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Eintracht verteilt Geschenke: "Fühlt sich total unnötig an"

© imago images / Hübner

Die wenigen offiziellen Gäste im Eintracht-Stadion und die Zuschauer vor der Mattscheibe erlebten beim traditionellen Nordduell Eintracht Braunschweig gegen den Hamburger SV in einem torreichen Spiel bei der 2:4-Heimniederlage der Löwen ein Wechselbad der Gefühle. Sollte beim BTSV eigentlich eine verbesserte Balance zwischen stabiler Defensive und gefährlicher Offensive gelingen, rückte erneut die Vielzahl individueller Fehler in den Mittelpunkt. 

Gegentor in der Nachspielzeit als Knackpunkt

Niemand im Braunschweiger Lager hätte erwartet, dass der in dieser Saison gegen den Abstieg kämpfende Aufsteiger ausgerechnet beim Heimspiel gegen den großen Favoriten Hamburger SV durch Tore von Kroos und Bär gleich 2:0 in Führung gehen würde und auch aus dem Spiel heraus auf Augenhöhe agierte. Es sah auch danach aus, dass die Eintracht den Vorsprung sicher mit in die Halbzeit nehmen sollte.

Doch dann packte Kinsombi, dessen Schuss die bis dahin kompakt und sicher stehende blau-gelbe Abwehr nie und nimmer verhindern konnte, den Hammer aus. Ausgerechnet in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, in der der Schiedsrichter gleich nach dem ersten Hamburger Tor zum Pausen-Tee pfiff. BTSV-Trainer Meyer haderte nach dem Spiel gerade mit dieser Situation des Spieles: "Das wir in der Nachspielzeit noch den Anschlusstreffer kassieren, war ein Knackpunkt und sehr bitter", sagte er. "Denn aus meiner Sicht war die Nachspielzeit bereits abgelaufen!"

Die Löwen als "Herren der Geschenke" 

In der zweiten Halbzeit spielten die Braunschweiger ebenfalls gefällig mit und konnten lange Zeit gerade das Hamburger Parade-Spiel über die Außenbahnen erfolgreich unterbinden.  Doch dann luden ausgerechnet die bis dahin stark aufspielenden Außenverteidiger Behrendt und Schlüter den HSV gerade dazu ein, ein Tor zu erzielen. Auch der eingewechselte HSV-Kicker Hunt durfte aus spitzen Winkel ins Braunschweiger Tor einschießen, weil der in den letzten Spielen so starke Keeper Fejzic dafür jede Menge Platz anbot.

Während ein Pressevertreter frei nach J.R.R. Tolkien als Titel eines Spielberichtes bereits seinen Kollegen auf der Tribüne "Die Herren der Geschenke bescheren erneut" vorschlug, nahm Trainer Meyer seine Spieler nach dem Match in Schutz. "Der Mannschaft als Ganzes kann ich da keine Vorwürfe machen", sagte er. Es wären immer wieder unterschiedliche einzelne Spieler, die in unverhofft patzen würden. "Das sind Fehler, die Du nicht machen darfst, wenn Du auf dem Niveau etwas Zählbares mitnehmen willst! Zum Ende des Spieles haben wir nochmal alles probiert und frische Kräfte gebracht und hatten auch Möglichkeiten, noch einmal den Anschluss herzustellen. Es fühlt sich insgesamt total unnötig an, jetzt ohne Punkte dazu stehen".

Zwei Spieler machen Hoffnung 

Eigentlich hätten aber zwei "neue" Spieler und ihre Leistung im Fokus des Braunschweiger Spieles stehen sollen. Nach Diskussionen über eine bessere Einbindung des in der dieser Saison dazugekommenen Spielmachers Kroos in das Mannschaftsspiel und der Aufforderung von Trainer Meyer, nicht immer um den "besten Fußballer im Team" herumzuspielen, zeigte sich der Ex-Unioner im Zusammenspiel mit seinen blau-gelben Mitspielern diesmal deutlich verbessert. Was sich durch die unglückliche Niederlage aber nicht im Ergebnis widerspiegelte.

Kroos hatte zwar das Mittelfeldspiel der Braunschweiger augenfällig besser dirigiert und zeigte sich immer wieder mit sicheren Pässen und überraschenden Ball-Weiterleitungen in fußballtechnischer Qualität. Er haderte aber natürlich trotzdem mit dem Spiel und konnte sich über sein eigenes erzieltes Tor nicht freuen: "Mindestens drei Gegentreffer sind selbstverschuldet. Wenn man zuhause zwei Tore macht, muss man mindestens einen Punkt aus dem Spiel mitnehmen. Gerade in der ersten Halbzeit hätten wir es in der Offensive sogar noch besser machen können, wenn wir mit mehr Ruhe am Ball agiert hätten!" Ein wenig unter ging durch die Patzer seiner defensiven Nebenleute auch das starke Debüt des neuen Abwehrchefs Diakhité, der sehr stabil und sicher auftrat und auch gut das Spiel von hinten heraus aufbaute. Beide Spieler machen nun Hoffnung, dass die Eintracht auch durch ihr Zutun und weniger "Geschenke an die Gegner" der Mitspieler in der Rückrunde deutlich mehr Punkte als in der Hinrunde einfährt.