• Facebook
  • Twitter

BTSV beweist Moral: "Achterbahnfahrt mit glücklichem Ende"

imago images / Joachim Sielski

Eintracht Braunschweig hat erneut mit großer Mentalität einen Rückstand daheim in einen Sieg verwandelt. Diesmal schafften die Löwen den Erfolg aber tatsächlich ohne eine eigene Unterzahl durch Platzverweis. Der Spannungsbogen wurde dabei aber für knapp 2900 Zuschauer bis zum Happy-End gespannt, das schließlich Proschwitz vom Punkt aus zum 3:2-Heimsieg gegen den 1. FC Nürnberg.

Neuer Linksverteidiger wird zum Stein des Anstoßes 

Vor dem Spiel hatte Eintrachts Trainer Meyer überlegt, den wieder genesenen trainingsstarken Patrick Kammerbauer auf die verwaiste Linksverteidiger-Position zu stellen. Der bisher vorgesehene Vertreter des verletzten Kijewski – Nico Klaß – stand nach zwei für ihn unglücklich verlaufenden Spielen gegen Nürnberg wegen einer roten Karte nicht mehr zur Verfügung. Gerade diese Position hatte den Grundstein für die deftige Niederlage des BTSV in Regensburg gelegt. Schließlich schenkte aber Braunschweigs Coach mit Lasse Schlüter seinen einzig im Aufgebot verbliebenen angestammten Linksverteidiger sein Vertrauen.

Der zahlte seinem Trainer das dann auch mit Leistung zurück und wurde zu einem das Spiel entscheidenden Akteure! "Ich brauchte zwar ein, zwei Aktionen, bis ich im Spiel drin war", sagte Schlüter nach dem Match. "Dann lief es bei mir. Aber es war ein rundum gelungener Auftritt von uns allen heute!" Aber Schlüters auffälligste Aktion war sein Sturz im Nürnberger Strafraum kurz vor Schluss des Spieles, der zum spielentscheidenden Elfmeter zum 3:2 führte. Der Schiedsrichter hatte schnell auf den Elfmeterpunkt gezeigt und war nach Video-Begutachtung bei seiner Entscheidung geblieben, trotz aller lautstarken Nürnberger Proteste. "Das ist niemals ein Elfmeter, auch wenn man sich das zehnmal anguckt. Selbst wenn da ein minimaler Kontakt war, ist der halt längst nicht ursächlich fürs Hinfallen", bemerkte ein angefressener Club-Trainer Robert Klauß.

Auch Proschwitz machte Werbung in eigener Sache

War im Nürnberger Spiel ganz klar Pascal Köpke mit seinem Doppelpack "man of the Match" und spielte dabei die Braunschweiger Defensive schwindelig, stach auf Braunschweiger Seite neben dem vorher in Vergessenheit geratene Linksverteidiger Schlüter und Spielmacher Kobylanski ein zwischendurch ebenfalls fast vergessener Mittelstürmer hervor: Nick Proschwitz. Nachdem der ehemalige Torjäger in der vergangenen Drittliga-Saison der Eintracht kaum eine Rolle spielte, blüht er nun nach dem Aufstieg in die zweite Bundesliga seit dem Ausfall von Abdullahi regelrecht auf. Gegen Nürnberg war sein unbändiger Einsatz sehr auffällig.

Proschwitz lief den Gegner nicht nur oft genug erfolgreich an. Er machte die Bälle gut fest und verteilte sie mit Augenmaß weiter. So war er es auch, der Danilo Wiebe in der 20. Spielminute mit einer durchdachten Ablage in die Situation brachte, volley ein Traumtor erzielen zu können. Selbstbewusst schnappte sich Proschwitz dann zum Schluss des Spieles den Ball zu seinem spielentscheidenden Elfmetertor. "Ich habe vor dem Strafstoß gehofft, dass der Schiedsrichter seine Entscheidung nicht zurücknimmt. Meiner Meinung nach ist es keine klare Fehlentscheidung, so dass man den Elfmeter geben kann. Das war heute eine Achterbahnfahrt mit glücklichem Ende. Wir können mitnehmen, dass wir auf jeden Fall zweitligatauglich sind und jeden schlagen können!"

Was war aber nun auf Braunschweiger Seite eigentlich mit dem trainingsstarken Patrick Kammerbauer? In der zweiten Halbzeit durfte der dann auch gegen seine ehemalige Mannschaft spielen und auf der 10 die Sturmspitzen füttern. "Ich habe 11 Jahre für den Club gespielt und habe viele Nürnberg-Fans in meinem Freundeskreis. Für mich war das natürlich ein ganz besonderes Spiel, auf das ich gebrannt habe und in dem ich unbedingt auf dem Platz stehen wollte." Auch hier gab es so schließlich ein Happy-End für einen Eintracht-Kicker.