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Vollmann im Interview: "Werden nicht wieder denselben Fehler begehen"

IMAGO / Kirchner-Media

Im Interview mit liga2-online.de spricht Peter Vollmann, Sport-Geschäftsführer von Aufsteiger Eintracht Braunschweig, über die geglückte Rückkehr in die 2. Bundesliga im ersten Anlauf, eine Gemeinsamkeit mit dem seinem Aufstieg als Trainer des F.C. Hansa Rostock im Jahr 2011, den personellen Umbau für die 2. Liga und Fehler der Vergangenheit, aus denen die Löwen ihre Schlüsse ziehen wollen.

"Verfügen bereits über ein gutes Grundgerüst"

liga2-online.de: Nach nur einem Jahr meldet sich Eintracht Braunschweig zurück in der 2. Bundesliga. Wie groß die Freude über die direkte Rückkehr?

Peter Vollmann: Wir hatten uns nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga in der vergangenen Saison einen Zwei-Jahres-Plan erarbeitet. Dass uns die Rückkehr nun schon direkt im ersten Anlauf gelungen ist, ist einfach perfekt. Das bringt uns sowohl sportlich als auch wirtschaftlich sehr große Vorteile.

Die Saison war nach dem Abstieg lang und holprig mit Höhen und Tiefen. Wie blicken Sie auf die Spielzeit zurück?

Wenn man den 1. FC Magdeburg mal ein wenig außer Acht lässt, dann hatten alle Aufstiegsaspiranten früher oder später eine Phase, in der nicht alles funktionierte. Von daher war bei den Teams hinter Magdeburg immer sehr viel Bewegung. Wenn eine Mannschaft eine gute Serie hatte, war sie auch auf einem guten Weg. Wenn man aber die komplette Spielzeit betrachtet, haben wir eine sehr konstante Runde gespielt. Mit Ausnahme der letzten beiden Niederlage zum Saisonende, haben wir nie zwei Partien hintereinander verloren. Auch unsere Auswärtsstärke mit zehn Siegen in der Fremde hat uns geholfen. Diese Konstanz hat die Mannschaft in dieser Saison ausgezeichnet.

Die Eintracht ist auf der "Couch" aufgestiegen. Da wurden sicherlich Erinnerungen wach, oder?

In der Tat. In der Saison 2010/2011 war ich als Trainer des F.C. Hansa Rostock mit meiner Mannschaft am 35. Spieltag auf dem Weg nach München zur U 23 des FC Bayern. Weil wir erst am Sonntag im Einsatz waren, konnten wir auf der Fahrt die übrigen Spiele verfolgen. Als wir dann als Aufsteiger feststanden, haben wir schließlich auf einem Parkplatz angehalten, um dort den Aufstieg zu feiern. Die anderen Leute auf diesem Parkplatz haben sich nur verwundert die Augen gerieben und uns wahrscheinlich für verrückt erklärt (lacht).

Blicken wir ein wenig in die Zukunft: Was steht nun für Sie während der Sommerpause auf dem Programm?

Im Großen und Ganzen habe ich die gleichen Aufgaben auf dem Plan, die auch in den anderen Jahren anfallen. Der entscheidende Unterschied dabei ist, dass jetzt aufgrund des spät feststehenden Aufstiegs viel weniger Zeit bleibt. Wir haben – so weit es ging – versucht, zweigleisig zu planen. Erst nachdem endgültig feststand, dass wir in der 2. Bundesliga an den Start gehen, konnten wir unsere Planungen intensivieren. Aber auch wenn uns nur wenige Wochen bleiben, werden wir uns nicht aus der Ruhe bringen lassen. Wie schon in dieser Saison werden wir weiterhin ruhig und vor allem sorgfältig arbeiten.

Der Großteil des Kaders ist mit gültigen Verträgen für die 2. Bundesliga ausgestattet. Wie wird sich die Mannschaft aber dennoch verändern?

