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Fünf Gründe für die Herbstmeisterschaft der Arminia

© imago images / Jan Huebner

Sie galten vor der Saison als Geheimfavorit für den Aufstieg hinter dem Hamburger SV und dem VfB Stuttgart. Doch nach 16 Spieltagen steht der DSC Arminia Bielefeld vor den beiden hohen Aufstiegsfavoriten aus dem Norden und aus Schwaben und hat sich durch das 2:2-Remis gegen den Karlsruher SC die Herbstmeisterschaft gesichert. liga2-online.de nennen fünf Gründe, warum der DSC derzeit ganz oben steht.

Nummer 1: Die Offensive

Es ist zwar der schon am häufigsten erwähnte Grund für den Erfolg der Arminia – nicht nur in dieser Saison, sondern im gesamten Jahr 2019 – doch deswegen darf er nicht unerwähnt bleiben. Mit Andreas Voglsammer und Fabian Klos haben die Ostwestfalen ein Sturmduo in ihren Reihen, das über das gesamte Jahr hinweg eine überragende Form konserviert. Mit 22 Toren in 16 Spielen stellen sie das beste Sturmduo im deutschen Profifußball in dieser Saison. Doch sie machen die Tore nicht nur selbst, sie legen sie auch auf. So haben beide Stürmer zusätzlich jeweils fünf Assists auf dem Konto und kommen somit zusammen auf 32 Torbeteiligungen in 16 Spielen. Während Fabian Klos im Sturmzentrum die Bälle festmacht, ablegt und als Zielspieler fungiert, rotiert Voglsammer auf den Flügeln und hat durch die Bindung der Defensivleute im Zentrum mehr Freiraum. Beide Spieler sind in der Luft und am Bogen Allzweckwaffen, die sich – obwohl keine besten Freunde – auf dem Platz blind verstehen. Zudem brauchen sie nicht viele Chancen für ihre Tore, sondern haben eine der effizientesten Chancenverwertung aller Stürmer in der Liga. Insgesamt stellt der DSC mit 35 Toren in 16 Spielen auch insgesamt die beste Offensive der Liga. Wie sagte Uwe Neuhaus bei einer Fragerunde im Trainingslager im Winter: "Lieber 4:3 als 1:0!". Diese offensive Denkweise hat seine Mannschaft bestens verinnerlicht.

Sollten die Arminen aus den letzten beiden Spielen des Jahres noch mindestens vier Punkte holen, hätten sie das zweitbeste Zweitliga-Jahr eines Vereines in der gesamten Geschichte des Unterhauses gespielt. Mit 68 Punkten im Jahr 2019 – 64 haben sie derzeit bei 32 Spielen – hätten sie mehr geholt als der 1. FC Köln im Jahr 2013 und nur drei weniger als der SC Freiburg, der den Rekord mit 71 Punkten in 34 Spielen im Jahr 2007 hält.

Nummer 2: Die Auswärtsstärke

Normalerweise legen Aufstiegskandidaten den Grundstein für ihren Erfolg in der heimischen Arena, doch bei der Arminia ist das genau umgekehrt. Zuhause haben die Bielefelder in der Hinrunde ganze zwei Siege zustande gebracht. In der Fremde dagegen hat man sieben von acht Partien gewonnen und beim einzigen Remis auch noch eine 2:0-Führung verspielt. Schon in der abgelaufenen Saison waren die einst auswärts so harmlosen Ostwestfalen eines der besten Auswärtsteams. Dabei kommt dem DSC – laut Defensivmann Brian Behrendt – die Motivation der Gegner entgegen. Vor dem Spiel gegen den KSC analysierte Behrendt bei Sky, dass Heimteams immer etwas mehr das Spiel machen wollen und aktiver spielen. Wenn das nicht so klappt und das heimische Publikum unruhig würde, mache es das für die Arminen leichter.

Durch die zudem enorm starke Chancenverwertung in der Fremde, reicht der Neuhaus-Elf in der Regel eine zwingende Aktion, um einen Treffer zu erzielen. Damit nimmt die Unruhe im fremden Stadion zu und das Selbstvertrauen der Gäste wächst. Während die direkte Konkurrenz aus Hamburg und Stuttgart in der Fremde große Probleme aufweist, sammelte Arminia 22 von 24 möglichen Punkten. Der Gesamt-Rekord in Deutschland liegt übrigens bei zehn Auswärtssiegen in Folge und wurde vom FC Bayern München aufgestellt.

