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Krämer-Entlassung: Wenn die Mühlen des Fußballs mahlen

Es sind die vielfach genannten "Gesetze des Fußballs": In der Kette vom Präsidium bis zum Greenkeeper eines Fußballvereins ist der Trainer immer das schwächste Glied. So auch gesehen im Fall von Arminia Bielefeld. Auf eine sportlich schwierige Situation folgen kritische Stimmen, auf kritische Stimmen folgen "Trainer raus" Forderungen einzelner Unverbesserlicherer und wenn dann nichts besser wird, muss der Trainer eben gehen. Ob dabei die Mannschaft auf dem Platz gestanden hat oder nicht, wird seltsamerweise in den seltensten Fällen hinterfragt. Ist es also wirklich die richtige Lösung die Schuld immer beim Trainer zu suchen? Da sprechen dann wieder viele vom sagenumwobenen "Trainereffekt", dass eine Mannschaft auf einmal wieder erfolgreichen Fußball spielt und drei Punkte einfährt. Soll schonmal vorkommen – siehe Hamburger SV oder Hannover 96.

Die Schuld an einem festmachen?

Doch im Falle des Deutschen Sportclubs aus Ostwestfalen sieht die Situation etwas anders aus. Mit Stefan Krämer hatte man dort aus der Not heraus einen völlig unbekannten Übungsleiter installiert, weil man in der 3. Liga nach knapp einem Viertel der Saison hoffnungslos und sieglos auf dem letzten Tabellenplatz stand. Der gebürtige Mainzer hauchte dem am Boden liegenden Team mit seiner Energie und sympathischen, fußballverückten Art wieder neues Leben ein. Rund um Bielefeld entstand eine neue Identifikationsfigur, die auch mal kein Blatt vor den Mund nahm, wenn Spiele einfach schwach gespielt wurden, sondern das auch aussprach. Die ehrliche Einstellung des Trainers fand schnell viele Anhänger in der Region. Krämer packte mit der Mannschaft den Klassenerhalt und wurde von den Fans gefeiert. Umso größer die Freude, als er die Mannschaft über Zusammenhalt und Engagement auch noch zum Aufstieg in die 2. Bundesliga führte und das trotz großer Konkurrenz in der 3. Liga. Nicht wenige meinen, dass man ohne ihn vielleicht mit Rot Weiß Essen und Alemannia Aachen in der Regionalliga spielen würde – wenngleich fraglich ist, ob der DSC finanziell dazu in der Lage gewesen wäre. Ohne große finanzielle Mittel starteten die Blauen dann auch furios in die 2 Bundesliga. Und als einige schon von höheren Zielen zu schwelgen begannen, mahnte Krämer immer wieder, dass es nur gegen den Abstieg ginge und das man vorsichtig sein müsse.

Die hässliche Seite des Sports

Und so folgte auch die schon angekündigte Niederlagenserie. Nach sieben Niederlagen in Serie schienen die Verantwortlichen in Ostwestfalen schon beinahe vergessen zu haben, dass sie gerade erst aufgestiegen waren. Krämers Stuhl wackelte bedenklich. Doch in einer im Profifußball noch nie dagewesenen Art stellten sich die Fans der Arminia hinter ihn und seine Spielphilosophie. Mit einer Aktion, an der sich mehrere hundert Leute beteiligten, forderten sie während der Trainingseinheiten den Verbleib des Trainers. Deswegen und auch aufgrund von sieben Punkten aus den folgenden drei Spielen durfte Krämer bleiben. Auch nach der Winterpause und dem ersten Spieltag des neuen Jahres war noch kein Anzeichen eines Trainerwechsels zu erkennen. Doch absurderweise reichen zwei, zugegeben äußerst bittere und spielerisch schwache, Niederlagen aus, um sämtliche erbrachten Leistungen vergessen zu machen. Es ist wie eine Gleichung: Mannschaft + schwache Leistung + Niederlagen = Trainer entlassen. Manche sprachen von Angsthasenfußall, falschen taktischen Aufstellungen, schlechten Wechseln oder davon, dass die Mannschaft sich nicht weiterentwickeln würde. Möglicherweise steckt in allem davon vielleicht ein bisschen Wahrheit. Aber welcher Trainer, wenn er nicht grade eine Bank voller Millionäre hat, macht denn keine Fehler? Die unverbesserlichen Schwarzseher, die nur darauf warten, dass sie irgendjemanden zum Abschuss freigeben können, gibt es wohl in jedem Verein. Das aber die große Mehrheit der Fans weiterhin dem Trainer des Vertrauen geben wollte und die Mannschaft in die Pflicht nahm, die ja letztlich auf dem Platz steht, hat wieder einmal niemanden im Vorstand interessiert.

Auf schwierig folgt noch schwieriger

Die Frage wird sein, ob ein Norbert Meier den gewünschten Erfolg bringen wird und tatsächlich die Klasse gehalten werden kann. Die Frage wird auch sein, ob er genauso von den Anhängern akzeptiert werden wird. Natürlich ist es auch nicht sicher, ob man jetzt mit Stefan Krämer in der Liga geblieben wäre. Aber was diesen Trainer ausmacht ist eine Identifikation und eine Leidenschaft für einen Verein, die so in Deutschland nur wenige Gleichgesinnte findet. Wer lässt sich schon sonst ein übergroßes Tattoo des Vereins auf die Brust stechen? Wer sonst lebt und leidet in Deutschland so mit einem Verein, dass er in 90 Minuten teilweise mehr an der Seitenlinie läuft, als seine Spieler? Einige halten es für möglich, dass die Entlassung genau der falsche Schritt gewesen sein könnte und jetzt erst recht eine Abwärtsspirale eingeleitet wurde. Wieder andere sehen den Trainerwechsel als die logische Konsequenz und einzig richtige Entscheidung an. Sie erhoffen sich durch einen neuen Trainer neue Impulse, was sicherlich auch funktionieren kann. Auch wenn es im Fußballbusiness normal ist, irgendwann den Trainer zu entlassen, so ist es doch immer wieder gruselig, wie schnell Erfolge und Leistungen für einen Verein vergessen werden. Anstatt eines Falls in die Regionalliga steht man, zumindest noch, in der 2. Bundesliga. Und wer muss den Kopf hinhalten? Nicht die Spieler, die letztlich auf dem Platz stehen und die vielleicht einfach noch nicht alle reif genug für die Liga sind,  sondern der Trainer, der immer 100% für den Verein gegeben hat! Und wer meint, dass Vertrauen in einen Trainer doch auf Dauer nicht funktioniert, der darf gerne mal beim FC Augsburg nachfragen.

Fazit: Es stehen immernoch dieselben 18 Spieler im Kader und es ist immernoch dasselbe Präsidium. Doch eines der Aushängeschilder des Vereins, ein einzigartiger Trainer, der mit all seinen positiven wie negativen Eigenschaften den Verein geprägt hat wie lange keiner mehr, ist nicht mehr da. Wohin geht jetzt also der Weg Arminia? Die Unruhe im Verein, die man eigentlich endlich besiegt zu haben glaubte, ist nun wieder aufgebrochen. Dennoch ist es jetzt an der Mannschaft zu zeigen, dass sie den Klassenerhalt erreichen kann. Welche Meinung man auch vertreten mag, eine faire Chance sollte man ihr geben. Stefan Krämer selbst wird sicherlich auch weiter den Weg "seiner" Mannschaft verfolgen. Und währenddessen gilt: Die Mühlen des Fußballs mahlen weiter…