St. Pauli gegen Fortuna “Thy-risch“ gut

Am 6. April dieses Jahrs läutete ein 4:0–Sieg gegen Fortuna Düsseldorf endgültig die Trendwende bei den Kiezkickern ein, die Klasse doch noch zu halten. Gleichzeitig ging erstmals der Stern von Jungspund Kyoung-Rok Choi auf, der mit zwei Treffern maßgeblichen Anteil am Sieg hatte. Ein halbes Jahr später lautet das Ergebnis erneut St. Pauli vier, Fortuna null. Erneut leuchtete ein Hamburger Stern besonders hell – und zwar der von Lennart Thy. Der Stürmer erzielte alle vier Tore und katapultierte die Hamburger durch seine Treffer an Leipzig vorbei auf Rang zwei der Tabelle, punktgleich mit dem Ersten Freiburg.

Diesen Abend hatte sich ein alter Bekannter am Millerntor sicherlich anders vorgestellt. Der ehemalige Sportdirektor der Kiezkicker Rachid Azzouzi, inzwischen in Diensten der Fortuna, war nämlich zu Besuch. Gegenüber Sport1 gab er vor dem Spiel noch bekannt, dass er als Sportler von einem Jubelverbot nichts halte. Zum Jubeln hatte er allerdings auch keinen Anlass. Ebenso wenig wie Julian Koch, vergangene Saison noch Leihspieler bei St. Pauli, der aus perspektivischen Gründen Richtung Düsseldorf wechselte.

Chancen im Minutentakt, Thy trifft doppelt

Nach vier Minuten war die Partie bereits in vollem Gange und fast gingen die Gastgeber auch schon in Führung: Sebastian Maiers Freistoß rauschte erst an Freund und Feind vorbei bevor Düsseldorfs Julian Schauerte den Ball beinahe ins eigene Tor ablenkte. Zum Glück für den Düsseldorfer schlug das Spielgerät knapp neben dem Kasten ein. Die Antwort der Fortuna folgte jedoch auf dem Fuße: Mathis Bolly probierte es aus der Distanz, schoss Hamburgs Schlussmann Robin Himmelmann allerdings allenfalls warm (6.). Lediglich elf Mal musste der Keeper in dieser Saison bislang hinter sich greifen. Nach zehn Minuten wurden es dann aber dennoch richtig eng für die Hamburger Hintermannschaft.  Aus zentraler Position kam Marcel Sobotta zum Abschluss und verfehlte das Gehäuse der Hausherren nur denkbar knapp.

Sein Gegenüber Thy machte ihm nur weitere zwei Minuten später vor, wie man den Ball im Tor unterbringt. Erst nahm der Stürmer den Ball im Strafraum geschickt an, legte ihn sich dann in den Lauf und versenkte das Leder anschließend per Diagonalschuss vom Innenpfosten ins Tor. Fortuna reagierte jedoch wenig geschockt auf den Rückstand. Als wäre nichts gewesen, wechselten sich beide Mannschaften mit ihren Chancen quasi ab. Die meisten ihrer Gelegenheiten beförderten die Düsseldorfer allerdings über den Querbalken. Ganz anders St. Pauli: Mit einem Abstauber sorgte Thy für sein persönliches Saisontor Nummer drei (22.). Vorausgegangen war eine Standardsituation von Braun-Weiß, nach der Waldemar Sobota den Ball per Flanke in den Strafraum hob. Dort fand er den freistehenden Philipp Ziereis, der allerdings nur den Innenpfosten traf. Im Rücken des Düsseldorfer Schlussmanns Michael Rensing prallte der Ball schließlich zu Thy ab, der erneut seine Stürmer-Qualitäten unter Beweis stellte – 2:0.

Rensing vereitelt Schlimmeres

Der erneute Nackenschlag verunsicherte die Gäste dann aber doch, St. Pauli kontrollierte fortan das Spiel. Nach einem weiteren Freistoß kam erst Lasse Sobiech frei zum Kopfball, köpfte aber über das Gehäuse. Eine Minute später hatte Thy - nach einer tollen Vorarbeit von Choi – das 3:0 auf dem Fuß. Im Eins-gegen-Eins zog er gegen Rensing jedoch den Kürzeren. Der Hattrick musste warten.

