Erzgebirge Aue: Konstanz und Konzentration fehlen
Die Veilchen können ihren Negativtrend nicht stoppen und rutschen nach der 2:0 (1:0) Auswärtsniederlage in Hannover auf den vorletzten Platz ab.
Fehlende Konstanz und Konzentration
Pavel Dotchev nutzte die Länderspielpause und teste die erfolgreich gegen die deutsche U20-Nationalmannschaft, beim 2:1 Erfolg trafen Clemens Fandrich und Cebio Soukou. Letzterer spielte von Beginn an neu auf der Zehn, zudem rotierte Mirnes Pepic für Philipp Riese in die Startelf. Aue spielte zu Beginn clever und überbrückte mit langen Bällen das 96er Pressing. Die erste gute Gelegenheit ließ Soukou liegen, der den Ball nicht voll traf und vorbeischoss. Zwei Minuten später vergab Pascal Köpke eine hundertprozentige Möglichkeit, der Ball ging Zentimeter am Pfosten vorbei. Doch Hannovers starkes Gegenpressing zeigte Wirkung, Aue verlor die Spielkontrolle und die 96er konnten sich trotz kompakter Defensivformation der Veilchen mühelos in den Strafraum spielen. Aue beschränkte sich auf lange Bälle, die jedoch kein Problem für die Hannoveraner Abwehrkette waren. Die Gastgeber zeigten in dieser Phase ihre Klasse, denen die Sachsen nicht viel entgegensetzen konnten, zum Teil setzten die Hausherren mit vier Angreifern die Veilchen Abwehrkette unter Druck. Das Führungstor offenbarte dann die größte Auer Schwäche, beide Innenverteidiger fliegen an der Freistoßflanke von Prib vorbei und Nicky Adler verliert Harnik aus den Augen, der aus fünf Metern ohne Probleme einköpfen kann. Vermeidbar und Unnötig, Aue gelingt es einfach nicht mehr zu Null zu spielen. Hannover drehte danach erst richtig auf, Harnik und Klaus verpassten nur knapp das Tor. Den Gästen fehlte der Zugriff und die Cleverness im Umschaltspiel, man beschränkte sich auf lange Bälle, kein ernsthafter Druck für 96. Kurz vor dem Pausenpfiff legten die Veilchen den Schalter dann aber doch nochmal um, drängten auf den Ausgleich, der fiel auch, nur stand Breitkreuz einen Meter im Abseits. Wenig später köpfte der Abwehrchef dann eine Tiffert Ecke noch am Pfosten vorbei, doch es blieb beim 1:0. Es zeigte sich mal wieder, Aue kann selbst gegen die Großen Chancen kreieren, doch es fehlt die nötige Konstanz im Aufbauspiel den Gegner länger als ein paar Minuten unter Druck zu setzen und die Abwehr wirkt alles andere als sattelfest, vor allem bei Standards und energischen Pressing.
Aue bemüht, aber mit zu wenig Durchschlagskraft
Kurz nach der Pause hätte Harnik den Deckel schon draufmachen können, doch aus fünf Metern traf der Österreicher nur die Latte, eine Szene, die Aue aufweckte. Die Lila-Weißen versuchten das Spielgesehen an sich zu reißen, doch echte Gefahr konnten nur Standards erzeugen. Gleich drei Auer verpassten eine verunglückte Tschauner Faustabwehr ohne zu treffen und Breitkreuz köpfte wenig später zu schwach auf das gegnerische Gehäuse, kein Problem für den Keeper. Die dickste Auer-Chance hatte 96 Verteidiger Strandberg, wie Rizzuto im ersten Durchgang, lenkte er eine Hereingabe fast ins eigene Tor. Doch Hannover schaffte es weitestgehend Aue vom eigenen Tor fern zu halten und nutzte wieder einmal die Lücken und Fehler der Auer Hintermannschaft. Klaus setzte sich auf dem rechten Flügel mühelos gegen Hertner und Breitkreuz durch, Haas konnte sich bei der Hereingabe nicht auf den Füßen halten und Susac und Rizzuto ließen Füllkrug am langen Pfosten aus den Augen, 2:0. Aue hatte scheinbar nicht vor das Ergebnis noch zu ändern, Köpke vergab seine zweite Hundertprozentige und der eingewechselte Fandrich scheiterte an Tschauner. Doch nur mit langen Bällen, war die Abwehr der Niedersachsen nicht weich zu bekommen. Aue verliert unterm Strich verdient, weil 96 im Gegensatz zu den Veilchen seine Chancen nutzt.
Sechs Niederlagen aus den letzten sieben Spielen
Der Negativtrend im Erzgebirge hält an und beschert den Veilchen einen frostigen und grauen Herbst. Fußballerisch sieht das an vielen Stellen gut aus, doch die Fehler, vor allem in der Hintermannschaft, überwiegen den hellen Momenten im Sturm. Ersatztorwart Haas fehlt die nötige Sicherheit und das Selbstvertrauen, der Keeper holt die Bälle meistens nur aus dem eigenen Netz. Gegen Hannover war vor der Saison sicher kein Sieg eingeplant, doch Aue muss die Punkte einfahren, die man in den letzten Wochen liegen gelassen hat. Es fehlt der Wille und die Leidenschaft einen noch so schweren Bock umzustoßen. Selbst der Stuhl von Aufstiegstrainer Dotchev dürfte angesichts der jüngsten Ergebnisse anfangen zu wackeln, im Sturm fehlt Aue eine echte Alternative zu Köpke. Dotchevs Wunschspieler Nazarov und Toshev haben nur Stammplätze auf der Tribüne oder der Ersatzbank. Zwar reicht ein Punkt zum rettenden Ufer, doch die Erzgebirgler müssen ihre Probleme schnell in den Griff bekommen, mit Würzburg, Stuttgart, Kaiserslautern und Düsseldorf hat Aue ein knallhartes Restprogramm in der Hinrunde.