Die Auer Abwehr: Der unerwartete Schwachpunkt

In der letzten Saison war sie das gefürchtete Bollwerk. Die Abwehr der Veilchen bekam in der letzten Spielzeit in der 3. Liga nur 21 Gegentore, ein neuer Rekord. Vor allem zuhause im Lößnitztal hielt man den Laden dicht, nur vier Gegentore kassierte man in 19 Spielen, auch ein neuer Rekord. Von dieser Stärke ist eine Etage weiter oben jedoch nicht mehr viel zu sehen, obwohl man alle Leistungsträger halten konnte, ist ausgerechnet die Abwehr das große Sorgenkind im Erzgebirge - eine Analyse.

Schon 23 Gegentore

Bereits 23 Mal schlug es im Auer Gehäuse bisher ein, nur zweimal spielte man zu null, auch die Heimstärke verflog. Die Gründe für diese Misere sind vielschichtig. Aue spielt eine Liga höher und naturgemäß hat man es mit besseren Gegenspielern zu tun, Fehler werden eher bestraft, gegen 1860 saßen alle sechs Torschüsse. Auch die neue Spielweise kommt den Abwehrpersonal nicht zugute, in der 3. Liga spielte Aue Ballbesitzfußball und drängte die Gegnermannschaft tief in deren Hälfte, die Abwehr agierte zum großen Teil auf Höhe der Mittellinie und musste zumeist nur lange Bälle verteidigen. Vor allem in Drucksituationen wirkt das Auer Personal wenig sattelfest, bei starken Pressing des Gegners und Überzahlaktionen passieren zu viele individuelle Fehler. Hinzu kommt die mangelnde Erfahrung, für die meisten ist das Unterhaus Neuland und auch das Verletzungspech macht den Veilchen zu schaffen.

Steve Breitkreuz

Der gebürtige Berliner kam im Sommer vor einem Jahr aus der Regionalliga nach Aue. Davor hatte er neun Jahre bei der Hertha gekickt, den Sprung in die erste Mannschaft hatte er jedoch nicht geschafft, im Erzgebirge gelang ihm auf Anhieb der Sprung in die Startelf und er entwickelte sich schnell zum Abwehrchef. Neben seiner Kopfball- und Zweikampfstärke kann Breitkreuz auch Offensiv Akzente setzen, gegen St. Pauli gelang ihm sein erster Treffer in der 2. Bundesliga. Doch auch er hat noch sichtliche Schwierigkeiten im Unterhaus, verursachte schon zwei Elfmeter und kann noch keine Ruhe und Sicherheit in die Abwehr bringen.

Julian Riedel

Riedel stammt aus der Jugendakademie von Bayer Leverkusen und spielte bereits in Münster unter Aue-Trainer Dotchev. Im letzten Jahr fungierte Riedel mehr als Lückenfüller und kam auf jeder Position in der Viererkette zum Einsatz, im Sommer konnte er sich einen Stammplatz im Abwehrzentrum erkämpfen. Doch auch er hat noch große Probleme vor allem im Stellungsspiel und in der Rückwärtsbewegung. Bisher konnte er nur phasenweise überzeugen, ihm fehlt vor allem die Konstanz, an guten Tagen kann er mit Breitkreuz den Laden hinten dichtmachen.

Calogero Rizzuto

Der Deutsch-Italiener kam ebenfalls aus der Regionalliga nach Aue und auch er war von Anfang an als Rechter Außerverteidiger gesetzt. Viele Zweikampfsituationen löst er mit seiner technischen Finesse, auch offensiv macht der 24-Jährige viel Betrieb. Von allen Stammkräften in der Abwehr hat er sich bisher am besten in der 2. Liga zurechtgefunden. Großes Manko ist allenfalls seine Kopfballschwäche, verletzungsbedingt fehlte er Aue bereits fünf Spiele, in der Zeit wurde er von Kaufmann und Kalig vertreten.

Sebastian Hertner

Der einzige Stammspieler, der schon Erfahrung im Unterhaus vorzuweisen hat und schon für Aue in der 2. Liga zum Einsatz kam. Als Linker Außenverteidiger spielt der 25-Jährige eher konservativ, verteilt die Bälle von hinten heraus und kommt selten einmal mit nach vorne. Defensiv spielte er in Liga 3 solide, jedoch leistete er sich in der neuen Saison schon des Öfteren Fehler, die zu Gegentoren führten. Auch mangels Alternativen hält Trainer Dotchev an ihm fest, allerhöchstens Julian Riedel könnte seine Position bespielen. Offensiv muss Hertner deutlich zulegen, jedoch fehlt Aue der Sturmtank, der seine hohen Flanken verarbeiten könnte.

Florian Kalig

Der Neuzugang in der Abwehr kam bisher nur zweimal zum Einsatz und konnte dabei überzeugen, jedoch endeten beide Partien mit hohen Niederlagen. Der gelernte Innenverteidiger kam aus der Mainzer U23 nach Aue.

Adam Susac

Susac war der kongeniale Partner von Breitkreuz in der Vorsaison und wirkte als absoluter Ruhepol in der Hintermannschaft, keine Fehler und keine große Hektik zeichneten den Kroaten aus. Auch er sammelte schon Zweitliga-Erfahrung in Dresden, doch seinen Stammplatz verlor er im Sommer überraschend an Riedel. Bisher kam er erst einmal zum Einsatz, Dotchev hält an seiner Aufstellung fest, zum Unmut einiger Fans, angesichts der zum Teil desolaten Abwehrleistung. Doch auch der Bulgare muss Susac eine Chance geben, wenn die Abwehr nicht stabiler wird.

Fazit

Erfahrung ist nicht sofort da, sie wächst und braucht ihre Zeit. Es war von Anfang an klar, dass es schwerer wird in der 2. Liga, doch Aue hat junge, entwicklungsfähige Verteidiger. Es dauert noch, bis diese Vierkette ihr volles Potenzial ausschöpfen kann. Dennoch ist im Erzgebirge der Klassenerhalt am wichtigsten und sollte man die Probleme und Ergebnisse nicht in den Griff bekommen, so muss man personell im Winter nachlegen, wenn die Abwehr immer noch die große Schwachstelle der Mannschaft ist.

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