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Abstiegskampf pur: Der Tabellenkeller im Endspurt-Check

© IMAGO / foto2press

Mit den heutigen Freitagsspielen wird die 2. Bundesliga das letzte Saisondrittel einläuten, in denen die Entscheidungen über Auf- und Abstieg fallen. An der Tabellenspitze herrscht bekanntermaßen dichtes Gedränge – und nicht weniger dramatisch entwickelt sich die Situation in der akuten Abstiegszone. Von der unglaublichen Aufholjagd der Würzburger Kickers bis hin zum unvergleichlichen Absturz des VfL Osnabrück scheint derzeit alles möglich zu sein.

Allgemeine Ausgangssituation

Elf Spiele sind noch zu gehen, 33 Punkte noch zu vergeben. In der Saison 2010/11 reichte diese Punktzahl allein aus, um dem Karlsruher SC in der damaligen Spielzeit den direkten Klassenerhalt zu verschaffen. Doch die Leistungsdichte der 2. Bundesliga ist über die Jahre hinweg größer geworden – auch im Tabellenkeller. 34 Punkte? Ein Schnitt, der gefühlsmäßig schon lange nicht mehr reicht. Sogar die 40-Punkte-Marke wackelte in den vergangenen Jahren, als Erzgebirge Aue mit dieser Punktzahl in die Abstiegs-Relegation musste. Vier Teams des aktuellen Teilnehmerfelds zittern daher besonders vor dem Endspurt.

VfL Osnabrück

Als neues Gesicht an der Bremer Brücke soll Markus Feldhoff den beispiellosen Absturz des VfL Osnabrück im letzten Saisondrittel verhindern. Dabei wird sich der neue Cheftrainer wohl dieselbe Frage stellen, wie auch viele Fans der Lila-Weißen: Was ist das für ein Saisonverlauf in Osnabrück? Als Leistungsträger wie Marcos Alvarez, Moritz Heyer oder Felix Agu den Verein samt Erfolgscoach Daniel Thioune im Sommer verließen, rechneten nicht wenige Sympathisanten des Klubs mit einem Fehlstart in die neue Saison. Doch der VfL wiederlegte alle Kritiker mit effizienter und effektiver Spielweise. Nach dem 11. Spieltag grüßte die Elf von Marco Grote vom fünften Tabellenplatz. Das Horrorszenario, an das damals niemand dachte? Nach besagtem Spieltag folgte nur noch ein einziger Sieg – und elf Niederlagen!

Die Negativspirale zwang die VfL-Verantwortlichen zur Reaktion, mit Florian Fulland übernahm interimsweise ein Nachwuchscoach. Die Patronen des 36-Jährigen, der als Co-Trainer weitermacht, verpufften wirkungslos. Bestes Beispiel: Ein Torwartwechsel von Philipp Kühn zu Moritz Nicolas, um in der Defensive einen neuen Impuls zu schaffen. Nicolas sah sich daraufhin drei Elfmetern ausgesetzt, konnte zumindest einen davon parieren. Klar ist wohl, dass der Osnabrücker Schuh nicht auf der Torwartposition drückt. Gleich neun Saisonniederlagen wurden nur mit einem Tor Unterschied verloren – und mit 22 Treffern stellt der VfL derzeit die zweitschwächste Offensive der Liga. Um den Gang in die 3. Liga zu verhindern, muss Feldhoff die Effektivität zurückbringen.

SV Sandhausen

Die märchenhafte Geschichte des Dorfklubs vom Hardtwald beruht zu großem Teil auf der ewigen Annahme, dass in Sandhausen die kleinsten Brötchen gebacken werden. Im nunmehr neunten Zweitliga-Jahr sollten sich die Verhältnisse ein bisschen verschieben und Transfers von Bundesliga-Stars wie Alexander Esswein oder Diego Contento verdeutlichten die wachsenden Ambitionen des SVS. Doch stattdessen fand sich das Team von Uwe Koschinat schnell dort wieder, wo alle Außenstehenden den SVS immer vermuten – im Abstiegskampf. Immer wieder schallt es aus dem Hardtwald, dass die neuen Gehaltsstrukturen in Sandhausen für Unmut innerhalb des Teams sorgten und ein intaktes Mannschaftsgefüge auseinander brach. Die Krönung dieser Annahme war der Rauswurf von Stammkeeper Martin Fraisl, belegt ist jedoch nichts.

