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Kurioser Platzverweis pusht BTSV zum ersten Sieg

imago images / Jan Huebner

Beim 2:1 gegen den VfL Bochum feierte Eintracht Braunschweig am Samstag den ersten Sieg. Dabei waren die Niedersachsen nach einem umstrittenen Platzverweis knapp 30 Minuten lang in Unterzahl.

Laufleistung gesteigert

Dass auch eine Spiel vor nur knapp 4.000 Zuschauern in Pandemie-Zeiten "hochkochen" kann, bewies dieses Spiel der beiden Traditionsmannschaften im Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße. Obwohl Löwen-Coach Meyer durch einige Verletzungen im Team zu Umstellungen gezwungen war, erwarteten die Eintracht-Fans nach der immer noch schmerzenden Niederlage im Niedersachsen-Derby gegen Hannover 96 Wiedergutmachung. Zunächst enttäuschte die Mannschaft, in der sich Mittelstürmer Proschwitz und Linksverteidiger Klaß erstmals von Anfang an beweisen durften, jedoch. Denn in der 3. Spielminute konnte Bochums Stürmer Zoller die unkonzentrierte Braunschweiger Innenverteidigung düpieren und nach Zuspiel von Zulj das Führungstor für den Gast markieren.

Neben dem Raunen der Zuschauer regte sich auch Braunschweigs Trainer Meyer sehr über diesen frühen Treffer auf, der den ganzen Spielplan des BTSV durcheinander brachte. "Leider hat anscheinend die vorangegangene heftige Niederlage im Derby meine Mannschaft immer noch stark verunsichert", fand er als Erklärung. Fortan wurde sein Coaching von der Linie aus immer intensiver und lautstärker – und zahlte sich schließlich aus. "Wir wurden vor dem Spiel wegen unser Kilometer-Laufleitung während der vergangenen Spiele kritisiert", schmunzelte er nach der Partie. "Da bin ich heute eben einfach mit meiner Mannschaft mitgelaufen!" Die Eintracht fand nun nach einigen weiteren Wacklern besser ins Spiel, lief besser die Räume zu und machte Mitte der ersten Halbzeit durch Rechtsaußen Kaufmann den Ausgleich.

Aufregung um Platzverweis

Die Eintracht-Offensive wirkte (diesmal ohne Abdullahi und Bär) im weiteren Spielverlauf immer besser und gefährlicher. Dann blieb in der 60. Spielminute Braunschweigs Ben Balla auf dem Feld liegen. Es folgte der Aufreger des Spiels! Seine gerade ballführenden Mitspieler spielten das Leder ins Aus. Nachdem der kurzfristig verletzte blau-gelbe Spieler wieder auf den Beinen war, vergaß der VfL aber den üblichen Fairplay-Gedanken nach dem eigenen nun fälligen Einwurf! Zwar wurde die Eintracht mit dem Ball bedacht, aber nicht ungestört. Denn Ganvoula bedrängte Neuling Klaß beim Rückpass auf seinen Torwart und konnte dadurch frei auf Keeper Dornebusch zulaufen. Der Eintracht-Keeper kam aus dem Strafraum und verkürzte erfolgreich den Winkel, so dass der Ball erfolgreich abgewehrt wurde. Allerdings bekam Dornebusch den Ball beim Fallen auch an den Unterarm. Schiedsrichter zeigte ihm dafür die rote Karte.

"Selbst meine eigenen Spieler bedrängten den Schiedsrichter, die Entscheidung zugunsten von Braunschweig wieder zurück zu nehmen", gab Trainer Reis nach dem Spiel zu. "Aber auch sie hatten leider keinen Erfolg damit", bedauerte er. Mit neuem Keeper (Fejzic) und einem Mann weniger auf dem Feld gelang aber der Eintracht mit einer Energieleistung trotzdem noch sechs Minuten später der viel umjubelte Siegtreffer durch Mittelstürmer Proschwitz.

Sonderlob für Proschwitz

Der Mann des Spieles, Braunschweigs quirliger Rechtsaußen Kaufmann, machte den Sieg am diesmal funktionierenden Offensivspiel seiner Mannschaft fest – nachdem die Defensive sich nach und nach gefunden hatte. "Heute konnte ich mehr als Außen agieren und habe mir so meine Freiheiten genommen. Wir hatten ja einen klar definierten Zielstürmer mit Nick Proschwitz, der seine besondere Stärke im Strafraum hat. Obwohl ich schon neben ihm Spitze spielen sollte. Unser Spielaufbau hat auch besser funktioniert als in den letzten Spielen. Wir hatten das Spiel vor uns und konnten selbst aktiv bestimmen. Alle Mitspieler haben sich gesteigert und ihren Anteil am Sieg!"

Ein besonderes Lob hatte Eintracht-Trainer Meyer auch für den anderen Torschützen, Nick Proschwitz. "Ich freue mich für Nick, der immer besser in Form kommt. Er war einmal Torschützenkönig in der zweiten Bundesliga und weiß, wo das Tor steht. Aktuell ist er in einer Top-Verfassung!" Vielleicht ein deutlicher Hinweis, dass die Eintracht nun im Sturm keinen vereinslosen Spieler mehr nachverpflichtet?