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Fünf Gründe für den Aufstieg von Arminia Bielefeld

© imago images / Sven Simon

Seit dem 15. Spieltag hatte es sich angedeutet, am Montag war es beinahe vollbracht und seit gestern ist es Gewissheit: Der DSC Arminia Bielefeld kehrt nach 4043 Tagen Abstinenz wieder in die Bundesliga zurück. liga2-online.de nennt fünf Gründe für den Aufstieg.

Grund 1: Die "frustrierendste" Defensive der Liga

Mit nur 27 Gegentoren nach 31 Spieltagen stellen die Arminen in dieser Saison die beste Defensive der 2. Bundesliga. In bisher insgesamt zwölf Spielen blieb Schlussmann Stefan Ortega sogar völlig ohne Gegentor. Das alleine wäre schon als ein wichtiger Baustein zu einer erfolgreichen Saison zu sehen. Ein weit bekanntest Sprichwort aus dem Fußball lautet: "Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt Meisterschaften." Was die Ostwestfalen allerdings in dieser Saison mit ihrer letzten Reihe auf den Rasen gebracht haben, brachte ein ganz neues Frustrationslevel für alle Gegner. Nicht nur, dass die eingespielte Viererkette um die Innenverteidiger Nilsson und Pieper, sowie die Flügelspieler Hartherz und Brunner sich nur äußerst selten überrumpeln ließ oder gar grobe Fehler produziert. Nicht nur, dass mit Stefan Ortega wohl einer der fußballerisch besten Keeper der zweiten Liga und mit Manuel Prietl einer der besten Abräumer vor der Abwehr den berühmten "Laden" dicht halten: bei den Arminen beginnt sogar die Offensive in der Abwehr.

Befreiungsschläge aus der eigenen Defensive sind für Trainer Uwe Neuhaus ein Unding, viel mehr lässt er seine Abwehr sämtliche Angriffsaktionen im Kurzpassspiel ausspielen. Selbst unter enormen Druck verlieren die Defensivspieler – wohl im Gegensatz zum ein oder anderen Anhänger – nicht die Nerven. Sie lassen ihre Gegner teilweise bis in den eigenen Fünfmeterraum anlaufen, lösen selbst diese Drucksituationen spielerisch und bleiben damit im Ballbesitz. Damit binden sie nicht nur gegnerische Spieler nah am eigenen Strafraum, sondern schaffen vielmehr Freiräume für die Mittelfeldspieler und erzwingen die Gegner zu einem immensen Laufpensum ohne Ballgewinn. Angesprochen auf das risikoreiche Spieler seiner Mitspieler antwortete Keeper Stefan Ortega nach dem Dresden-Spiel: "Der Uwe (Trainer Uwe Neuhaus, d. Red.) will das so. Wenn uns zwei oder drei Spieler früh anlaufen, müssen von uns dann auch immer zwei oder drei Spieler frei stehen." Über diese risikoreiche, aber mittlerweile eingeübte Spielweise und die defensive Stabilität bei gegnerischen Angriffen stellt der DSC die wohl mit Abstand "frustrierendste" Defensive der Liga.

Grund 2: Aufgebaute Konstanz

Seit Uwe Neuhaus im Winter 2018 Trainer der Arminia wurde, hat sich das Team stetig weiter entwickelt und spielte bereits die beste Rückserie aller Zweitligisten in der Saison 2018/19. Diese Serie setzte sich nun über eine gesamte Saison fort und mündet im verdienten Aufstieg der Ostwestfalen ins Fußball-Oberhaus. Doch eigentlich beginnt das Erfolgsgebilde schon weit früher und zwar am 19. Mai 2014, einem der dunkelsten Tage in der Vereinsgeschichte des DSC. Damals unterlagen die Arminen in einer der dramatischsten Abstiegsrelegationen der Fußball-Geschichte mit 2:4 gegen den SV Darmstadt 98 und mussten den bitteren Gang in die 3. Liga antreten. Der Verein lag sprichwörtlich erneut am Boden. Es drückten hohe Schulden, wenige Spieler hatten Verträge und die erst ein Jahr zuvor erreichte Aufbruchsstimmung durch den Aufstieg war dahin. Dennoch standen die Bielefelder wieder auf, Leistungsträger wie Fabian Klos, Tom Schütz oder Stephan Salger blieben, die sportliche Leitung wurde nicht ausgetauscht und selbst Trainer Norbert Meier verließ nicht das vermeintlich sinkende Schiff. Seither geht es auf der Alm stetig bergauf.

