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Nachruf: Der SC Paderborn verliert seine größte Persönlichkeit

© imago

Die Nachricht vom Tod des langjährigen Präsidenten Wilfried Finke sorgte am Dienstagabend für große Trauer beim SC Paderborn. Mit dem 67-Jährigen verlieren die Ostwestfalen ihre größte Persönlichkeit, der sich wie kein Zweiter für den SCP einsetzte. Ein Nachruf.

Vor dem Regionalliga-Absturz gerettet

Als der SC Paderborn am 20. Mai 2017 sportlich aus der 3. Liga abgestiegen und somit auf direktem Wege von der Bundesliga in die Regionalliga durchgereicht worden ist, standen die Ostwestfalen vor einem Scherbenhaufen. Nach der wohl dunkelsten Stunde der Vereinsgeschichte war die Zukunft des SC Paderborn mehr als ungewiss. Doch Wilfried Finke hatte den Glauben an den SCP noch nicht aufgegeben: Um für den Fall, dass ein Verein keine Zulassung für die 3. Liga erhält, gerüstet zu sein, unternahm Finke größte Anstrengungen und stopfte ein Millionen-Loch aus eigener Tasche.

Mit Erfolg: Da dem TSV 1860 München die Drittliga-Lizenz verweigert wurde, rückte der SC Paderborn am grünen Tisch nach und blieb in der 3. Liga – dank Finke. Dass der SCP anschließend auf beeindruckende Weise durch die Liga marschierte und nur 336 Tage nach dem sportlichen Abstieg in die Regionalliga die Rückkehr in die 2. Bundesliga feierte, hätte sich wohl auch Finke, der stets zu den größten Optimisten der Stadt zählte, nicht träumen lassen. Der 67-Jährige hatte seinen Beitrag dazu geleistet – und ließ noch während der Aufstiegsfeier auf dem Rathausplatz seinen Rücktritt verkünden. Einen besseren Moment dafür hätte er sich nach rund 20 Jahren im Amt wohl nicht aussuchen können.

Visionen verfolgt und erreicht

Auch wenn Finke – entgegen der landläufigen Meinung – nie als Mäzen auftrat, steht fest: Ohne den Möbel-Unternehmer wäre der SC Paderborn niemals dort, wo er mittlerweile schon seit einigen Jahren spielt: im Profifußball. Als Finke das Präsidenten-Amt im April 1997 antrat, war der SCP alles andere als ein professioneller Fußballverein. Dementsprechend sorgten Finkes vollmundige Ankündigungen, ein neues Stadion bauen und auf absehbarer Zeit in der 2. Bundesliga spielen zu wollen, nur für ein müdes Lächeln in Paderborn.

Doch Finke ließ sich nicht beirren, hielt immer an seinen Visionen fest und verfolgte sie mit voller Überzeugung. Auch Rückschläge, wie der Abstieg in die damals viertklassige Oberliga im Jahr 2000, brachten Finke nicht von seinem Weg ab. Nur fünf Jahre später erntete Finke mit dem erstmaligen Aufstieg in die 2. Bundesliga unter dem Namen SC Paderborn 07 erste Früchte seiner Arbeit. Doch am Ziel war er noch lange nicht. Ein neues Stadion musste her, um dauerhaft im Profifußball mithalten zu können. Gegen alle Widerstände der Stadt und einiger Anwohner, die für einen zweieinhalbjährigen Baustopp sorgten, setzte Finke das Projekt durch und ebnete dem SCP damit den Weg für die Etablierung im Profifußball.

Sein Lebenswerk bleibt

Nach mehreren Zweitliga-Jahren in Folge sprach Finke vom Aufstieg in die Bundesliga – und wurde wieder belächelt. Doch als Finkes Traum im Mai 2014 tatsächlich Wirklichkeit wurde, kannte der Jubel der 20.000 Fans auf dem Rathausplatz keine Grenzen. Auch seine vollmundige Aussage, der SCP fahre am 4. Spieltag als Tabellenführer zum FC Bayern, wurde zunächst als Spinnerei abgetan – doch Finke sollte Recht behalten. Beim anschließenden Absturz und drei Abstiegen in Folge blieb zwar auch Finke nicht ohne Fehler, etwa mit der Verpflichtung von Stefan Effenberg als Trainer, doch der Unternehmer korrigierte diese und brachte den SCP mit finanzieller Unterstützung und noch mehr Leidenschaft wieder da hin, wo er ihn von Anfang an gesehen hatte: in die 2. Bundesliga.

Paderborn war seine Stadt, der SCP sein Verein. Auch wenn er am Dienstag mit nur 67 Jahren viel zu früh abgetreten ist und auch sein Möbelhaus in den kommenden Monaten nach dem Verkauf an die Höffner-Gruppe von der Bildfläche verschwinden wird: sein Lebenswerk bleibt. Seine Verdienste rund um den SCP sind kaum angemessen zu würdigen – ihm gebührt großer Respekt und Anerkennung. Künftig wird der SC Paderborn nicht mehr auf Finkes finanzielle Unterstützung setzen können – das war jahrelang undenkbar. Doch was um einiges schwerer wiegt, ist der Verlust seiner Persönlichkeit. Denn der SCP ohne Wilfried Finke, das ist eigentlich nicht vorstellbar.