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Beierlorzer im Interview: "Werden in jedem Spiel der Underdog sein"

© imago/Fink

Im Interview mit liga2-online.de spricht Jahn-Trainer Achim Beierlorzer über die Vorbereitung, weitere Neuzugänge und über die Stärken seiner Mannschaft.

 

liga2-online.de: Hallo Herr Beierlorzer. Wie schwer ist der Weg von Leipzig nach Regensburg, wenn man vor allem die infrastrukturellen Verhältnisse betrachtet? Dazwischen liegen ja Welten.

Achim Beierlorzer: Es war mir von vornherein klar, dass der Jahn nicht mit Leipzig zu vergleichen ist, ich hatte mir ja im Zuge unserer Gespräche alles angesehen. Es geht darum die Dinge anzunehmen wie sie sind und das Beste daraus zu machen. Wir haben hier auf jeden Fall alle Voraussetzungen um richtig gut mit der Mannschaft arbeiten zu können und das ist wichtig für mich.

Was ist Ihnen als erstes bei Ihrer neuen Mannschaft aufgefallen?

Der tolle Teamspirit und die mannschaftliche Geschlossenheit. Die Mannschaft funktioniert eigenständig und weiß was wichtig ist, um gut zusammenzuarbeiten. Die Jungs haben ihre eigenen Regeln in der Kabine, da muss ich als Trainer nicht groß eingreifen. Das ist wirklich bemerkenswert.

Wie zufrieden sind sie mit der Vorbereitung? Haben alle mitgezogen? Gab es größere Verletzungen?

Ich bin sehr zufrieden, denn jeder hat sich vollkommen eingebracht und die Arbeit mit der Mannschaft hat mir persönlich sehr viel Spaß gemacht. Die letzten Testspiele haben ja auch gezeigt, dass es eine runde Vorbereitung war. Zwischendurch gab es ganz bewusst auch Höhen und Tiefen – das hing mit der Intensität zusammen, die wir im Training gefahren haben. Mit dem vergangenen Testspielwochenende waren wir sehr zufrieden, das hat gezeigt wozu die Mannschaft im Stande ist. Zum Glück sind wir auch ohne große Verletzungen durchgekommen. Nietfeld, Lerch und Kopp laborieren an kleineren Blessuren, Oli Hein konnte noch nicht mittrainieren und fehlt uns noch länger und Johannes Stingl hat sich am Knie verletzt.

Welchen Eindruck haben Sie von den Neuzugängen?

Sie haben unseren Eindruck allesamt bestätigt und zeigen sich im Training und in den Testspielen. Sie fordern ihre Positionen in der Mannschaft. Das gefällt mir sehr gut.

Viele Fans machen sich erneut Sorgen, dass der Kader nicht für die neue Liga reichen könnte, weil die Mannschaft nicht mit erfahrenen Zweitliga-Spielern ergänzt wurde. Was können Sie zu deren Beruhigung sagen?

Ich kann nur sagen, dass wir im Verein großes Vertrauen in diese Mannschaft haben. Alle müssen zusammenhalten. Mit unserem Teamspirit und der Unterstützung der Fans können wir unser Saisonziel erreichen.

Außer Kolja Pusch und Erik Thommy ist die Stammelf zusammengeblieben. Diese Kontinuität war schon vergangene Saison ein Vorteil – auch in der kommenden?

Das ist auf jeden Fall ein Riesenpfund, das wir haben. Wir können auf die mannschaftliche Geschlossenheit und eingespielte Automatismen zurückgreifen. Darauf legen wir auch weiterhin wert. Außerdem wurden ja Neuzugänge verpflichtet, die in die Bresche springen werden.

Wie steht es bei der Causa Erik Thommy?

Prinzipiell sind wir jetzt so aufgestellt, dass wir abwarten können um eine noch fehlende Position in der Offensive zu besetzen. Natürlich werden wir Erik und seine Entwicklung in Augsburg weiterhin intensiv beobachten. Wenn es für den Jahn eine Möglichkeit gibt ihn zu verpflichten, werden wir alles versuchen um das auch zu machen.

Wer übernimmt das Kapitänsamt von Markus Palionis?

Wir haben vereinbart, dass ich der Mannschaft die Entscheidung im Laufe der Woche mitteilen werde. Vorher möchte ich mich dazu nicht öffentlich äußern. Das Team hat im Trainingslager den Manschaftsrat gewählt. Zu dem gehören Oli Hein, Sebastian Nachreiner, Marco Grüttner, Philipp Pentke und Andi Geipl. Aus dieser Gruppe heraus werde ich den Kapitän bestimmen. Wir haben aber auch über diesen Kreis hinaus Führungsspieler, die Verantwortung übernehmen, unabhängig davon wer letztlich die Kapitänsbinde trägt.