Nummer 3: Sie kommen immer wieder

Cheftrainer Uwe Neuhaus formulierte es nach dem Spiel gegen den KSC deutlich: "Die Truppe ist nicht kaputt zu kriegen". Damit meinte der Coach das Zurückkommen seiner Spieler in der Nachspielzeit, nachdem man in derselbigen eigentlich erst in Rückstand geraten war. Bei 16 Spielen der Saison gerieten die Arminen insgesamt acht Mal in Rückstand, verloren aber nur ein einziges dieser Spiele. Damit ist man hinter dem KSC das zweitbeste Team der Liga nach Rückstand. Dabei kamen sie beispielsweise gegen St. Pauli, Bochum oder Karlsruhe jeweils in den Schlussminuten zu den Ausgleichstoren.

Zwar gewannen sie diese Spiele am Ende nicht, aber so nahmen die Arminen jedes Mal einen Zähler mit, was sich in der Tabelle in der Punktezahl widerspiegelt. Auch beim eigentlich aussichtslosen 0:3-Rückstand im DFB-Pokal gegen Schalke kam die Mannschaft zurück und schnupperte in der Nachspielzeit gleich mehrfach am 3:3 Ausgleich. Egal wie groß der Nackenschlag für die Elf erscheint, ob 0:2 oder 0:3, aufgeben ist für Arminen-Spieler keine Option. Auch dieses Phänomen kennt man schon aus der letzten Saison, in der die Blauen das drittbeste Team nach Rückstand in der Liga waren und nach 21 Rückständen noch 16 Punkte holen konnten.

Nummer 4: Konstanz und Verletzungsfreiheit

Drei Gründe, die alle zu einem einzelnen Thema gehören beziehen sich auf die Eingespieltheit der Mannschaft. Effektiv stehen mit Nilsson und Hartel nur zwei Neuzugänge der Arminia in der Startelf und nur zwei Vereine in der Liga haben bisher weniger Spieler eingesetzt, als die Arminia. Die Spieler auf dem Platz spielen somit schon seit der abgelaufenen Saison oder gar noch länger zusammen und kennen sich in und auswendig. Auch daher rührt der oben genannte Zusammenhalt innerhalb des Teams. Dazu muss man auch sagen, dass die Mannschaft bisher weder eine echte Schwächeperiode verzeichnen, noch großes Verletzungs- oder Sperrenpech erleiden musste.  Arminia verliert selten Spiele, sondern holt zumindest noch einen Punkt, während die Konkurrenten hin und wieder keine Punkte mitnehmen. Selbst in den – vergleichbar – schwächeren Spielen gegen Fürth, Sandhausen oder den KSC nahm man immer etwas mit.

In Sachen Fairness steht der DSC in der Tabelle ebenfalls weit oben. Nur eine Ampelkarte gegen Fabian Klos und eine Gelb-Sperre gegen Prietl musste man hinnehmen, dementsprechend auch nur zwei Sperren. Im Lazarett sorgte nur die schwere Kreuzbandverletzung von Brian Behrendt in der Stammelf des DSC für Ausfälle. Verletzungen beschränken sich zumeist – Reinhold Yabo außen vor – auf einzelne Spiele und nicht auf mehrere Wochen und Monate. Die Konkurrenz wird es als Glück bezeichnen, die Fans der Bielefelder sehen den guten Fitnesszustand der Spieler als Gründe für diesen Fakt.

Nummer 5: Uwe Neuhaus und das Management

Der Abschluss der fünf Aspekte für den Bielefelder Erfolg ist ohne Frage der Übungsleiter Uwe Neuhaus. Seine ruhige, akribische und bodenständige Art passt perfekt auf die Alm. Er hat dem lange Zeit passiven Spiel der Arminen neue Impulse gegeben. Man agiert deutlich mehr und reagiert nicht nur. Zudem sorgen Neuhaus und die Spieler für eine angenehme Bodenständigkeit im Team. In jedem Spiel wird von jedem Spieler gearbeitet und wenn man keine gute Leistung gezeigt hat, wird das deutlich angesprochen. Zudem herrscht rund um den Verein Ruhe. Durch das Bündnis Ostwestfalen und Samir Arabi kommt von außen weder Druck noch Größenwahn aus dem Verein über. Heribert Bruchhagen äußerte sich kürzlich über die Arminia, dass man wieder mit Respekt und Freude nach Bielefeld schaut und nicht mehr mit einem belächelnden Auge wie in den vergangenen Chaosjahren: "Heute hat die Realität zum Glück Einzug erhalten", so der ehemalige Sportvorstand von Eintracht Frankfurt im "Kicker" über den DSC.  Während von anderen Vereinen große Ziele ausgegeben oder vorschnell Trainer entlassen werden, hält man sich genau damit in Bielefeld zurück.

Keiner weiß im Fußball, ob der Erfolg der Arminia auch in der Rückrunde anhalten wird. Sollten die oben genannten Aspekte allerdings weiterhin auf die Mannschaft zutreffen, so wird es für die Konkurrenz auch in der Rückrunde schwer zu verhindern sein, dass der DSC Arminia Bielefeld ein gewichtiges Wort im Aufstiegskampf zur Bundesliga mitsprechen wird.