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Zwischenfazit Dynamo Dresden: Zwischen den Extremen

„Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt…“ – mit dieser Redewendung aus Goethes Trauerspiel „Egmont“ lässt sich die Gefühlslage der Fans von Dynamo Dresden im bisherigen Saisonverlauf am Besten beschreiben. Auch Sportdirektor Ralf Minge bilanziert im Kicker-Fachmagazin: „Dynamo steht immer für emotionale Ausschläge.“

„Himmelhoch jauchzend“

Die Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus startete nach dem Aufstieg sehr gut in den Ligaspielbetrieb. So wurde dem 1. FC Nürnberg am 1. Spieltag mit einem Tor in der 94. Minute von Testroet ein verdienter Punkt abgetrotzt. Der erste Auswärtsauftritt erfolgte anschließend beim Aufstiegsaspiranten Union Berlin in Köpenick. Nach 90 spannenden Minuten stand ein 2:2 auf der Anzeigetafel. Auch in diesem Spiel zeigte Dynamo eine klasse Leistung und stellte die favorisierten Berliner vor große Probleme. Die Tore zu diesem Erfolg steuerten Aosman und Lambertz bei. Im folgenden Heimspiel gegen den FC St. Pauli gelang schließlich der erste dreifache Punktgewinn. Erneut war es Routinier Lambertz, der schon in der 7. Minute das entscheidende Tor zum 1:0 Heimsieg erzielte. Der knappe Vorsprung wurde mit viel Geschick und etwas Glück über die komplette Spielzeit gehalten. Zu dieser Zeit schienen die in der 3. Liga erarbeiteten und erfolgreichen Mechanismen auch in der 2. Liga zu funktionieren. Die gesamte Mannschaft und auch das Umfeld strotzten vor Selbstbewusstsein. Dies gipfelte im 2:0-Auswärtssieg bei Hannover 96 am 4. Spieltag. Stefaniak und Ballas ließen mit ihren Traumtoren die Dynamo-Fans jubeln. Die daraus resultierenden drei Punkte schoben Dynamo nach dem 4. Spieltag auf den 2. Tabellenplatz.

Schon wurden vereinzelte Stimmen im Umfeld laut, die eine Parallele zur Geschichte vom SV Darmstadt aus den vergangenen Jahren zu sehen vermochten. Hinzu kam der prestigeträchtige Erfolg in der 1. Runde des DFB-Pokals gegen den ungeliebten sächsischen Rivalen RB Leipzig. Der Bundesliga-Aufsteiger konnte nach 0:2-Halbzeitrückstand noch im 11m-Schießen niedergerungen werden. Die Vertragsverlängerung von Erfolgstrainer Uwe Neuhaus bis ins Jahr 2019 rundete das positive Gesamtbild ab.

„Zu Tode betrübt“

Ausgerechnet im Heimspielderby gegen Erzgebirge Aue kam der erste Bruch in die Saison von Dynamo Dresden. Nach einer starken Anfangsviertelstunde verlor die Mannschaft den Spielfluss und schenkte mit zum Teil haarsträubenden Fehlern den Gästen die Tore und den Sieg. Am Ende stand ein bitteres 0:3 zu buche. Diese Niederlage wurde im Umfeld noch als Betriebsunfall angesehen. Doch schon die folgende Niederlage bei dem zu diesen Zeitpunkt Tabellenletzten, dem 1. FC Kaiserslautern, ließ die kritischen Stimmen lauter werden. Die 0:3-Niederlage auf dem Betzenberg war aufgrund der gezeigten Leistung absolut verdient und hätte noch höher ausfallen können.

Das anschließende Heimspiel gegen Mitaufsteiger Würzburger Kickers sollte zur Wiedergutmachung dienen. Trotz einer deutlichen Steigerung konnte die Dynamo-Mannschaft nicht an die Leistung der ersten erfolgreichen Spiele der Saison anknüpfen. So reichte es nach zweimaliger Führung nur zu einem 2:2-Unentschieden. Die nächste Auswärtsniederlage am 8. Spieltag in Sandhausen brachte größere Unruhe ins Umfeld von Dynamo Dresden. Einerseits sind unter der Fangemeinschaft Stimmen zu vernehmen, die der Mannschaft das Potenzial für die 2. Liga absprechen und andererseits stellen selbst Spieler die Systemfrage. So resümierte Abwehrchef Modica in der Bild-Zeitung: „Sandhausen hat sich gegen uns rein gestellt, gewartet, bis wir Fehler machen und dann ging die Post ab. Gegen Lautern war‘s genau so, da müssen wir auch mal auf den Knopf drücken.“ Und Modica trifft damit den Nagel auf den Kopf. Den Gegnern von Dynamo reichte es zuletzt, sich hinten rein zu stellen und auf Fehler zu warten. Diese wurden dann reichlich gemacht und mit Gegentoren bestraft.

Wie es weitergeht

Uwe Neuhaus hat diese Probleme ebenfalls erkannt und arbeitet mit seiner Mannschaft intensiv daran, diese abzustellen. So probierte er im jüngsten Test gegen Regionalligist FC Oberlausitz Neugersdorf vom bisherigen Spielsystem abweichende Varianten. Statt Ballbesitzfussball mit Kurzpässen aus der Abwehr heraus wurde sich auf eine sichere Abwehr und schnelle Konter konzentriert. Der 5:0-Testspielsieg ist natürlich nur bedingt aussagekräftig.

„Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt…“ – Aufgrund der Entwicklung der Mannschaft und der bisherigen Saison besteht für beide Extreme kein Anlass. Die sportlich Verantwortlichen wissen, dass akribische Arbeit Grundvoraussetzung ist, um in dieser 2. Bundesliga zu bestehen. Rückschläge waren zu erwarten. Geduld ist gefragt, auch im Umfeld von Dynamo Dresden. Die Chance, dass die Saison kein Trauerspiel wird, ist nach wie vor intakt. Mit neun Punkten nach dem 8. Spieltag und Tabellenplatz 11 ist man in einer soliden Ausgangsposition, um das Ziel „Klassenerhalt“ zu realisieren.