Das Hinrundenzeugnis #2: Die obere Tabellenhälfte

Die Hinrunde der Zweitliga-Saison 2023/24 ist beendet. Nach 17 Spielen in 144 Tagen steht nun die einmonatige Winterpause an. Zeit, um den bisherigen Verlauf der Spielzeit noch einmal unter die Lupe zu nehmen. liga2-online.de analysiert die Ausgangslage aller 18 Vereine kurz und knackig – und stellt am Ende des Hinrunden-Zeugnisses auch eine Note aus. Im zweiten Teil folgen die Plätze 9 bis 1.

Wenig Erfolg zu Saisonbeginn und dicke Patzer kurz vor der Winterpause - aber dazwischen passte fast alles für das Team von der Kaiserlinde. Die SV Elversberg spielt sich nahezu ungefährdet durch die neue Spielzeit, was den amtierenden Drittliga-Meister sogar zum Abschluss der Hinrunde in der oberen Tabellenhälfte verweilen lässt. Viel haben Horst Steffen und seine Mannschaft daher als Aufsteiger nicht falsch gemacht. Mit Stolz werden die Saarländer auf Siege gegen den Hamburger SV (2:1) und Schalke 04 (2:1) zurückblicken. Doch zurücklehnen darf sich die SVE nicht, wie die letzten Partien zeigten. Dreimal in Folge ging die Steffen-Elf als Verlierer vom Platz, was definitiv als Schuss vor den Bug zu verstehen ist.

Note: 2

 


Vor sechs Wochen feierte Hannover 96 den Derbysieg gegen Eintracht Braunschweig (2:0), der die Elf von Stefan Leitl auf den dritten Platz hob. Bessere Vorzeichen für die ambitionierten Niedersachsen gab es lange nicht mehr, doch seitdem warten die Roten auf einen neuerlichen Erfolg. Fünf Spiele in Serie ohne Sieg haben die gute Stimmung der Hinrunde getrübt, denn Hannover scheint dann doch wieder der letzte Punch zu fehlen. Eine 0:3-Niederlage gegen Holstein Kiel zeigte am 17. Spieltag in aller Klarheit auf, wo noch die Unterschiede zwischen en Mannschaften lagen. Die 96er blicken auf eine solide Halbserie mit einem guten Team zurück, das sich jedoch weiter festigen muss, um höhere Aufgaben anzuvisieren.

Note: 3

 


Der gesunde Realismus von Pal Dardai ist erfrischend für Hertha BSC. In seiner dritten Amtszeit hat der 47-jährige Ungare den kriselnden Hauptstadtklub wieder stabilisiert. Gerade nach einem katastrophalen Start war für die Herthaner wichtig, zu wissen, auf welche Leute der Bundesliga-Absteiger wirklich setzen konnte. Da ist Dardai unverblümt - wie beispielhaft im Falle von Myziane Maolida -, den Riegel vor weitere Einsätze zu schieben, wenn ihm die Einstellung nicht gefällt. Belohnt werden Spieler wie Jonjoe Kenny, der sich trotz Abwanderungsgedanken im Sommer nun wieder voll reinhängt, oder Internet-Star Nader El-Jindaoui, der laut Dardai "für sein Leben trainiert". Hertha hat wieder Teamgeist - und steht in der Formtabelle, seit der Transfermarkt geschlossen war, auf dem fünften Rang.

Note: 3

 


No Kruse, no Party? Der Transfer von Ex-Nationalspieler Max Kruse stellte sich als Missverständnis für die Paderborner heraus, doch menschlich habe er seine Spuren bei Cheftrainer Lukas Kwasniok hinterlassen. Der wiederum hat auch ohne Kruse die richtigen Schlüsse aus dem Saisonverlauf gezogen und seine Mannschaft in die obere Tabellenhälfte geführt. Was dem Coach in der zwischenzeitlichen Misere half? Etwas überraschend verlängerte der Verein mit dem Cheftrainer, der sich aufgrund der Leistungen in seiner Wortwahl schon gerne mal deutlich ausdrückt. Doch das Vertrauen in Kwasniok ist groß - und gerechtfertigt, wie drei Siege in Folge vor der Winterpause zeigten. Die freie Hand des Cheftrainers hilft Paderborn in der Entwicklung.

