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Eine denkwürdige Partie: "So ein Spiel habe ich noch nicht erlebt"

© imago images / Zink

Am Freitagabend empfing der FC Erzgebirge Aue den 1. FC Nürnberg. Mit dem Feuerwerk, das die beiden Teams in der zweiten Halbzeit abfackelten, dürfte im Vorfeld niemand gerechnet haben. Zumal die erste Halbzeit nicht unbedingt darauf schließen ließ.

Völlig verrückte 45 Minuten

Wenn die Nachspielzeit eines Fußballspiels im zweistelligen Bereich liegt, dann ist bereits klar, dass irgendetwas nicht wie gewohnt verlaufen ist. Doch dass das Freitagabendspiel zwischen Aue und Nürnberg am Ende eine solche Partie werden würde, hatte nach 45 Minuten noch niemand auf dem Schirm: 0:0 stand es da, mit Vorteilen für den Club. Dann aber begann so langsam der Wahnsinn: Frey brachte die Gäste aus Nürnberg in der 51. Minute in Führung. Die schickten sich nun an, das zweite nachzulegen – doch dann nutzte Sörensen die Hand, um eine Chance der Heimelf zu vereiteln. Die Konsequenz: Rot und Elfmeter. "Da sind wir einmal nicht wachsam, kriegen dann den Elfmeter und die Rote Karte", rekapituliert Hanno Behrens, der die Situation als Schlüsselszene bezeichnete – wie auch sein Trainer Damir Canadi: "Danach ist das Spiel gekippt und richtig Spannung aufgekommen. Nach dem Platzverweis war es Dramatik pur."

Und die entfaltete sich folgendermaßen: Nazarov verwandelte den Elfer zum 1:1 (62.), dann erhöhte Hochscheidt auf 2:1 (75.). Geis wiederum erzielte den Ausgleich für Nürnberg (78.), dann konterte Mihojevic mit dem 3:2 (86.). Die nächste Situation ließ nicht lang auf sich warten: Nach Videobeweis entschied der Schiedsrichter auf Elfmeter für Nürnberg, den wieder Geis verwandelte (90+2). Die reguläre Spielzeit war beim Stande von 3:3 also bereits abgelaufen, das Spiel hatte aber noch mehr im Köcher: Krüger brachte die Hausherren per Kopf wieder in Führung (90.+4). Der Videobeweis wurde eingeschaltet, hatte aber keine Einwände. Und als wäre das noch nicht genug, holte auch der FCN nochmal einen Elfmeter raus. Den parierte Männel allerdings – in der zehnten Minute der Nachspielzeit. Dann war Schluss.

Vorfälle im FCN-Hotel?

Ein Spiel voller Aufreger – und auch vor der Partie hatte die Begegnung offenbar bereits einiges an Zündstoff getankt, wie Männel nach der Partie zu Protokoll gab: Die Gäste aus Nürnberg hätten sich im Hotel daneben benommen, unter anderem die Angestellten "als Bauern bezeichnet". Die ganze Region sei "verunglimpft" worden, so der Kapitän: "Es sind nicht nur die Leute, die sie dort meinen, sondern sie meinen damit auch uns als Mannschaft. Das vor dem Spiel zu hören, hat uns betroffen gemacht und war Zusatzmotivation." Gegenüber der "Bild" dementierte FCN-Klubsprecher die Vorfälle: "Wir haben mir unseren Spielern gesprochen und auch mit der Hotel-Direktorin telefoniert. So einen Vorfall kann niemand bestätigen."

Ungeachtet der unschönen Nebenschauplätze bleibt von der Partie aber vor allem eines: Die Erinnerung an ein wahnsinniges Spiel. "Das erste Tor hat dem Spiel dann einen Punch versetzt und es wurde wild. Wir haben in Sachen Mentalität alles reingefeuert", erklärte Aue-Trainer Dirk Schuster: "Normal muss das Spiel durch den späten Elfer 4:4 ausgehen. Da müssen wir uns an die eigene Nase fassen, dass wir Nürnberg da nochmal zurückkommen lassen." Am Ende reichte es aber für den FC Erzgebirge zum Sieg: "Wir haben nach den Gegentoren immer wieder Mentalität gezeigt und es versucht", so Damir Canadi: "Jeder, der heute dabei war, wird von der letzten halben Stunde noch lange sprechen. Ich bin schon lange dabei. So ein Spiel habe ich noch nicht erlebt."