Spitzenteam St. Pauli? "Müssen immer ans Limit, um zu punkten.“

Bis zum vergangenen Spiel gegen den SV Sandhausen blickte der FC St. Pauli auf stolze 404 Minuten ohne Gegentor zurück. Mit dieser Bilanz schaffte es der Verein zwischenzeitlich sogar auf Platz eins der Tabelle. Nach fünf Minuten gegen die Gäste aus der Kurpfalz war es damit allerdings vorbei. In der achten klingelte es hinten erneut. Kyoung-Rok Choi brachte die Kiezkicker zwar noch einmal heran. Zum Comeback reichte es aber nicht mehr. Braun-Weiß verlor sein erstes Liga-Heimspiel der Saison mit 1:3 und fällt auf Platz Drei zurück. Obwohl die Bilanz über den bisherigen Saisonverlauf klar positiv ausfällt, hakt es vor allem in der Offensive. Ein Zwischenfazit.

Die Partie gegen Sandhausen erinnerte ein wenig an das 0:3 gegen den Karlsruher SC aus der Vorsaison, als St. Pauli ebenfalls nach wenigen Minuten bereits mit zwei Toren zurücklag. Ausgerechnet Marc Rzatkowski, der bislang eine starke Saison als „offensive Sechs“ spielt, erwischte einen gebrauchten Tag, leitete das erste Gegentor mit einem Fehlpass ein (5.) und wurde in der 70. Minute schließlich vom Platz genommen.

Insgesamt unterstrich das Match die Tendenz, dass St. Pauli weiterhin Probleme hat, ein Spiel zu bestimmen. Die Hamburger gewannen ihre Partien bislang überwiegend in der Defensive. Ein Treffer reichte zumeist zum Sieg, keiner für ein Unentschieden. Das war beim Spielstand von 0:2 schlicht nicht möglich. NDR-Online verglich die Leistungen der Kiezkicker kürzlich mit einem Binärcode: Hinten stünde zwar die Null, vorne fehle jedoch die eins. Sowohl die Partie gegen Eintracht Braunschweig als auch gegen den SC Paderborn endeten torlos.

Jüngste Niederlage kein Beinbruch

Dank der frühen Führung ließ Sandhausen den Gegner fortan anrennen, nur um sie ins Leere laufen zu lassen. Geradlinigkeit im Offensiv-Spiel: Fehlanzeige. „Es war superschwer sich durchzukombinieren. In der zweiten Hälfte hatten wir gute Situationen, der Ausgleich wäre dabei auch verdient gewesen,” resümierte Trainer Ewald Lienen die Partie für fcstpauli.com. Doch vor allem in Strafraumnähe haben die Kiezkicker noch Nachholbedarf. Nicht umsonst erzielten sie eine Vielzahl ihrer Treffer aus der Distanz. Diese Möglichkeit ließ ihnen Sandhausen aber nicht. Das einzige Tor erzielte St. Pauli nach einer Standardsituation, bei der Rok Chois Schuss zusätzlich noch abgefälscht wurde.

 

Das 1:3 ist letztlich zwar kein Beinbruch, aber dennoch ernüchternd – zumal St. Pauli das erste Mal seit langem mit mehr als einem Treffer Unterschied verlor. Ein Sandhäuser Foulelfmeter hatte für den Endstand gesorgt. Damit büßten die Hamburger ihre Alleinstellung als “beste Abwehr der Liga“ ein. Diesen Zusatz teilen sie sich nunmehr mit drei weiteren Mannschaften (Heidenheim, Braunschweig, Bochum – alle sieben).

Nach zehn absolvierten Spielen, 18 Punkten und Tabellenplatz Drei ist dieser Umstand allerdings zu verschmerzen. Auch Lienen äußerte sich trotz der jüngsten Niederlage positiv über die Gesamtausbeute: „Die Tabelle ist uninteressant für uns“, gab der Coach gegenüber der Vereins-Webseite zu Protokoll. „Unser Ziel ist, so früh wie möglich so viele Punkte wie möglich zu holen. Generell können wir aber mit der Punktausbeute zufrieden sein.“

Gefälle zwischen Defensive und Offensive

Die vergangenen Spiele zeigen dennoch, dass St. Pauli noch nicht die Spitzenmannschaft ist, zu der sie zuletzt ausgerufen wurde. „Für uns bleibt die Erkenntnis, dass wir immer ans Limit gehen müssen, um in dieser Liga zu punkten. Wir bleiben auch weiterhin auf dem Teppich,“ gab Lienen zu bedenken Die Mannschaft besitzt ohne Zweifel mehr Qualität als sie vergangene Saison unter Beweis stellte, doch das Gefälle zwischen der Defensive und der Offensive ist offensichtlich. Daran wird der 61-jährige Übungsleiter während der Länderspielpause arbeiten müssen.

An der guten Ballzirkulation des Mittelfelds kann Lienen dabei ansetzen. Bei Rzatkowski, Sebastian Maier und Christopher Buchtmann ist diese Saison ein deutlicher Leistungsschub zu erkennen. Sie prägen derzeit den Spielstil des Vereins. Hoffnung macht zudem, dass die Außenspieler Jeremy Dudziak und Fafa Picault erst kurz vor Ende der Transferperiode zum Verein stießen und nun etwas Zeit haben, sich weiter einzufinden. Um am Ende der Saison aber wirklich einen der oberen Plätze zu ergattern, muss St. Pauli seine Durchschlagskraft im vorderen Drittel verbessern. Der zum Stoßstürmer umfunktionierte Lennart Thy hat erst einen Treffer auf dem Konto. Sein Ersatz, John Verhoek, leidet unter einer anhaltenden Torflaute. Das Gerüst steht jedoch.

 

 

 

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