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"Als Werder Bremen hatten wir Corona": SVW räumt Fehler ein

© IMAGO / Nordphoto

Der SV Werder Bremen hatte sprichwörtlich Corona. Diese Aussage tätigte Klaus Filbry als Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Mitgliederversammlung der Grün-Weißen – und spielte damit auf die finanzielle Schräglage an, in der sich der Verein befindet. Fehler wurden eingeräumt, auch seitens der Sportlichen Leitung. Doch die Intensivstation habe man verlassen.

"Saison ist durchfinanziert"

75 Minuten lang waren Cheftrainer Markus Anfang und seine Mannschaft bei der Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen dabei, bis sie unter "schüchternem Applaus der Werder-Mitglieder", wie "transfermarkt.de" berichtet, den Saal verließen. Euphorie sorgte das Treffen zwischen den Verantwortlichen und seinen Mitgliedern nicht unbedingt aus. Das liegt unter anderem daran, dass die Zahlen auf den Tisch gelegt wurden. Infolge der Corona-Pandemie fuhren die Grün-Weißen zweimal infolge ein Millionenminus ein – sodass 23,8 Millionen Euro (Saison 2019/20) und 8,8 Millionen Euro (2020/21) als rote Zahl in den Büchern steht.

"Als Werder Bremen hatten wir Corona und lagen auf der Intensivstation", beschrieb Klaus Filbry, Vorsitzender der Geschäftsführung, in direkter Anlehnung an die Problematik. Es gab aber auch gute Nachrichten vom 54-Jährigen, denn Bremen habe besagte Station inzwischen verlassen: "Die laufende Saison ist durchfinanziert, wenn wir bald wieder mehr Zuschauer zulassen dürfen." Im letzten Heimspiel der Bremer gegen Rostock waren rund 21.050 Zuschauer in der Arena, was ziemlich genau die Hälfte der Auslastung im Weserstadion bedeutet. Klar ist, dass die finanzielle Zukunft weiterhin an die Umstände gekoppelt ist.

Baumann räumt Fehleinschätzungen ein

Klar ist damit auch, dass in der Vergangenheit nicht alles einwandfrei lief – was auch Filbry einräumte: "Vor zwei Jahren haben wir für uns für ein sportliches Wagnis entschieden, im Nachhinein eine falsche Entscheidung." Eine Mittelstandsleihe über 18 Millionen Euro war nötig, um den hohen Fehlbetrag zu stemmen. Hinzu kam, dass der Kader zu diesem Zeitpunkt schon deutlich unter dem Niveau des Vorjahres besetzt war – was auch auf Sportchef Frank Baumann zurückzuführen war.

Der Ex-Kapitän der Bremer nahm ebenfalls Stellung, auch zu Fehleinschätzungen seinerseits. "Wir wollten zu viel und waren zu ehrgeizig. Viele unserer Neuverpflichtungen haben nicht eingeschlagen, kaum ein neuer Spieler wurde sofort Stammspieler", gab sich Baumann selbstkritisch. Im Vergleich zur Saison 2018/19 (25,8 Millionen Euro), als die Bremer noch auf Platz 8 an den Europapokal-Plätzen schnupperten, wurden die Transferausgaben zuerst auf 13,95 Millionen und schließlich auf 11 Millionen Euro reduziert. Der Abstieg war die Folge, aber laut Baumann trotzdem unnötig gewesen. Nun geht es weiter um den Wiederaufbau, an dem auch Vereinspräsident Hubertus Hess-Grunewald festhielt: "Wir sind in einer Phase, in der unser Verein auf der Suche ist. Die viel zitierte Geschlossenheit ist verloren gegangen." Ein Schulterschluss mit Fans und Mitgliedern wird wohl der erste Schritt sein.