Marktwerte, Zuschauer & mehr: Das Ranking der zweiten Ligen Europas
Die zweite Liga ist vieles, aber bestimmt kein tristes Abstellgleis für gescheiterte Klubs. Im Gegenteil, sie ist oft spannender als das Oberhaus, denn hier kämpfen Traditionsvereine mit großer Fanbasis um die Rückkehr in die erste Liga, während ambitionierte Underdogs beweisen wollen, dass sie mehr sind als nur eine Eintagsfliege. In manchen Ländern strömen die Zuschauer in Scharen in die Stadien, um packende Aufstiegskämpfe und mitreißenden Fußball zu erleben.
Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass einige zweite Ligen nicht nur in Sachen Zuschauerinteresse, sondern auch finanziell im Fußball heute auf einem beeindruckenden Niveau spielen. Manche Vereine haben Marktwerte, die mit erstklassigen Klubs mithalten können und in Deutschland oder England sind die Stadien so voll, dass sich manch ein Erstligist verwundert die Augen reibt. Welche zweite Ligen besonders herausstechen und warum sie mehr sind als nur eine Durchgangsstation für den Fußball, zeigt dieser Überblick.
Die meistbesuchten zweiten Ligen Europas – wo die Stadien besonders voll sind
Dass die 2. Bundesliga in Deutschland ein Massenphänomen ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Noch überraschender ist, dass sie in Sachen Zuschauerzahlen sogar die französische Ligue 1 und die spanische La Liga hinter sich lässt. Mit einem Schnitt von über 29.000 pro Spiel spielen deutsche Zweitligisten in einer eigenen Liga, zumindest was die Fans angeht.
Das Erfolgsrezept besteht aus einer Mischung aus großer Fußballtradition, modernen Stadien und Klubs, die sich aus der Bundesliga noch nicht verabschiedet haben – zumindest nicht im Kopf. Schalke 04 füllt mit seinen Heimspielen regelmäßig die Veltins-Arena, der Hamburger SV hat in Sachen Zuschauerzuspruch immer noch Erstliga-Format und auch der 1. FC Kaiserslautern zieht auf dem Betzenberg Massen an.
In England sieht es ähnlich aus. Die Championship liegt mit durchschnittlich über 23.000 Fans pro Spiel auf Platz zwei im Ranking. Dort mischen ebenfalls ehemalige Premier-League-Klubs mit, die es längst gewohnt sind, vor vollen Rängen zu spielen. Sunderland, Leeds oder West Bromwich Albion sorgen für Kulissen, die sich auch in der Premier League nicht verstecken müssten.
Anders sieht es in Spanien und Frankreich aus. Die Segunda División und die Ligue 2 erreichen im Schnitt keine fünfstelligen Zuschauerzahlen. Während es in Deutschland und England als völlig normal gilt, Zweitligaspiele zu besuchen, bleibt das Interesse in diesen Ländern eher verhalten.
Marktwerte der Vereine – welche zweiten Ligen die wertvollsten Klubs haben
Dass in England am meisten Geld im Umlauf ist, überrascht niemanden. Die Championship-Vereine sind finanziell auf einem Niveau, das in anderen Ländern fast surreal wirkt. Der Grund dafür liegt in den sogenannten „Parachute Payments“. Absteiger aus der Premier League erhalten finanzielle Unterstützung, um sich wirtschaftlich abzufedern. Damit bleiben Klubs wie Leicester oder Leeds stabil, auch wenn es sportlich mal bergab geht.
Die 2. Bundesliga kann da nicht ganz mithalten, zwar gibt es auch hier Klubs mit beachtlichen Marktwerten wie Schalke, den HSV oder den 1. FC Köln, doch die ganz großen TV-Gelder bleiben aus. Anders als in England bekommen Absteiger keine finanziellen Rettungsschirme, sondern müssen sich schnellstmöglich wieder selbst tragen.
In Spanien und Frankreich ist die Situation noch deutlicher, denn dort dümpeln viele Zweitligisten im Bereich von 10 bis 30 Millionen Euro Marktwert herum. Das sind Summen, die in England nicht einmal für einen einzigen Spieler bezahlt würden und trotzdem produzieren gerade diese Ligen regelmäßig große Talente, die später für hohe Millionenbeträge in die Premier League oder La Liga wechseln.
Vergleich mit den ersten Ligen – wie schneiden die zweiten Ligen im Ranking ab?