Einer herausragenden Drittliga-Saison inklusive DFB-Pokal-Halbfinale, folgten der Aufstieg und im folgenden Jahr der sichere Klassenerhalt in der 2. Bundesliga. Trotz einiger Schwierigkeiten in den Folgejahren unter den Trainern Rehm und Kramny, bzw. Ende 2018 auch unter dem beliebten Jeff Saibene, blieb das Image der Bielefelder nun doch eindeutig: Die Konstanz im Verein ist kein Vergleich zu den früheren Bundesliga-Tagen, als falsche Planungen und unrealistisches Anspruchsdenken den Traditionsverein beinahe in den Ruin geführt hätten. Sportchef Samir Arabi schafft es – trotz immer wieder auftretender Kritik – am Ende doch immer für die richtigen Akzente zu setzen. Der Kern der Mannschaft ist schon seit einigen Jahren zusammen und wird nur punktuell verändert. Mit Uwe Neuhaus hat der DSC einen der erfahrensten und – glaubt man ausgerechnet den Anhängern von Dynamo Dresden und Union Berlin in den sozialen Medien – besten Trainer der 2. Bundesliga an der Seitenlinie. Selbst der wirtschaftliche Weg des Vereins wurde durch das "Bündnis Ostwestfalen" geebnet, denn die Konstanz und Ruhe im Verein hat das Image des DSC Arminia Bielefeld deutlich verbessert.

Grund 3: Über Mentalität zu Zählbarem

Auch wenn der DSC unter Trainer Uwe Neuhaus seine fußballerischen Qualitäten deutlich gesteigert hat, so ist die Mannschaft rein vom Marktwert her nicht die teuerste der Liga. Dafür dürfte der Kader der Ostwestfalen aber wohl der mit der größten Mentalität und dem größten Zusammenhalt sein, was wiederum die Konstanz des Vereins unterstreicht. Trotz des am Ende souveränen Aufstiegs, hatten die Blauen in dieser Saison einige dürftige bzw. schwächere Auftritte. Zu nennen wären da vor allem die Heimspiele gegen Osnabrück, Nürnberg, Karlsruhe, Sandhausen, Wiesbaden und Hannover, aber auch die Auswärtsspiele in Aue, Dresden, Sandhausen oder Fürth.

Der große Unterschied zu allen anderen Teams der Liga ist allerdings, dass der DSC auch diese Spiele am Ende nicht verloren, sondern über sehr späte Tore (Karlsruhe, Hannover), die angesprochene Defensive (Sandhausen, Wiesbaden) oder einzelne Nadelstiche (Wiesbaden, Hannover, Dresden) doch noch mit Punktgewinnen abgeschlossen hat. Bei nur zwei Niederlagen in der bisherigen Saison wird somit deutlich, dass nicht verlieren in einer Meisterschaft wichtiger ist, als inkonstante Leistungsexplosionen. Während den Blauen auch diese immer wieder gelangen (5:2 in Wiesbaden, 5:1 in Nürnberg, 6:0 gegen Regensburg, 4:0 gegen Dresden), so holte sich die Mannschaft über die eigene Mentalität auch in den schwachen Partien zumindest einen Punkt.

Grund 4: Variabilität im Spiel

Wenn man von einer Variabilität in der Offensive der Arminia spricht, kommt man um die beiden Namen Fabian Klos und Andreas Voglsammer nicht herum. Mit 30 Toren haben die beiden Stürmer mehr als die Hälfte aller Tore für die Ostwestfalen erzielt. Doch die Offensive besteht – wie auch beide Stürmer immer wieder betonen – nicht nur aus den Torschützen. Mit Marcel Hartel hat die Arminia in dieser Saison einen echten Spielmacher, der zwar selbst nie Torschütze, aber unverzichtbarer Assistgeber war. Mit Jonathan Clauss hat sich ein Außenstürmer in einer Art und Weise entwickelt, wie es bei seiner Verpflichtung vor zwei Jahren nicht absehbar gewesen war.

