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Kommentar: Der SC Paderborn riskiert zu wenig

Drei Spieltage bleiben dem SC Paderborn noch, um den Durchmarsch von der Bundesliga in die 3. Liga zu verhindern. Auch wenn die Ostwestfalen als Vorletzter in den Saisonendspurt gehen, ist das rettende Ufer nur einen Punkt entfernt. Doch die Lage ist trügerisch: Längst hätte der SCP den Sprung von den Abstiegsrängen schaffen können, doch das letzte Risiko ging man in Paderborn zuletzt nicht ein. Ein Kommentar.

Müller verzichtet auf echten Stürmer

Vorneweg: Sollte der SC Paderborn tatsächlich direkt von der Bundesliga in die 3. Liga durchgereicht werden, trifft Cheftrainer René Müller, der Anfang März von Stefan Effenberg übernommen hat, die geringste Schuld. Dennoch waren seine Entscheidungen in den letzten Wochen nicht immer glücklich. Abgesehen davon, dass Unsicherheitsfaktor Niklas Hoheneder mittlerweile wieder gesetzt ist (es würde sicherlich Alternativen geben), überraschte Müller vor dem wichtigen Spiel gegen den FSV Frankfurt am vorletzten Spieltag damit, ohne echten Stürmer in die Partie zu gehen. Stattdessen verstärkte er das Mittelfeld und ließ im 4-3-3 spielen. Zwar wurde das Spiel mit 2:0 gewonnen, konnte aber dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Torgefahr – vor allem in der ersten Halbzeit – selten bis gar nicht zustande kam.

Punkt gegen Heidenheim ist zu wenig

Auch im vergangenen Spiel in Heidenheim lief Paderborn ohne Stürmer auf, dieses Mal reichte es nur zu einem 1:1. Zwar netzte Marvin Bakalorz ein und sorgte auch sonst immer wieder für Torgefahr, dennoch bleibt fraglich, warum mit Nicklas Helenius erst in der 89. Minute der erste Stürmer eingewechselt wurde. Gerade vor dem Hintergrund, dass man mit einem Sieg auf den 14. Platz vorgerückt wäre, hätte René Müller mehr riskieren müssen. Ein Sturmlauf hätte es nicht gleich sein müssen, aber zumindest hätte Müller mit einer früheren Einwechslung eines Stürmers klar machen müssen: Wir wollen hier gewinnen – und dementsprechend riskieren wir jetzt auch mehr. Diesen Plan hatte er vor der Partie sicherlich, zeigte sich auf der Pressekonferenz nach Abpfiff mit einem Punkt aber auch zufrieden; diverse Spieler stimmten ihm in Interviews zu. Genau hier liegt das Problem: Letztlich ist ein Punkt in Heidenheim angesichts der Ausgangslage und der Möglichkeiten im Spiel eben zu wenig. Schon im Heimspiel gegen Duisburg, das Mitte März 0:0 ausging, war es erstaunlich, dass Müller nach Abpfiff von einem "gewonnen Punkt" sprach. Zwar spielte der SCP über 30 Minuten in Unterzahl, muss sich aber dennoch vorwerfen lassen, zu wenig riskiert zu haben. Letztlich betonte man aber, ein 0:0 über die Zeit "gerettet" zu haben. Wer in zwei Spielen gegen den Tabellenletzten ohne Tor bleibt und im eigenen Stadion ein torlosen Remis gegen Duisburg über die Zeit rettet, hat den Klassenerhalt vielleicht auch gar nicht verdient.

Eine trügerische Lage

Am Ende helfen nur Siege – und davon hat Paderborn bisher zu wenige. Gerade jetzt in der heißen Phase der Saison muss ein Cheftrainer auch mal ein gewisses Risiko eingehen. Gerade, weil die Spiele, und damit die Chancen auf drei Punkte, immer weniger werden. Gerade, weil die nächsten Gegner Freiburg, 1860 München und Nürnberg heißen. So steht der SCP jetzt ausgerechnet gegen Tabellenführer (!) Freiburg unter Zugzwang. Mit einem Punkt könnte man am 10. Spieltag in dieser Partie sicherlich leben, am 32. Spieltag könnte ein solcher aber zu wenig sein. Gerade, weil es die Mannschaft in den letzten Wochen teilweise verpasste, notwendige Siege für den Klassenerhalt einzufahren. Hinzu kommt, dass aufgrund der schlechten Tordifferenz  immer ein Punkt mehr benötigt wird, um an der direkten Konkurrenz vorbeiziehen zu können. So sind es bis zum rettenden Ufer nämlich zwei Punkte. Auch deshalb ist die Lage für den SC Paderborn im Tabellenkeller so trügerisch. Wenn es am Ende ganz knapp nicht für den Liga-Verbleib reicht, wird man sich ärgern, in einigen Spielen nicht das letzte Risiko gegangen zu sein. "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt", lautet ein eigentlich bekanntes Sprichwort. Beim SCP scheint man davon allerdings nichts gehört zu haben. Und so könnte die fehlende Risikobereitschaft für den zweiten Abstieg in Folge sorgen.