Fakt ist aber, dass der SVS nach anfänglichem Auf und Ab seit dem 8. Spieltag bestenfalls den 15. Tabellenplatz erreichte. Weder Koschinat, noch Nachfolger Michael Schiele, konnten den vermeintlich schlummernden Riesen wecken und sahen sich einer Flut von Gegentoren ausgesetzt. 44 Gegentore? Das bedeutet fast zwei Gegentreffer pro Partie. Neue Hoffnung kam am Hardtwald jedoch zuletzt durch das Interimsduo mit Ex-Profi Stefan Kulovits auf. Der kennt die Mannschaft, hat mit vielen Akteuren noch selbst auf dem Platz gestanden. Vor dem SVS steht ein Kellerduell mit Braunschweig, das möglicherweise richtungsweisend wird. Hält Sandhausen dem Druck stand? Mit sechs Punkten aus den letzten fünf Spielen ist der SVS jedenfalls das formstärkste Team der letzten Vier.

Eintracht Braunschweig

Aber die niedersächsischen Löwen könnten am kommenden Wochenende zurückschlagen und sich zum lachenden Dritten aufschwingen. Für den Zweitliga-Aufsteiger geht es seit Saisonbeginn nur gegen den Abstieg, was sich auch anhand des 14. Tabellenplatzes als beste Saisonplatzierung verdeutlichen läss. Dem Braunschweiger Umfeld schmeckt das weniger, doch der Plan der Verantwortlichen kann nur auf dieses Ziel ausgerichtet gewesen sein – anders würde sich die Transferpolitik vor der Spielzeit auch gar nicht erklären lassen. Aufstiegstrainer Marco Antwerpen? Weg. Erfahrene Führungsspieler wie Stephan Fürstner, Bernd Nehrig oder Marc Pfitzner? Weg. Aufstiegshelden wie Marvin Pourié oder Merveille Biankadi? Weg. Die Eintracht entschied sich für den kompletten Neuaufbau, aber das Ergebnis ist noch offen.

Hinzu kommen personelle Sorgen, vor allem auf den defensiven Außenbahnen. Mehrere Spieler, darunter auch schon Fabio Kaufmann (Rechtsaußen), Danilo Wiebe (defensives Mittelfeld) oder Brian Behrendt (Innenverteidiger), versuchten sich auf der fremden Position und Braunschweig fing sich zwischenzeitlich zahlreiche Gegentore – aber (!): Die Hälfte aller Spiele im neuen Kalenderjahr spielte das Team von Cheftrainer Daniel Meyer zu Null. Die Situation der Braunschweiger kann daher schnell komfortabler werden, wenn der BTSV auch weiterhin gegen die direkten Konkurrenten punktet. Für die Niedersachsen spricht jedenfalls, dass die Sommer-Transfers wohl eher auf ein weiteres Drittliga-Jahr ausgelegt waren – und trotzdem spielt der BTSV mit.

Würzburger Kickers

Ein bisschen anders sieht es beim Mit-Aufsteiger in Würzburg auf, der vor allem in der ersten Saisonhälfte seine Konkurrenzfähigkeit über weite Strecken vermissen ließ. Dazu kamen fragwürdige Personalentscheidungen auf der Trainerposition, die erst Michael Schiele den Kopf nach zwei Spieltagen kosteten und vier Wochen später dann Marco Antwerpen. Für höhnische Kommentare sorgten in den Weiten der Sozialen Netzwerken zudem die zahlreichen Sommer-Transfers, die in ihrer Linie mit den besten Zeiten von Global Director Felix Magath verglichen wurden. Ruhe kam in den Verein erst, als mit Sportvorstand Sebastian Schuppan eine Identifikationsfigur eingebunden wurde und Bernhard Trares – mittlerweile der dritte Coach der Saison – die ersten sportlichen Erfolge einfuhr. Sein Punkteschnitt von nur 0,88 Zählern pro Partie ist nicht berauschend, würde den FWK aber aktuell dichter an die Konkurrenz heranführen.

Die Probleme der Würzburger auf dem Platz sind vielfältig, aber nicht weniger heiß ging es in dieser Saison abseits des Spielfeldes her. Nicht nur einmal geriet der Dallenberg nämlich in die Schlagzeilen, weil sich FWK-Verantwortliche über haarsträubende Entscheidungen im Wettbewerb aufregten. Beispiele gibt es genug. Allein in den Partien gegen Fürth und Kiel wurden zuletzt zweifelhafte Strafstöße gegen Würzburg ausgesprochen, aber das absolute Negativ-Highlight war die Partie gegen Darmstadt am 13. Spieltag. Der FWK trat die Auswärtsfahrt nach Corona-Fällen mit lediglich zwölf Feldspielern und zwei Torhütern an, sodass Ersatzmann Eric Verstappen in der Schlussphase als Feldspieler eingewechselt wurde. Dem Ärger zum Trotz spielt der FWK um den Klassenerhalt immer noch mit – doch mit nur 15 Punkten aus 23 Spielen und einem Rückstand von sieben Zählern auf das rettende Ufer wäre eine Aufholjagd bereits ein kleines Fußball-Wunder.