fußball.

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Und wieder einmal droht ein großer Verein Fußball-Deutschlands in den Tiefen der Versenkung zu verschwinden. Offenbach, Aachen und 1860 München hießen die letzten prominenten Traditionsvereine, die nach einem Abstieg aus Liga 2 und finanziellen Schwierigkeiten aus dem Profifußball verschwanden. Noch ist der FCK diesem Schicksal nicht erlegen, doch viel fehlt wohl nicht mehr dazu. Sportlich ist die Mannschaft kaum zu retten und hat schon zehn Punkte Rückstand auf das rettende Ufer. Trainer Jeff Strasser brachte Hoffnung in die Pfalz, konnte aber auch nur wenige Punkte sammeln. Finanziell würde ein Abstieg in die 3. Liga wohl den Kollaps des Vereins bedeuten. 16 Spiele bleiben noch um dieses Schicksal abzuwenden…

Prognose: Selbst St. Pauli hatte vor einem Jahr weniger Rückstand zum rettenden Ufer. Für den FCK gehen die Lichter aus.