Note: 2-

 


Ein 1:1-Remis im Frankenderby gegen Nürnberg stürzte die Fürther nach dem 6. Spieltag auf den Abstiegs-Relegationsplatz. Doch auch Alexander Zorniger versteht sein Fach, wie der Cheftrainer der Kleeblätter in den darauffolgenden Wochen und Monaten zeigte. Fünf Siege in Serie wurden vor der Winterpause nur durch zwei Unentschieden gegen Magdeburg (1:1) und Schalke (2:2) durchkreuzt. Trotz dieser Ergebnisse ist längst klar, dass sich die talentierte Mannschaft vom Fürther Ronhof zu einem Geheimkandidaten in der Spitzengruppe gemausert hat. Nicht zuletzt wegen der starken Defensive: Torhüter Jonas Urbig sammelte acht Weiße Westen, was zugleich 50 Prozent seiner Spiele ausmacht. So blickt Fürth gerne auf eine Hinrunde zurück.

Note: 2+

 


Fortuna Düsseldorf scheint sich in dieser Saison selbst der größte Gegner zu sein. Die Rheinländer zeigen auf dem Rasen sehr viel, scheitern dann aber auch immer wieder mal an sich selbst. So gab es zuletzt Highlights gegen Schalke (5:3) oder Nürnberg (5:0), aber auch knappe und umso umjubeltere Siege wie zweimal gegen Magdeburg im Pokal (2:1) und der Liga (3:2). Und dann folgen gerne mal Ausrutscher gegen Wiesbaden (1:3) - oder Niederlagen gegen direkte Konkurrenten wie Hamburg, Fürth oder Kiel. Und zwar allesamt mit 0:1. Obwohl Düsseldorf nach wie vor mit dem kleinsten Kader der Liga antritt - und schon mehrfach Nachwuchsspieler in den Zweitliga-Alltag integriert hat - stimmt die Mischung im Rheinland. Mit höherer Konstanz bleibt Fortuna im Rennen.

Note: 2

 


In den kommenden Tagen steht die große Analyse der Hinrunde an. Cheftrainer Tim Walter steht zur Debatte - dem wird sich offenbar auch Sportvorstand Jonas Boldt stellen müssen. Die Frage ist, ob dem Fußballlehrer im dritten Anlauf noch der große Sprung zugetraut wird, um den HSV dorthin zu bringen, dass er im sechsten Zweitliga-Jahr aufsteigt. Oder ob ein anderer Kandidat bessere Chancen hätte. Fakt ist, dass die Elbestädter die zweitbeste Hinrunde unter Walter gespielt haben. Dass das Spiel der Hamburger dabei zeitweise zu ausrechenbar erscheint, ist ein offenes Geheimnis. Zu abhängig ist der HSV zudem in der Offensive von Robert Glatzel und Laszlo Benes, dahinter wird es eng. Sollte Walter die Chance bekommen, könnte er ein breiteres Spektrum in mehrfacher Hinsicht gebrauchen.

Note: 2-

 


Die Kiezkicker meckern über den zweiten Tabellenplatz auf hohem Niveau, denn als einziges Team der Liga blieb der FC St. Pauli in der kompletten Hinrunde ohne Niederlage. Acht Siege stehen zugleich aber neun Unentschieden gegenüber, weshalb die Zufriedenheit am Millerntor nicht so hoch ist, wie sie sein könnte. Nachdem die Hamburger zuletzt gar vier von fünf Spielen nur mit einem Remis beendeten, war schon von einem Identitätsverlust die Rede. Hinzu kommt, dass Cheftrainer Fabian Hürzeler aufgrund seiner Arbeit längst höherklassig umworben wird - genauso wie auch Top-Scorer Marcel Hartel. Fällt die Ungewissheit auf die Mannschaft zurück? Das Vorausliegende dürfte dem DFB-Pokal-Viertelfinalisten wohl mehr Kopfzerbrechen bereiten, als das Zurückliegende - denn St. Pauli gilt nach wie vor als Favorit auf den Aufstieg.

Note: 1-

 


Von der Wundertüte zum Tabellenführer - vor der Saison war für viele Beobachter des deutschen Unterhauses nicht absehbar, wohin die Reise der Kieler Störche gehen würde. Mit Alexander Mühling, Hauke Wahl, Stefan Thesker oder Fin Bartels wurden Identifikationsfiguren und Leistungsträger abgegeben. Doch auf dem Transfermarkt bewies der scheidende Sportchef Uwe Stöver ein gutes Näschchen für junge, hungrige Talente. Und Cheftrainer Marcel Rapp formte daraus - durchaus überraschend - eine Top-Mannschaft. Mit fünf Siegen in Folge belohnte sich Kiel vor der Winterpause mit der Herbstmeisterschaft - und von der erfuhr der Cheftrainer ausgerechnet auf dem Weihnachtsmarkt nahe dem Millerntor. Äußerst treffend kommentierte Rapp die Ausgangslage der Kieler: "Das ist ja der Wahnsinn!"

Note: 1+

 

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