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Magdeburger Last-Minute-Wahnsinn: "Wunderschöner Abend"

© imago

Als Bakery Jatta in der 31. Spielminute das Führungstor für den Hamburger SV erzielte, ahnte niemand die dramatische Wende: Magdeburg drehte auf, drehte das Spiel und drehte danach durch! Mit dem 2:1-Auswärtssieg in Hamburg konnte der FCM wichtige "Big Points" im Abstiegskampf sammeln.

"Dafür entschuldigen wir uns nicht"

Nach Hamburg oder Köln zu fahren, erscheint irgendwie so, als müsse man zum FC Bayern München der 2. Bundesliga. Ein bisschen was Wahres ist auch dran, denn nicht umsonst stehen die beiden Ex-Bundesligisten in den Pole-Positions für den direkten Wiederaufstieg. Wenn dann auch noch der 1. FC Magdeburg als vermeintlicher Abstiegskandidat Nummer anreist, ist das Schicksal einer Partie eigentlich schon entschieden – so war die 1:0-Führung für den HSV durch Bakery Jatta nach rund einer halben Stunde kaum verwunderlich.

An diesem Tag war aber etwas anders: Noch vor der Halbzeitpause spielte sich plötzlich der 1. FC Magdeburg ein Chancenplus heraus. Die logische Folge war der Ausgleich nach einer Stunde, der FCM setzte nach und dann das Unfassbare – Freistoß Magdeburg, der Ball sprang irgendwie zu Philip Türpitz und der setzte das Ding in die Maschen! "Ich freue mich wirklich für meine Spieler, weil sie bis zum Schluss auf Sieg gespielt haben. Wir wollten unbedingt gewinnen und haben es auch gemacht. Dafür entschuldigen wir uns nicht", freute sich FCM-Coach Michael Oenning gegenüber der "Volksstimme", der in seiner HSV-Vergangenheit nur einen einzigen Bundesliga-Sieg einfahren konnte.

Beck-Comeback in Hamburg

Die Last-Minute-Ekstase bescherte dem FCM nicht nur drei Punkte, sondern auch einen Puffer von fünf Zählern auf die direkten Abstiegsplätze. Den Wahnsinn in Person machte Mittelfeldakteur Dennis Erdmann perfekt, als er die Eckfahne vor dem Gästeblock von der Stange nahm und darauf herum biss. "Für mich zählt nur Vollgas", befeuerte der 28-Jährige die Euphorie. "Wir müssen weiter dranbleiben. Gegen den HSV kann jeder gut spielen, jetzt kommen aber die wichtigen Spiele wie gegen Darmstadt", blieb Erdmann allerdings auch realistisch. Duelle wie mit Pierre-Michelle Lasogga hätten ihm dennoch große Freude bereitet.

Der FCM, der sich in letzter Sekunde so oft schon die sprichwörtliche Butter vom Brot nehmen ließ, feierte nun ausgerechnet in Hamburg. "Es war eine sehr leidenschaftliche und intensive Leistung, die dazu geführt hat, dass wir dieses Spiel offengehalten haben", begeisterte sich Oenning für den unbedingten Willen seines Teams. Auch für die mitgereisten Fans freute es den Coach enorm: "Wir haben unseren zahlreichen Fans, die mit nach Hamburg gefahren sind, einen wunderschönen Abend beschert." Und als sei der Abend aus Magdeburger Sicht nicht schon perfekt genug gewesen – mit Christian Beck feierte in der 64. Spielminute der Kapitän nach einem Nasenbeinbruch sein Comeback. Die Euphorie steigt ins Unmessbare.