Dahinter stehen mit Reinhold Yabo, Cebio Soukou und Joan Edmundsson drei völlig unterschiedliche Offensivspieler zur Verfügung, die je nach Gegner neue Impulse und Spielweisen einbringen, auf die man sich nicht grundsätzlich einstellen kann. Kombiniert werden diese Offensivspieler mit dem o.g. Spielaufbau in der Defensive, der die Gegner zu frühem Anlaufen verleitet und somit Räume im Mittelfeld ermöglicht. Zusätzlich dazu ist die Neuhaus-Elf mit 19 Treffern nach Standards noch eines der gefährlichsten Teams nach ruhendem Ball in dieser Saison. Damit wird deutlich, dass es für die Gegner enorm schwer war und ist, sich auf den DSC einzustellen, der trotz seiner beiden Topstürmer über viele Variationen in der Offensive verfügt.

Grund 5: Körperliche Fitness

Topstürmer Fabian Klos sprach kürzlich gegenüber dem 11-Freunde-Magazin darüber, dass ihm unter Trainer Jeff Saibene deutlich gemacht wurde, dass er körperlich und fitnesstechnisch nicht an seine Leistungsgrenze gekommen war. Spätestens seit der Zeit von Uwe Neuhaus sind die Arminen allerdings in einem körperlich herausragenden Zustand. Ob Nils Seufert, Florian Hartherz, Marcel Hartel oder Manuel Prietl, die Laufleistungen mindestens einer dieser Spieler ist an jedem Spieltag unter den Bestwerten aller Teams zu finden. Vorzeigestürmer Andreas Voglsammer zeigt auf den sozialen Kanälen deutlich, wie wichtig Ernährung und Fitness für die Spieler sind. Die Außenverteidiger müssen in jedem Spiel sowohl defensiv als auch offensiv arbeiten und viele Sprints anziehen, während die Stürmer bei nahezu jedem Angriff in der Defensive mit aushelfen.

Diese körperliche und mentale Fitness sorgte auch dafür, dass der Verein über die Saison von schweren Verletzungsserien weitestgehend verschont geblieben ist. Mit Brian Behrendt und Andreas Voglsammer gab es nur zwei schwere und langwierige Ausfälle der Leistungsträger, wobei für Letztgenannten die Corona-Pause beinahe gerade rechtzeitig gekommen war. Ferner waren nur Reinhold Yabo und Joan Edmundsson immer wieder mit Blessuren ausgefallen, während der Rest der Spieler sich regelmäßig fit meldete. Nur über diese Eingespieltheit und Wettbewerbsfähigkeit, die Neuhaus auch in den Trainingseinheiten haben wollte, kann eine Mannschaft über so einen langen Zeitraum so wettbewerbsfähig sein und dafür sorgen, dass selbst die "2. Garde" keinen Qualitätsverlust auf dem Rasen verursacht.

Fazit

Abschließend ist der Aufstieg der Bielefelder eine Kombination aus den genannten Gründen und eine reine Mannschaftsleistung. Zwar werden einzelne Spielernamen wie Ortega, Klos oder Voglsammer sowie Trainer Neuhaus immer wieder als Säulen des Erfolgs herausgenommen, doch jeder Spieler im Kader der Blauen hat seine Funktion auf und neben dem Platz. Im Unterschied zu den hoch gehandelten Teams aus Stuttgart und Hamburg ist der DSC eine echte Einheit und das scheint selbst im modernen Fußball immer noch der wichtigste Schlüssel zum Erfolg zu sein. Selbst gegnerische Vereine und Spieler mussten – wie in Person von Hamburgs Martin Harnik – anerkennen: "Die machen es einfach besser." Auch deswegen kehrt Arminia Bielefeld nach elf Jahren des Wartens wieder in die Bundesliga zurück.