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Saison-Prognose RB Leipzig: Eigentlich kann nichts schiefgehen

© GEPA

Bevor die 2. Liga am Freitag, den 24. Juli in die neue Saison startet, blickt liga2-online.de auf die 18 Zweitligisten und schätzt die Chancen der Teams ein. In der heutigen Ausgabe werfen wir einen Blick auf RB Leipzig.

So lief die Vorbereitung

Besser als bei RB Leipzig in diesem Sommer kann eine Vorbereitung wohl nicht laufen. Die lang anhaltende Diskussion um einen neuen Cheftrainer hat der Sportdirektor durch die Selbstinstallation beendet, als es zeitlich notwendig war. Die zu Beginn vorherrschende Skepsis ist mittlerweile einer absoluten Aufbruchstimmung gewichen. Ralf Rangnick hat es scheinbar in kürzester Zeit geschafft, die mit vielen Neuzugängen verstärkte Truppe zu einer funktionierenden Einheit zu formen. Zudem blieben im Trainingslager schwerwiegende Verletzungen aus und der Topfavorit kann fast in Bestbesetzung in das erste Saisonspiel gehen. Die neue Stärke konnte auch in den Testspielen nachgewiesen werden, die die Rasenballer ausnahmslos alle gewannen. Zuletzt wurde die Generalprobe gegen den israelischen Spitzenklub Hapoel Tel Aviv überzeugend mit einem 3:0-Sieg gemeistert.

Die Transferperiode

Zugänge Abgänge
Stefan Ilsanker (RB Salzburg)     Joshua Kimmich (FC Bayern)
Nils Quaschner (RB Salzburg)     Ante Rebic (AC Florenz)
Marcel Sabitzer (RB Salzburg)    Yordi Reyna (RB Salzburg)
Peter Gulacsi (RB Salzburg) Daniel Frahn (Heidenheim)
Massimo Bruno (RB Salzburg)   Sebastian Heidinger (Heidenheim)
Davie Selke (Werder Bremen)  Fabian Franke (Wehen Wiesbaden)
Atinc Nukan (Besiktas) Niklas Hoheneder (SC Paderborn)
Willi Orban (1.FC Kaiserslautern) Omer Damari (RB Salzburg)
Dmitri Skopintsev (Zenit St.Petersburg) Rodnei (1860 München)
Ken Gipson (VfB Stuttgart)  

 

Wer soll noch kommen? Wer soll noch gehen?

Der Kader ist komplett. Alle Positionen sind doppelt besetzt. Ein weiterer Zugang scheint nur denkbar, wenn eine langwierige Verletzung auftreten sollte oder sich auf dem Markt eine ganz besondere Möglichkeit ergibt. Auch die Zukunft der Spieler, mit denen man nicht mehr plante, scheint weitestgehend geklärt. Lediglich Mikko Sumusalo, der in der Rückrunde nach Rostock verliehen war, soll wohl noch abgegeben werden. Der kolportierte Versuch, Ex-Nationalspieler Marvin Compper nach Salzburg zu delegieren hat sich zum heutigen Stand als Ente erwiesen.

Auf diesen Spieler sollte man achten

Generell ist es bei der Vielzahl talentierter Akteure, die in Leipzig unter Vertrag stehen, der falsche Weg auf einen Youngster speziell zu achten. Wenn man aber einen herauspicken muss, dann kann man wohl ohne schlechtes Gewissen Willi Orban, den Königstransfer aus Kaiserslautern, nennen. Der gebürtige Pfälzer war in der vergangenen Saison bereits im jugendlichen Alter Kapitän der Mannschaft vom Betzenberg und hat damit nachdrücklich seine bereits sehr ausgeprägten Führungsqualitäten dargestellt. Ein Wechsel in die Bundesliga schien beschlossene Sache, sogar mehrere Champions-League-Teilnehmer hatten ihn auf dem Zettel. Dass der Innenverteidiger sich für das Projekt RB und den Wechsel zum Zweitligakonkurrenten seines Heimatklubs entschied, kostete ihn speziell in seinem Umfeld viele Sympathien. Ein wahrer Shitstorm brach in den sozialen Netzwerken über ihn herein. In der Messestadt ist man umso glücklicher, denn man hat mit dieser Verpflichtung einen großen Baustein auf dem Weg ins Oberhaus einsetzen können.

Stärken und Schwächen

Die individuelle Qualität ist deutlich größer als bei jedem Zweitligakonkurrent. Alle Positionen sind auf überdurchschnittlichem Niveau doppelt besetzt. Für Trainer Ralf Rangnick wird es eine wahre Herausforderung sein, diese Qualitätsspieler bei Laune zu halten. Fast jeder im Kader befindliche Akteur sieht sich gewiss als stark genug für die erste Elf an. Nur wenn es gelingt, allen das Gefühl der Wichtigkeit zu geben und interne Querelen zu vermeiden, wird sich aus den Topspielern auch eine Topeinheit bilden. Dieser Spagat scheint das A und O zu sein. Findet man hier den richtigen Weg, dann hat der Kader auf diesem Niveau so gut wie keine Schwächen.

Die Erwartungen der Fans

Eine positive Euphorie umgibt den Leipziger Cottaweg. Jeder wünscht sich den triumphalen Aufstieg in Liga Eins, die meisten halten ihn auch für sehr realistisch – aber niemand fordert ihn aggressiv. Selbst Rangnick, sonst eher nicht als sehr geduldig bekannt, hatte ihn nicht zur absoluten Pflicht erklärt. Das Umfeld ist einfach froh, überhaupt wieder Profifußball in der Heimat des ersten deutschen Meisters zu sehen. Vor der Gründung der Rasenballer war die Stadt davon ja nach zahlreichen Fehlversuchen verschiedener Klubs meilenweit entfernt. Durch die daraus resultierende Tiefenentspannung der einheimischen Fußballfans kann man in Ruhe arbeiten und aufbauen. Allen ist klar: irgendwann spielt RB Leipzig ohnehin ganz oben. Wenn nicht in diesem Jahr, dann eben im nächsten. Oder eben noch etwas später…

Fazit & Prognose

Der beste Kader der Liga, betreut von einem der besten Fußballlehrer des Landes – da kann eigentlich nicht viel schiefgehen. Wie die Vergangenheit aber schon oft gezeigt hat, läuft die Lieblingssportart der Deutschen eben nicht nach Schema F ab, sondern ist unberechenbar. Jeder Gegner wird gegen die „Reichen“ noch ein paar Prozente mehr Vollgas geben als vielleicht in anderen Spielen, zudem ist die Konkurrenz mit vielen ehemaligen Erstligisten auch nicht zu unterschätzen.
Es wird garantiert kein leichter Weg für den Krösus. Es werden Rückschläge auftreten und ein Start-Ziel-Sieg ist keineswegs zu erwarten. Dennoch ist RB der Topfavorit und die Chance, dass sie am Ende der Saison die Schale in den Himmel strecken ist größer als die Wahrscheinlichkeit, dass sie dies nicht tun.