Aktuell haben 14 Spieler gültige Verträge für die 2. Bundesliga. Damit verfügen wir bereits über ein gutes Grundgerüst. Es sieht gut aus, dass auch Michael Schultz in der kommenden Saison für die Eintracht am Ball sein werden, sodass wir auf jeden Fall schon einmal gut aufgestellt sind. Zusätzlich zu den aktuellen Spielern sind wir nun auf der Suche nach Verstärkungen, die auch in der 2. Bundesliga bestehen können. Es müssen Spieler sein, die ihre Qualitäten in der 2. Bundesliga bereits unter Beweis gestellt haben, um sicherzustellen, dass wir den Klassenerhalt auch schaffen können.

Auf welcher Position wird denn gezielt gesucht?

Durch auslaufende Verträge wird auf fast jeder Position ein Platz frei, wir müssen den Kader auch geringfügig von der Anzahl der Spieler aufstocken. Wir wollen auch den Konkurrenzkampf verstärken. Wichtig ist vor allem, dass wir eine gute Mischung aus bestehendem Personal und Neuzugängen schaffen. Wir legen einen hohen Wert auf die Mentalität und die Einstellung der Spieler.

 

"Ein Stückweit das Risiko erhöhen"

Der letzte Auftritt in der 2. Bundesliga hielt nur eine Spielzeit. Was macht Sie zuversichtlich, dass es jetzt besser laufen wird?

Wir werden nicht wieder denselben Fehler begehen und versuchen, zwei Schritte gleichzeitig zu machen. Nach dem letzten Aufstieg haben wir auf erfahrene Drittliga-Spieler gebaut, die das Potenzial hatten, auch in der 2. Bundesliga zu bestehen. Mit dieser Marschroute hat es dann leider nicht gereicht – auch wenn am Ende nur zwei Zähler gefehlt haben.

Also helfen auch die Erfahrungen aus der Abstiegssaison 2020/2021?

Auf jeden Fall. Wir haben uns das Ziel gesetzt, mehr Qualität in die Mannschaft zu bringen, als es vor zwei Jahren noch der Fall gewesen ist. Letztlich spielt auch hier der finanzielle Faktor eine große Rolle. Wenn wir uns mit dem Etat an einen Klub orientieren, der gegen den Abstieg spielt, dann wird auch uns schnell die Luft ausgehen. Das haben wir aus dem letzten Abstieg gelernt. Finanziell sind wir gesund und müssen daher auch ein Stückweit das Risiko erhöhen, wenn wir uns langfristig in der 2. Bundesliga etablieren wollen. Das Potenzial für mehr wirtschaftliches Vermögen ist auf jeden Fall vorhanden.

Die neue Saison in der 2. Bundesliga startet bereits am 15. Juli. Bis dahin bleiben knapp acht Wochen. Nicht die besten Voraussetzungen für einen Aufsteiger, oder?

Nicht unbedingt, aber die Herausforderung müssen wir so annehmen und machen das auch gerne. Wir starten als vorletzter Verein in die Planungen für die 2. Bundesliga. Wer die Formel1 schaut, der weiß, wie schwierig es ist, das Feld von hinten aufzuräumen. Erschwert wird die Arbeit vor allem dadurch, dass viele gute Spieler zu diesem Zeitpunkt bereits einen neuen Verein gefunden haben. Von daher müssen wir unseren Radius auch auf benachbarte Länder ausweiten. Dadurch haben wir zwar eine größere Auswahl an Spielern, unbedingt leichter macht es einen Transfer aber nicht. Umso glücklicher müssen wir sein, dass wir den Aufstieg nicht erst in der Relegation realisiert haben. Dann hätten uns nämlich noch einmal zwei Wochen gefehlt.

Seit mittlerweile vier Jahren stehen Sie selbst nicht mehr als Trainer an der Seitenline. Kribbelt es ab und zu noch ein wenig?

Nein, das überhaupt nicht. Ich fühle mich auf meiner Position bei der Eintracht sehr wohl und bin hier sehr glücklich. Es kribbelt nicht ganz im Gegenteil sogar: Vor allem im Winter, wenn es kalt ist und beim Training schneit, bin ich ganz froh, im warmen Büro sein zu können (lacht).