Sie haben ja schon einen Zweitligisten als Cheftrainer betreut: Wie stark ist die 2. Bundesliga? Worauf kommt es, vielleicht auch im Gegensatz zur 3. Liga, an?

Die 2. Liga ist in diesem Jahr extrem ausgeglichen. Sie ist von einer sehr körper- und kampfbetonten Spielweise geprägt, die Partien werden sehr intensiv. Viele dieser Abnutzungskämpfe werden durch das Momentum entschieden. Die Mannschaft, der es gelingt sich einen Vorteil zu verschaffen kann dann wieder defensiv orientiert ins Konterspiel gehen. Wir müssen mit unserer Art Fußball zu spielen das Momentum möglichst oft auf unsere Seite ziehen.

Manche Leute sagen, dass zwischen den Spitzenklubs der 3. Liga und dem unteren Drittel der 2. Bundesliga kein großer Unterschied besteht. Würden Sie dem zustimmen?

Das kann man auf ein oder zwei Spiele vielleicht so sehen, über eine ganze Saison gesehen ist der Schritt von der dritten in die zweite Liga aber schon groß. Es wird enger, schneller, einfach intensiver. Zudem ist die Qualität der Einzelspieler natürlich höher.

In der Relegation gegen 1860 siegte die besser funktionierende Mannschaft gegen die individuell besseren Fußballspieler. Ist der Faktor „mannschaftliche Geschlossenheit" auch in der Saison gewichtig?

Natürlich, auf diesen Faktor bauen wir weiterhin.

Wo liegen die Stärken ihrer Mannschaft?

Neben der mannschaftlichen Geschlossenheit in der Mentalität unserer Spieler, in der Art und Weise wie wir in die Zweikämpfe gehen, auch als Mannschaft. Wir spielen leidenschaftlichen Fußball, das ist unsere große Stärke. Außerdem haben auch wir eine individuelle Klasse, die wir nicht unter den Tisch kehren wollen. Das hat man auch am Wochenende wieder gesehen.

Wo müssen Sie personell noch nachbessern?

Ich bin momentan wirklich sehr zufrieden. Im Grunde ist das jetzt die Mannschaft, die sich der Jahn durch zwei Aufstiege zusammengestellt hat – und die ist sehr gut. Es gibt keine Positionen, auf denen ich extremen Handlungsbedarf sehe, aber natürlich können und wollen wir uns noch verstärken. Klar ist, dass wir noch einen dritten Torwart und einen Offensivspieler dazuholen werden.

Am Samstag startet der Jahn bei Arminia Bielefeld in die neue Saison – was ist, wenige Tage vorher, Ihr Gefühl?

Bei mir ist die Vorfreude auf den Auftakt in Bielefeld groß und so nehme ich auch die Mannschaft wahr. Wir sind gut vorbereitet und wissen was wir können. Es ist natürlich klar, dass uns dort eine schwere Aufgabe erwartet. Wir werden in jedem Spiel der Underdog sein, wollen die Partien aber genießen und dabei immer mit allem was wir haben um die drei Punkte kämpfen.

Haben Sie eine Stammelf schon im Kopf? Oder ist zumindest schon die eine oder andere Position besetzt?

Ich möchte über die Aufstellungen vorweg gar nichts sagen. Die beiden Testspiele am Wochenende haben gezeigt, dass es viele Alternativen gibt. Es warten schwere Entscheidungen auf mich. Ich möchte mir die Zeit lassen und werde die Mannschaft erst am Wochenende bekanntgeben.

Ist das Spiel eventuell schon aussagekräftig, da Bielefeld, wie die Jahnelf, zu den möglichen Abstiegskandidaten zählt und somit ein direkter Konkurrent im Kampf um den Klassenerhalt ist? Als Standortbestimmung?

Ganz klar ist doch, dass ein erstes Spiel in einer Saison noch keine Standortbestimmung sein kann. Für uns geht es aber schon darum in den ersten Wochen richtig in diese Liga reinzukommen. Dafür müssen wir uns auf das fokussieren, was wir können. Mannschaften wie Bielefeld von Beginn an in den Abstiegskampf zu heften finde ich aber im Übrigen sehr gewagt.

Warum schafft Jahn Regensburg erstmals in seiner Geschichte sportlich den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga?

Weil es im Gegensatz zu den anderen Malen gelungen ist die Mannschaft zusammenzuhalten. Die Truppe funktioniert und ist intakt. Das ist ein großes Plus.