In der 35. Minute mussten sich die Gäste aus NRW dann erneut bei Rensing bedanken, dass es „nur“ beim Zwei-Tore-Rückstand blieb. Dieses Mal war Choi aus spitzem Winkel am Keeper gescheitert. Der nächste Treffer schien aber nur noch eine Frage der Zeit. Marc Rzatkowski durfte sich als nächster mit dem Schlussmann der Fortuna messen. Der Mittelfeld-Akteur zirkelte den Ball knapp am heraneilenden Rensing vorbei, nur um dann im Strafraum zu Fall gebracht zu werden. Schiedsrichter Florian Mayer hätte hier auf Strafstoß entscheiden müssen., tat dies aber nicht.

Choi verpasst Wiederholung aus Vorsaison

Das Spiel spiegelte inzwischen die derzeitige Tabellensituation der beiden Mannschaften wider. Auch dass St. Pauli seine Chancen nicht nutzte - nachdem in Maier zum drittem Mal ein freistehender Hamburger gegen Rensing vergab (37.) - passte ins Bild. Wäre die Offensive der Kiezkicker nämlich so abgezockt in der Offensive wie in der Defensive stünden die Kiezkicker inzwischen schon am Platz an der Sonne. Fortuna agierte dagegen auf ganzer Linie unglücklich. Zur Halbzeitpause zog sich Trainer Frank Kramer samt aller Einwechselspieler in die Kabine zurück.

Zurück auf dem Platz passierte nach dem Seitenwechsel erst einmal wenig. Für die Unterhaltung sorgten die Sprechchöre der Fans auf den Rängen, die sich selbst und ihren Verein feierten. Ein Lapsus von Rensing in der 55. Minute, dem das Wegdreschen des Balls misslang, konnte Choi nicht nutzen. Kurz darauf bekam der Südkoreaner allerdings noch eine Chance, scheitere aus spitzem Winkel aber erneut. Sein Doppelpack gegen Düsseldorf aus der Vorsaison sollte sich nicht wiederholen, eine überzeugende Vorstellung lieferte er aber allemal ab.

Viererpack statt Auswechslung und Applaus für Thy

Auf der anderen Seite zeichnete sich die Hereinnahme von Joel Pohjanpalo für Axel Bellingshausen zunächst nur bedingt aus. Zumindest sorgte der Finne aber für etwas mehr Bewegung im Düsseldorfer Offensivspiel, auch wenn er diese Saison weiterhin torlos bleibt. Immerhin: Im Testspiel gegen den KFC Uerdingen hatte er binnen 13 Minuten noch einen Hattrick erzielt. Auf ein solchen lauerte auch weiterhin Lennart Thy, auch um den Sack endgültig zuzumachen – und das tat er in der 69. Minute dann auch. Nach einer Sobota-Flanke stand der 23-Jährige goldrichtig, hielt den Kopf hin und vervierfachte damit seine Torausbeute der laufenden Saison – von einem auf vier Treffer.

Trotz der deutlichen Überlegenheit der Hamburger hatte Düsseldorf erstaunlicherweise mehr Ballbesitz. Dass den aber nur die Hanseaten zu nutzen wussten, zeigte eine abermals gefährliche Standardsituation. Sobiech verpasste allerdings erneut die Chance, einen eigenen Treffer zu erzielen, da der Ball lediglich Richtung Hamburger Nachthimmel aufstieg. Das tat ihm Sercan Sararer in 83. Minute gleich, als der Fortune einen Dropkick über das Hamburger Tor manövrierte. Wo genau das Tor steht, wusste an diesem Abend sowieso nur einer: Statt Auswechslung und verdienten Applaus schnürrte Thy noch eben einen Viererpack. Vorausgegangen war eine scharfe Hereingabe von Rzatkowski, die der Stürmer noch einmal abtropfen ließ, um mit rechts zu vollenden (85.) – eine Glanzleistung. Durch das 4:0-Erfolg hält St. Pauli Schritt mit Leipzig und Freiburg und geht gestärkt in die Länderspielpause. Als nächste Aufgabe warten die unter Benno Möhlmann widererstarkten Münchner Löwen (Sa. 21.11., 13:00 Uhr) auf die Elf von Trainer Ewald Lienen.

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