Abstieg besiegelt: Hertha nach zehn Jahren zurück in der 2. Liga

Mit Hertha BSC steht der erste Absteiger aus der Bundesliga fest. Durch ein 1:1 im Abstiegsgipfel gegen den VfL Bochum - der Gegentreffer fiel erst in der Nachspielzeit - ist der Hauptstadt-Klub angesichts von fünf Punkten Rückstand auf den Abstiegs-Relegationsplatz vor dem letzten Spieltag nicht mehr zu retten und damit nach zehn Jahren zurück in der 2. Liga. Ob die Alte Dame im Bundesliga-Unterhaus antreten darf, ist allerdings noch offen. Massive Finanzprobleme gefährden die Lizenz.

Kurze Momente sorgten für Hoffnung

Da konnte auch Pál Dárdai nichts mehr retten: Mit nur 26 Punkten nach 33 Spielen steht der Abstieg von Hertha BSC fest. Vor zehn Jahren führte Jos Luhukay den Hauptstadt-Klub in die Bundesliga, sechs Mal feierte Dárdai danach den Klassenerhalt mit seinem Herzensverein - und führte die Alte Dame sogar zwischendurch in die Europa League. Zum siebten Mal beendet Hertha nun eine Saison mit dem Rekordspieler als Cheftrainer, zum ersten Mal ist es der Abstieg für den 47-Jährigen und seine Mannschaft. Über Dárdais Anteil am Niedergang lässt sich streiten, schließlich übernahm der Ungare das sinkende Schiff erst am 29. Spieltag. War da überhaupt noch etwas zu retten?

Nach einer 0:1-Niederlage gegen Borussia Dortmund am 4. Spieltag stand Hertha erstmals auf einem direkten Abstiegsplatz. In den darauf folgenden sieben Spielen kassierten die Berliner nur noch eine Niederlage, erzielten aber auch nur fünf Unentschieden. Trotzdem schien sich die Mannschaft von Sandro Schwarz damals stabilisiert zu haben. Ein Trugschluss: Den 13. Tabellenplatz, der im Nachhinein Herthas beste Saisonplatzierung darstellt, sahen die Berliner nie wieder. Nach nur 14 Punkten aus der Hinrunde sammelte der Hauptstadtklub auch in der Rückrunde nur noch zwölf Zähler. Lediglich kurze Momente - beispielsweise ein 4:1-Sieg gegen Gladbach (20. Spieltag) oder der 2:0-Erfolg gegen Augsburg (22. Spieltag) - sorgten für Hoffnung. Doch die Mühe war vergebens.

Millionen-Transfers ohne Wirkung

Insgesamt kassierte Hertha schon 19 Niederlagen in dieser Saison. Ohne den dringend benötigten einen 2:1-Sieg im Kellerduell mit dem VfB Stuttgart vor drei Wochen wäre die Messe schon früher gelesen. Rekordtransfers wie Lucas Tousart (25 Mio. Euro) oder Dodi Lukébakio (20 Mio. Euro) konnten nichts mehr retten - fünf weitere Spieler, für die Hertha in den letzten fünf Jahren jeweils mehr als zehn Millionen Euro ausgab - sind gar nicht mehr im Verein.

Viele sehen in der Transferpolitik einen Hauptgrund für den Abstieg. Statt des "Big City Clubs" bastelte sich Hertha den eigenen Sarg - behaupten die Kritiker. Gerade einmal fünf magere Auswärtspunkte zeigen deutlich, wie es um die Hertha, insbesondere um ihren Teamgeist, wirklich steht. Auch Dárdai verwies auf die Ist-Zustände in Berlin, behauptete diplomatisch aber vielsagend: "Die Mannschaft ist eben so eingekauft worden." Und das mit großen finanziellen Mitteln, die der Hertha bekanntermaßen nicht mehr zur Verfügung stehen. Denn mittlerweile zittert der Hauptstadtklub aufgrund der Schieflage um die Lizenzierung - und zwar im kompletten Profifußball.

Finanzielle Schieflage bedroht Existenz

Für die Saison 2023/24 soll Hertha BSC laut "Kicker"-Angaben zurzeit noch eine Planungslücke über 60 Millionen Euro haben. Bis zum 7.  Juni bleibt noch Zeit, um gegenüber der Deutschen Fußball-Liga (DFL) nachzuweisen, dass die kommende Spielzeit trotzdem durchfinanziert ist. Andernfalls könnte dem Klub die Lizenz verweigert werden, wodurch die Alte Dame nicht in der 2. Bundesliga starten dürfte. Dann wäre sogar ein Abstieg in die 3. Liga möglich - sofern die Berliner dort die Zulassung erhalten. Das größte Horrorszenario wäre wohl, wenn Hertha BSC bis zur Regionalliga Nordwest heruntergehen müsste, wo die Zweitvertretung zum Profiteam umgewandelt werden müsste. Die Bundesliga wäre über Jahre hinweg kein Thema mehr.

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