Ausblick: Energie Cottbus steht mit dem Rücken zur Wand

In einer Woche beginnt auch für die zweite Liga das Fußballjahr 2014. Heute im Mittelpunkt: Energie Cottbus. Die Mannschaft von Trainer Stephan Schmidt steht mit dem Rücken zur Wand. Tabellenplatz 18 und acht Punkte Rückstand auf das rettende Ufer bereiten große Sorge im Umfeld der Lausitz. 13 Punkte aus den ersten 19 Spielen stehen für die schlechteste Zweitligabilanz des FC Energie in der Vereinsgeschichte. Die Gesetze im Profifußball machten auch  vor dem beschaulichen Cottbus nicht halt. Rudi Bommer musste nach der Niederlage am 13. Spieltag und Tabellenplatz 17 seinen Hut nehmen. Für ihn kam Stephan Schmidt. Der 37-Jährige Berliner wurde geholt, um die Mannschaft in sicheres Fahrwasser zu führen. Dieses Vorhaben scheiterte auf ganzer Linie. Sechs Spiele, sechs Niederlagen schlagen für Schmidt, der im Mai in Paderborn entlassen wurde, zu buche. Das Team präsentierte sich nur selten als Einheit. Das Offensivspiel wirkte ideenlos, die Abwehr leistete sich zu viele individuelle Fehler, die auch Schmidt nicht abstellen konnte. In der zweiten Saisonhälfte muss sich das schleunigst ändern.

Früher Trainingsauftakt mit zwei Neuen

Um die Wende noch zu schaffen und den drohenden Abstieg zu verhindern, startete Energie als eine der ersten Mannschaften in das neue Jahr. Mit dabei war auch der erste Neuzugang Sven Michel. Der 23-Jährige Mittelfeldspieler spielte zuletzt beim Regionalliga-Team aus Mönchengladbach. Wenig später wurde die Verpflichtung eines weiteren Offensivspielers bekannt. Mathias Fetsch kommt auf Leihbasis vom FC Augsburg. Der Vertrag des 25-Jährigen läuft bis zum Ende der Saison. Nicht mehr dabei war Marc-Andre Kruska. Nach viereinhalb Jahren zieht es den defensiven Mittelfeldspieler zum FSV Frankfurt. An den ersten Trainingstagen setzte Trainer Schmidt den Schwerpunkt auf die Fitness.

Trainingslager in Belek, Türkei

Vor der Abreise in das zehntägige Trainingslager in Belek, gab der Verein zwei weitere Neuzugänge bekannt. Fanol Perdedaj und Ahmed Madouni sollen die Defensive stärken. Der 22-Jährige Perdedaj wurde bei Hertha BSC ausgebildet und kam unter Otto Rehhagel zu acht Bundesligaeinsätzen. Madouni spielte für Leverkusen, Dortmund und Union Berlin. Zuletzt war der Innenverteidiger mit marokkanischen Wurzeln vereinslos. „Fanol Perdedaj und Ahmed Madouni identifizieren sich mit unserer schwierigen Situation, bringen sowohl die notwendigen charakterlichen als auch fußballerischen Eigenschaften mit um unserer Mannschaft helfen zu können“, erklärte Schmidt gegenüber energie.de. Am 17. Januar reiste Cottbus ins Trainingslager nach Belek. Der Kader, mit dem Schmidt arbeitete, umfasste 22 Feldspieler und vier Torhüter. Nicht mit dabei: John Jairo Mosquera und Markus Brzenska.

Bereits am ersten Tag in Belek hatte Schmidt eine Überraschung für die Profis. Wer sich im Flieger schon mit seinem Zimmerpartner zusammenfand, konnte sich sehr schnell von diesem wieder verabschieden. Die Zimmer wurden ausgelost um den Teamgeist weiter zu fördern. Energie residierte im Fünf-Sterne-Hotel Titanic Deluxe. Der Name des Hotels steht für die Situation, in der sich Energie befindet. Die einzige Frage: Gehen sie unter oder schaffen sie den Sprung in die Rettungsboote? Die Rahmenbedingungen waren jedenfalls erstklassig. Dementsprechend gut war auch die Stimmung innerhalb der Mannschaft. Eine solche Stimmung sei nicht selbstverständlich, sei aber Grundlage dafür, Erfolg miteinander zu haben, sagte Neuzugang Fetsch der Lausitzer Rundschau.

