"Saisonübergreifende Probleme": St. Pauli trennt sich von Timo Schultz

Paukenschlag beim FC St. Pauli! Die Kiezkicker haben sich am Dienstag - drei Tage vor dem Trainingsauftakt am 9. Dezember - mit sofortiger Wirkung von Chefcoach Timo Schultz sowie Co-Trainer Loïc Favé getrennt. Damit zieht der Klub Konsequenzen aus der "negativen sportlichen Entwicklung im Kalenderjahr 2022". Wer künftig an der Seitenlinie stehen wird, ist noch offen.

Nur acht Siege in diesem Jahr

Wie die Hamburger mitteilten, sei der Trennung eine "Analyse der vergangenen zwölf Monate" und eine Diskussion über die "Optionen für die Rückrunde sowie das kommende Jahr" vorausgegangen. "Wir haben die vergangenen Monate intensiv analysiert sowie diskutiert und sehen uns leider gezwungen, nun zu handeln", so Sportchef Andreas Bornemann, der von einer "schweren", aber "notwendigen" Entscheidung spricht. Präsident Oke Göttlich ergänzt: "Wir müssen das Gesamtwohl des FC St. Pauli immer im Blick haben – und unsere sportliche Bilanz im Kalenderjahr 2022 ist die eines Absteigers. Das muss sich umgehend und nachhaltig ändern, damit wir alle Maßnahmen ergreifen, um die Klasse zu halten. Schon die Corona-Pandemie und die explodierenden Energiekosten stellen den Verein vor massive Probleme."

Worauf Göttlich anspielt: Im Kalenderjahr 2022 holten die Kiezkicker aus 33 Spielen nur acht Siege und 14 Unentschieden. Nach dem Herbstmeister-Titel vor einem Jahr stürzte der Klub in der Rückrunde ab und fuhr in 17 Partien nur noch 21 Punkte ein. In der Hinrunde der laufenden Serie stehen nach ebenfalls 17 Spielen sogar nur 17 Punkte zu Buche, was zu Tabellenplatz 15 führt. Lediglich aufgrund der besseren Tordifferenz ist St. Pauli nicht Vorletzter. Erst drei Siege bedeuten den schwächsten Wert aller Zweitligisten, auswärts sind die Kiezkicker als einziges Team sogar noch sieglos. Der letzte Sieg in der Fremde liegt bereits zehn Monate zurück.

"Neue Ansätze" vermisst

Wie Bornemann erklärt, hätten die Gespräche nach dem Ende der Hinrunde keine ausreichenden Ansatzpunkte für neue Konzepte gebracht. "Wir haben schon seit Längerem verschiedene Muster bei den sportlichen Problemen erkannt, dazu gehören die fatale Auswärtsschwäche, eine fehlende Balance zwischen Defensive und Offensive, mangelnde Weiterentwicklung, aber auch die fehlende Fähigkeit, Spiele nach Rückstand zu drehen."

Der Sportchef hätte sich "neue Ansätze gewünscht, wie die kontinuierlichen und saisonübergreifenden Probleme abgestellt werden sollten". Bornemann verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass der FC St. Pauli seit Oktober 2021 in der 2. Bundesliga keinen Rückstand mehr in einen Sieg drehen konnte. "Wir können uns nicht darauf verlassen, unsere Heimspiele zu gewinnen." Man benötige klare Konzepte, wie das Team auch auswärts, in schwierigen Situationen und nach Rückständen bestehen könne.

Co-Trainer Hürzeler übernimmt vorerst

Angesichts dieser Gesamtentwicklung sei das Präsidium einstimmig der Empfehlung der sportlichen Leitung gefolgt, einen Wechsel an der Trainerposition vorzunehmen. "Die lange Winterpause ist der richtige Moment, um die Weichen für eine erfolgreiche Rückrunde zu stellen", betont Bornemann. Das Training wird zunächst Co-Trainer Fabian Hürzeler leiten. "Fabian hat bereits gezeigt, wie wertvoll sein Fachwissen und seine Konsequenz für das Team sind", lobt Paulis Sportchef.

In welcher Konstellation es dann in die Rückrunde gehe, werde bis Januar geklärt sein, sagt Göttlich und würdigte den scheidenden Cheftrainer: "Ob als Spieler, Co-Trainer, Trainer oder einfach als Mensch: Timo Schultz war, ist und wird immer am Millerntor willkommen und ein Teil des FC St. Pauli sein. Timo ist ein verdienter und echter St. Paulianer." Schultz war seit 2005 in verschiedenen Positionen für die Kiezkicker aktiv: Zunächst als Spieler, dann Co-Trainer, Jugendtrainer und seit Sommer 2020 schließlich Cheftrainer.

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