St. Pauli: Die Krise spitzt sich zu

"Das A und O bis Weihnachten ist es, Punkte zu holen. Darauf alleine liegt unser Fokus“, sagte Pauli-Trainer Ewald Lienen vor dem Auswärtsauftritt in Würzburg. Am Ende wurde es damit wieder nichts. Dass die Kiezkicker sich derzeit selbst im Weg stehen, verdeutlichte der Auftritt in Unterfranken allzu gut. Ein Eigentor von Hedenstad, der von dem erst 19 jährigen Brian Koglin bei einem Klärungsversuch angeschossen wurde, besiegelte in der 84. Minute die bittere 0:1-Pleite. Die Krise am Millerntor spitzt sich weiter zu.

Himmelmann: "Jeder muss sich hinterfragen“

Bereits seit neun Spielen wartet St. Pauli auf einen Sieg. "Das passt ins Bild, dass wir uns die Dinger selber reinhauen", erklärte Lienen nach dem Spiel in Würzburg ernüchtert. Torhüter Robin Himmelmann wurde in seiner Kritik deutlich: "Nach der ersten Halbzeit hätten wir uns nicht beschweren dürfen, wenn wir hier zurückgelegen hätten. Wir hatten viele Ballverluste und haben dadurch Räume zugelassen.“ Erneut enttäuschte das Team vor allem in der Offensive. "Wenn wir weiter so auftreten, wird es grundsätzlich schwer. Jeder muss sich hinterfragen, ob er alles gegeben hat.“ In der Tabelle ist St. Pauli mit gerade einmal sechs Zählern aus 12 Partien Letzter. Vier Punkte fehlen auf den Relegationsplatz, den derzeit Aue einnimmt. Fünf Punkte sind es bis zum rettenden Ufer. Noch dramatischer wurde die Lage in der Liga nur deshalb nicht, weil alle vier Klubs, die im Keller vor den Kiezkickern rangieren, am vergangenen Wochenende ebenfalls Niederlagen einstecken mussten. Das Selbstvertrauen dürfte nach dem neuerlichen Nackenschlag aber weiteren Schaden genommen haben.

Wieviel Zeit bleibt Lienen?

Vor Ewald Lienen liegt in den kommenden Trainingswochen ein Berg voll Arbeit - sowohl im sportlichen als auch mentalen Bereich. Übermäßige Kritik am Coach selbst gibt es trotz des bescheidenden Abschneidens noch nicht. Im Mai verlängerte der Verein den Vertrag mit dem 62-Jährigen bis 2018. Im Dezember 2014 hatte er die Hamburger als Schlusslicht übernommen und zum Klassenerhalt geführt. Bei der Vertragsverlängerung war St. Pauli Vierter. Aufgrund der Verdienste hat Lienen wohl mehr Kredit, als das bei einem anderen Übungsleiter der Fall gewesen wäre. Doch gehört es zu den Mechanismen des Profi-Fußballs, das bei anhaltendem Misserfolg die Erfolge der Vergangenheit nicht vor dem Jobverlust schützen - auch bei langfristig geschlossenen Verträgen, die Kontinuität versprechen sollen. In der Länderspielpause gilt es, die Wunden der vergangenen Wochen zu lecken. Am 20. November (13.30 Uhr) braucht die Lienen-Elf gegen Fortuna Düsseldorf dringend ein Erfolgserlebnis.

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