Erzgebirge Aue: Die Lehren aus dem Nürnberg-Spiel

Der FC Erzgebirge Aue mischt gerade die 2. Liga auf. Nach einem furiosen Freitagabendspiel grüßen die Sachsen von Rang vier und sind plötzlich der erste Verfolger des Spitzentrios. Wir werfen einen Blick auf das letzte Spiel und den Höhenflug der Mannschaft aus dem Lößnitztal.  

Die Heimstärke ist wieder zurück

Viele Jahre hielt sich der FC Erzgebirge fast ausschließlich aufgrund seiner Heimstärke im Unterhaus des deutschen Profifußballs. Niemand trat gerne in Aue an, erst recht nicht in der kalten Jahreszeit. Seitdem Umbau des Erzgebirgsstadion ist den Veilchen diese Heimstärke ein wenig abhandengekommen, mit einer der Gründe, warum die Erzgebirger es in den vergangenen Spielzeiten nicht aus dem Keller schafften. Insbesondere gegen direkte Konkurrenten ließ man viel zu viele Punkte im eigenen Wohnzimmer liegen.

In der laufenden Saison ist das Erzgebirgsstadion wieder zur alten Festung der Auer geworden, das bekam der 1. FC Nürnberg am Freitag deutlich zu spüren. Vier Siege aus fünf Spielen stehen mittlerweile zu Buche und beim einzigen Unentschieden hieß der Gegner VfB Stuttgart. Als nächstes gastieren der 1. FC Heidenheim und der FC St. Pauli im Lößnitztal.

Die richtige Mentalität versetzt Berge

Ansehnlichen Fußball spielten die Veilchen in den letzten Wochen eher weniger. In Sandhausen und lange Zeit gegen die Nürnberger wirkte die Offensive ideenlos und gehemmt. Dann reichte ein Konter, der das Spiel aus der Einbahnstraße brachte. Platzverweis für den Club und ein Handelfmeter für Aue, Dimitrij Nazarov übernahm die Verantwortung und verwandelte. Das Spiel wäre wohl nicht zugunsten der Veilchen ausgegangen, hätten dem Zehner an diesem Punkt die Nerven versagt. Danach drehten die Auer Stürmer auf und spielten nur noch auf Sieg. Jan Hochscheidt bekamen die Nürnberger nicht mehr unter Kontrolle. Der Spielmacher und Kreativspieler in den Reihen der Auer machte das 2:1 und bereitete das 3:2 mit einer weiteren Energieleistung vor.

Nürnberg hielt in Unterzahl weiter dagegen, erzielte zweimal den Ausgleich. Umso erstaunlicher war der Siegeswillen der Gastgeber, die auch nach dem 3:3 der Mittelfranken in der Nachspielzeit nicht locker ließen und sich mit dem 4:3 belohnten. Dass Keeper Martin Männel in der 100. Minute dann nach über drei Jahren wieder einmal einen Elfmeter hielt und Aue damit gewann, passte zur Dramaturgie dieses Spiels. Aue gewann mit der nötigen Nervenstärke und einer unbeugsamen Mentalität. In den letzten drei Spielen geriet man immer in Rückstand und holte am Ende aus diesen Partien sieben Punkte. Behält die Mannschaft von Dirk Schuster dies bei, steht dem Klassenerhalt in dieser Saison nichts mehr im Wege.

Endlich raus aus dem Abstiegskampf

Trotz all der berechtigen Freude und Euphorie, die durchs Erzgebirge strömt, nimmt im Lößnitztal niemand den Aufstieg ins Visier. Die Veilchen sind es gewohnt Jahr für Jahr gegen den Abstieg zu spielen, Luftschlösser wurden hier noch nie gebaut. Zumal vor allem die Niederlagen gegen Bielefeld und den HSV deutlich gemacht haben, wo die Grenzen dieser Mannschaft liegen.

Auch gegen den Club brauchte es einen Platzverweis und einen Elfmeter, um Aue überhaupt erst einmal ins Spiel zu bringen. Das dürfte den meisten Anhängern der Lila-Weißen jedoch egal sein, denn nach den vielen Jahren im tristen Tabellenkeller und dem nervenaufreibenden Abstiegskampf kommt man dem Saisonziel Klassenerhalt in dieser Spielzeit früh mit großen Schritten näher. Vor den leidgeprüften Veilchen-Fans liegt eine deutlich ruhigere Saison, in der man den Auer Fußball sogar richtig genießen kann.

 

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