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KSC: Stimmung wie beim Testspiel

Man stelle sich vor, es findet ein Bundesligaspiel statt und keiner bekommt es mit. So geschehen beim Montagabendspiel des KSC gegen den SV Sandhausen (3:0), in dem die anwesenden Fans ihren Unmut über die Anstoßzeit durch einen Stimmungsboykott kundtaten. Ein Kommentar:

Wenn das Klatschen der Haupttribüne zum Stimmungs-Höhepunkt wird…

Von Beginn an entschieden sich beide Fanlager, auch der SV Sandhausen war für seine Verhältnisse mit einer großen Fangruppe angereist, für 60 Minuten auf die üblichen Fangesänge zu verzichten. Das höchste aller Gefühle war der ein oder andere Szenenapplaus der Haupttribüne, welcher in dieser Situation fast schon wie ein Feuerwerk durch den Wildpark hallte. Und dieser Boykott übertrug sich auch auf die Spieler. In der ersten Halbzeit gelang beiden Teams wenig bis nichts. Kreativität fehlte auf beiden Seiten, wenn es mal einen Torschuss gab, kam maximal der schon angesprochene Szenenapplaus zum Vorschein.

So macht Fußball einfach keinen Spaß. Dieser Sport lebt von seinen Emotionen und auch von den Fans, die ihr Team unterstützen oder auch mal kritisch würdigen. Was sich in Karlsruhe bot, erinnerte an Testspielatmosphäre, wobei man der Stimmung bei manchen Testspielen dort schon zu nahe treten würde. Schaut man sich die Leistung beider Teams an, wurde zudem deutlich, dass auch die Spieler bei ausbleibender Stimmung nicht das Maximum aus sich rausholen können, oder schlichtweg auch einfach nicht wollen. Die Tatsache, dass vor allem das Spiel des KSC nach Aufhebung des Stimmungsboykotts ordentlich an Fahrt aufnahm und Diamantakos (68.), Prömel (84.) und nochmals Diamantakos (88.) ihr Team zum Sieg schossen, ist ebenfalls nicht unerheblich. Auch die Spieler können bei mehr Stimmung einfach mehr aus sich rausholen.

Natürlich sitzen die Entscheidungsträger der DFL am längeren Hebel und können darüber entscheiden, wie es mit den Anstoßzeiten in Zukunft gehandhabt wird und dabei sieht es eher danach aus, dass sich solche Sachen wie am Montagabend in Karlsruhe wiederholen. Jedoch muss man sich auf allen Ebenen auch hinterfragen, ob man so eine Atmosphäre auf Dauer will. Den Fans ist hierbei kein Vorwurf zu machen, da es für sie sicher selbst nicht schön ist, untätig auf der Tribüne zu stehen. Vielmehr ist es nachzuvollziehen, dass man sich das Gefühl eines echten Bundesligaspiels nicht nehmen lassen will. Zwar sind die Anstoßzeiten der zweiten Liga dafür schon generell nicht so günstig, jedoch ist ein Spiel am Samstag um 13 Uhr immer noch besser als eine Partie am Montagabend um 18:30 Uhr. Diese Zeiten werden auch in Zukunft nicht auf Anklang stoßen und Aktionen wie in Karlsruhe sich weiter häufen. Hier müssen sich aber alle Beteiligten die Grundsatzfrage stellen, ob das noch im Sinne des Sports ist, der so von seinem Emotionen lebt oder ob der Weg der Kommerzialisierung wirklich solche Ausmaße nehmen darf. Ein Boykott ist dafür da, um etwas zu erreichen, beeindruckend war diese Aktion im Wildpark allemal, leider im negativen Sinne, aber das sollen solche Aktionen auch zum Ausdruck bringen.