Testspielerfolge geben Selbstvertrauen

Innerhalb des Trainingslagers absolvierten die Lausitzer zwei Testspiele.  Erster Testspielgegner war der österreichische Erstligist Wolfsberger AC. Robert Almer und 19 Feldspieler kamen bei diesem Test zum Einsatz. Neuzugang Ahmed Madouni durfte von Beginn an auflaufen. Cottbus enttäuschte in Halbzeit 45 Minuten, drehte das Spiel nach Rückstand aber noch zu einem 3:1. Das zweite Testspiel gegen Cracovia Krakow fand unter widrigen Bedingungen statt. Starkregen sorgte für einen vorzeitigen Spielabbruch in der 57. Minute. Zu diesem Zeitpunkt führte Energie bereits 5:0 und konnte damit genug Selbstvertrauen tanken. Die Mannschaft habe in beiden Testspielen so gespielt wie sie es sich vorgenommen hat, sagte Schmidt der Lausitzer Rundschau. Während des Trainingslagers wurde auch ein neuer Mannschaftsrat gewählt. In einer geheimen Briefwahl ließ Schmidt die fünf Mitglieder bestimmen. Uwe Möhrle erhielt die meisten Stimmen und bleibt weiterhin Kapitän. Steffen Bohl, der erst im November zu Cottbus kam, stieg zum Vizekapitän auf. Auch Robert Almer, Julian Börner und Michael Schulze gehören der Interessenvertretung an. Ivica Banovic fiel aus diesem Rat heraus. Stephan Schmidt resümierte gegenüber energie.de, dass die Mannschaft in allen Belangen Fortschritte gemacht habe. Alle seien zuversichtlich und glauben an ihre Chance, die Klasse zu halten.

„Wir kriegen die Kurve“

Die Aussichten für das Team stehen dagegen denkbar schlecht. Acht Punkte Rückstand muss die Mannschaft aufholen. „Wir kriegen die Kurve“ heißt das Motto, welches der Verein und die Stadt ausgerufen haben. Ein Banner in der Innenstadt soll das bekräftigen. Die Entscheidung darüber könnte schon in den ersten drei Spielen fallen. Die Gegner heißen Sandhausen (H), Aalen (A) und Aue (H). Gestalten die Lausitzer die drei Spiele erfolgreich, könnten sie wirklich noch die Kurve kriegen. Schafft es die Mannschaft nicht, die individuellen Fehler abzustellen, kann wohl frühzeitig der Gang in die dritte Liga geplant werden. Ob dann Stephan Schmidt noch zur Verfügung steht, darf mehr als bezweifelt werden. Im Umfeld konnte der Trainer nie überzeugen. Misslingt der Auftakt, müsste wohl auch er seinen Stuhl frühzeitig räumen. Vor allem die individuellen Fehler, die immer wieder zu Gegentoren führten, müssen abgestellt werden. Des Weiteren muss Boubacar Sanogo seine Treffsicherheit wieder finden. Der Ivorer hat zwar bereits sechs Saisontore auf dem Konto, traf aber seit dem vierten Spieltag nicht mehr. Der Kader hat durchaus Potenzial in einen Lauf zu kommen und den Klassenerhalt noch zu schaffen. Die Frage, ob die Mannschaft noch rechtzeitig in die Rettungsboote kommt, oder das Schiff bereits gesunken ist, könnte schon früh geklärt werden. Das letzte Testspiel bestreiten die Cottbusser am heutigen Freitag gegen den polnischen Erstligisten Miedz Legnica.

 

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