Der wohl spannendste Vergleich zeigt, wo die zweiten Ligen im direkten Duell mit den Erstligawettbewerben stehen. In Sachen Zuschauerzahlen spielt die 2. Bundesliga längst auf Augenhöhe mit manchen ersten Ligen. Dass mehr Menschen ein Zweitligaspiel in Deutschland besuchen als eine Partie aus der Ligue 1, sollte für Nachdenklichkeit sorgen, zumindest in Frankreich. Beim Marktwert wird es schwieriger. Auch wenn einige Championship-Klubs finanziell mit schwächeren Erstligisten mithalten können, bleibt die zweite Liga in den meisten Ländern eine deutliche Stufe unter dem Oberhaus.
Allerdings darf man den sportlichen Wert nicht unterschätzen. Junge Talente werden oft in der zweiten Liga entdeckt, bevor sie den Sprung nach oben schaffen. Jude Bellingham wechselte aus der Championship direkt zu Borussia Dortmund, Josko Gvardiol spielte einst in der 2. Bundesliga, bevor er für dreistellige Millionenbeträge in die Premier League wechselte. Wer sagt, dass in der zweiten Liga kein Weltklassefußball gespielt wird, hat wohl nicht genau genug hingesehen.
Welche Faktoren den Erfolg und die Popularität der zweiten Ligen bestimmen
Warum ist die 2. Bundesliga so beliebt, während in Spanien oder Frankreich nur ein paar Tausend Menschen ins Stadion kommen? Eine der wichtigsten Antworten liegt in der Tradition. Vereine wie der HSV, Schalke oder Kaiserslautern bringen eine Historie mit, die Jahrzehnte zurückreicht. Diese Klubs haben riesige Fanlager, die ihren Teams durch dick und dünn folgen, auch wenn sie mal nicht in der Bundesliga spielen.
Finanziell spielt das eine große Rolle. Während Klubs in England durch TV-Gelder profitieren, basiert der Erfolg der 2. Bundesliga stark auf Zuschauerzahlen und Sponsoreneinnahmen und wer Woche für Woche 50.000 Fans ins Stadion lockt, kann sich wirtschaftlich auf stabilere Beine stellen.
Manche Klubs setzen zusätzlich auf innovative Ideen, um noch mehr Menschen ins Stadion zu bringen. Ein Beispiel ist Fortuna Düsseldorf, wo ein Sponsorenmodell dafür sorgt, dass Fans kostenlos ins Stadion dürfen. Eine Maßnahme, die nicht nur für volle Ränge, sondern auch für enorme mediale Aufmerksamkeit sorgt.
Die größten Unterschiede innerhalb einer Liga – Wieso einige Klubs mehr Fans anziehen als andere
Nicht jeder Klub kann ein volles Stadion vorweisen. In der 2. Bundesliga gibt es Vereine wie Schalke, die regelmäßig 60.000 Zuschauer anlocken und dann gibt es Teams wie den SV Elversberg, wo kaum fünfstellige Zahlen erreicht werden, aber auch die Stadiongröße spielt eine Rolle. Wer eine riesige Arena hat, kann sie auch füllen. Aber auch die Historie eines Klubs entscheidet. Der HSV zieht trotz jahrelanger Zweitklassigkeit immer noch mehr Fans an als manche Erstligisten. Andere Klubs müssen sich diese Aufmerksamkeit erst erarbeiten.
In England sieht es ähnlich aus. Leeds, Sunderland oder West Brom füllen ihre Stadien, während kleinere Teams oft nur vor halb leeren Rängen spielen. Der Unterschied zwischen Traditionsklub und „grauer Maus“ könnte größer nicht sein.
Fazit – Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Ranking der zweiten Ligen Europas
Die zweite Liga ist nicht einfach nur eine Liga unterhalb der ersten. In Deutschland und England erreichen Zweitligaspiele Zuschauerzahlen, von denen Erstligisten in anderen Ländern nur träumen können. Finanziell dominiert die Championship das Ranking, aber die 2. Bundesliga punktet mit ihrer starken Fanbasis. In Spanien und Frankreich bleibt die zweite Liga hingegen meist eine Durchgangsstation für junge Talente.
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass zweite Ligen längst ihren eigenen Wert haben und wer einmal ein ausverkauftes Zweitligastadion erlebt hat, weiß, dass „zweite Liga“ nicht gleich „zweite Wahl“ bedeutet.