Das perfekte Wochenende des SC Paderborn 07

Ein Spiel dauert 90 Minuten. Richtig! Doch den Fans des SC Paderborn 07 wurde am zurückliegenden Spieltag deutlich mehr geboten, als "nur" die Partie der eigenen Mannschaft. Das perfekte Wochenende begann bereits am Freitagmittag, als Marvin Bakalorz um 13:49 Uhr auf seiner Facebook-Seite verkündete, den am Ende dieser Saison auslaufenden Leihvertrag um gleich drei Jahre bis 2017 zu verlängern. Der defensive Mittelfeldspieler stieß in der Winterpause vom Bundesligisten Eintracht Frankfurt auf halbjähriger Leihbasis zum SCP, wo er sich auf Anhieb einen Stammplatz sicherte und zum Leistungsträger avancierte. Überraschend an der Verlängerung war nicht nur der Zeitpunkt, sondern vor allem die Tatsache, dass er sich, ohne zu wissen, in welcher Liga er in der kommenden Saison spielt, zum SCP bekannt hat. Vor einigen Jahren wäre ein Transfer der Marke Bakalorz wohl alleine aus finanziellen Gründen schon nicht möglich gewesen. Welches Ansehen er selbst noch in Frankfurt genießt, zeigen die Kommentare der SGE-Fans auf der Facebook-Seite des 24-Jährigen, die ihn gerne wieder bei der Eintracht gesehen hätten. Und das, obwohl er in der Hinrunde nur sechs Kurzeinsätze in der Bundesliga absolvierte.
Paderborn beendet Spieltag erstmals in der Geschichte auf Rang zwei
Keine sechs Stunden später gab es den nächsten Grund zum Jubeln: Die SpVgg Greuther Fürth musste sich in letzter Sekunde dem TSV 1860 München mit 1:2 geschlagen gaben und verpasste es damit, sich von den Nullsiebenern abzusetzen. Eine Genugtuung für die SCP-Fans, mussten sie doch selbst eine Woche vorher den späten, aber irregulären Ausgleichstreffer im Spiel gegen die Franken hinnehmen. Somit bot sich den Ostwestfalen mit einem Sieg gegen den SV Sandhausen am Sonntag die einzigartige Möglichkeit, erstmals in dieser Saison und überhaupt zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte einen Spieltag auf dem zweiten Tabellenplatz zu beenden. Die Anspannung vor der Partie gegen den SVS war groß, die Vorfreude und die Stimmung aber ebenso. Vor 14.700 Zuschauern in der fast ausverkauften Benteler-Arena (nur der Gästeblock war nicht vollständig besetzt) gewannen die Schwarz-Blauen mit 2:0. Es dauerte zwar bis zur 66. Minute, ehe Süleyman Koc zum 1:0 traf, doch der Sieg war am Ende klar verdient. Unter dem lautstarken Beifall der Zuschauer wurde die Mannschaft nach der Partie minutenlang gefeiert. Schließlich hat die Elf von Trainer André Breitenreiter einen neuen Meilenstein der Vereinsgeschichte gesetzt.
Zwei Siege, und der direkte Aufstieg wäre perfekt
Der nächsten Meilenstein, und das wäre ohne Frage die größte Sensation der letzten Jahren, könnte schon am nächsten Sonntag beim Auswärtsspiel in Aue folgen: Mit einem Sieg, und einem gleichzeitigen Punktverlust der SpVgg Greuther Fürth in Cottbus, würde der Sportklub den direkten Aufstieg perfekt machen. Angesichts der Tatsache, dass Fürth beim bereits abgestiegenen Schlusslicht aus Cottbus aber wohl kaum Punkte liegen lassen wird, wird die endgültige Entscheidung aber wohl erst am letzten Spieltag fallen, wenn die Sportstadt im bereits ausverkauften Stadion auf den VfR Aalen tritt. Das Umfeld der Paderborner geht derweil davon aus, dass nur zwei Siege aus den letzten beiden Partien zum direkten Aufstieg reichen werden, da Fürth gegen Cottbus und eine Woche später gegen Sandhausen wahrscheinlich keine Punkte liegen lassen wird. Bei mindestens zwei Zählern aus den letzten beiden Partien hätte der SCP aber zumindest den Relegationsrang gesichert. Großen Anteil daran, und damit wird an dieser Stelle das perfekte Wochenende des SCP abgerundet, hat der 1. FC Kaiserslautern: Da die Lautrer am Montag gegen Union Berlin nur einen Punkt holten, liegen sie bereits fünf Zähler hinter den Ostwestfalen. Besser hätten die letzten Tage für den Klub aus 145.000 Einwohner-Stadt wahrlich nicht verlaufen können. Nun gilt es, die positive Serie weiter fortzuführen, um das Wunder tatsächlich wahr werden zu lassen.
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