Erzgebirge Aue: Schlammschlacht auf der Mitgliederversammlung
Erregte Gemüter im Erzgebirge, die jährliche Mitgliederversammlung endete in einer hitzigen Diskussion, bei der sich beide Seiten Luft verschafften. Die seit Monaten aufgeladene Stimmung zwischen den Verantwortlichen des Vereins und den Sponsoren und Mitgliedern entlud sich im eigenen VIP-Zelt. Im Mittelpunkt standen die Gebrüder Leonhardt und der entlassene Sportdirektor.
Verein steht wirtschaftlich solide da
Dass die dritte Liga den Verein tief in die roten Zahlen bringen würde, war zu erwarten. Im Sommer 2015 musste ein komplett neuer Kader zusammengestellt werden, der Etat wurde auf die Hälfte gekürzt. Harte Einschnitte waren nötig, doch dank dem Engagement der Fans und Sponsoren und dem sportlichen Erfolg der Mannschaft im DFB-Pokal hielt sich der wirtschaftliche Schaden in Grenzen. 588.000 Euro Minus stehen nach dem Geschäftsjahr zu Buche, Hauptgrund dafür waren die Aufstiegsprämien in Höhe von 900.000 Euro, die der Verein vor der Saison nicht eingeplant hatte. In dieser Saison rechnet man mit einem Gewinn von 160.000 Euro. Damit war aber schon der angenehme Teil der Mitgliederversammlung beendet.
Personalie Ziffert lässt den Verein nicht los
Im Sommer wurde Sportdirektor Steffen Ziffert überraschend von Präsident Helge Leonhardt entlassen. Niemand hatte zu diesem Zeitpunkt damit gerechnet, Ziffert hatte eine erfolgreiche Mannschaft auf die Beine gestellt, seine Entlassung sorgte für großen Wirbel unter den Fans, Mitgliedern und Sponsoren. Der Verein schwieg über die Hintergründe, der Förderverein des FCE meldete sich, in Person von seines Vorsitzenden Manfred Jahn, in einem offenen Brief zu Wort und kritisierte scharf die Entscheidung der Vereinsführung. Präsident Leonhardt schlug die Kritik beiseite und unterstellte Jahn bewusst vereinsschädigend zu handeln. Auch die aktive Fanszene in Aue schlug sich auf die Seite Zifferts und kritisierte offen das Verhalten des Vereins. In den kommenden Monaten kam der Verein nicht zur Ruhe, die vom Präsidium mitverpflichteten Neuzugänge schlugen nicht ein, sportlich ging es bergab. Aue belegt Tabellenplatz 17, die Mannschaft kämpft um den Klassenerhalt. Auf der Mitgliederversammlung war der Ex-Sportdirektor auch anwesend.
Die Gebrüder Leonhardt und der FC Erzgebirge
Seit fast 25 Jahren sind die die Zwillingsbrüder Leonhardt fest mit dem Verein verbunden. Uwe Leonhardt war von 1992 bis 2009 Präsident, Helge Leonhardt leitet seit zwei Jahren die Geschicke beim FC Erzgebirge. Die Beiden haben einen großen Anteil am Erfolg im Lößnitztal, unter ihnen stieg der Verein erstmals in die 2. Bundesliga auf, unter wurde das neue Stadionprojekt auf den Weg gebracht. Wirtschaftlich geht es dem Verein gut, ein weiterer Verdienst der Geschäftsmänner.
Schlammschlacht statt konstruktiver Diskussion
Beim Rechenschaftsbericht des Präsidiums bedankte sich Helge Leonhardt bei Pavel Dotchev und seinem Trainerteam, Steffen Ziffert erwähnte er mit keinem Wort, damit goss er noch mehr Öl ins Feuer. Es hatte sich in den letzten Monaten jedoch zu viel aufgestaut, als der 5. Tagesordnungspunkt an der Reihe war, machten viele Mitglieder und Sponsoren ihren Ärger Luft. Kritisiert wurde vor allem die mangelhafte Unterstützung der Jugendabteilung, der Führungsstil des Präsidiums, die Außendarstellung und fehlende sportliche Kompetenz der Führungsebene. Wichtige Problemzonen die der Verein unbedingt in den Griff bekommen muss. Doch die Art und Weise der Diskussionsrunde zeigte wie breit und tief der Spalt zwischen Verein und Basis ist. Neben vielen konstruktiven Kritiken u.a. von Manfred Jahn, setzte Förderkreismitglied Stephan Schubert den negativen Höhepunkt des Abends, er warf den Leonhardts Lügen, Vetternwirtschaft und einen autoritären Führungsstil vor. Mit seinen Aussagen zielte Schubert deutlich unter die Gürtellinie, attackierte damit auch Spieler Sebastian Hertner und Co-Trainer Robin Lenk, die beide mit Töchtern der Leonhardts liiert sind. Uwe Leonhardt, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates schlug verbal zurück, verwies auf die vielen Jahre, die er und sein Bruder für den Verein geopfert haben und auf die kompetenten Mitglieder, die im Vorstand und Aufsichtsrat sitzen. Erzürnt bot er an, dass sich die Familie Leonhardt sofort aus dem Verein zurückziehen kann. Doch auch Ex-Präsident Lothar Lässig kritisierte die Brüder und sagte, sie hätten die Insolvenz des Vereins einst billigend in Kauf genommen, seien einst nicht zum Krisentreffen erschienen. Gleichzeitig appellierte Lässig jedoch auch an alle Beteiligten zur Zusammenarbeit, nur so könne man etwas erreichen.
Gespaltener Kumpelverein
Die Mitgliederversammlung offenbarte, wie sehr es schon seit Monaten hinter den Kulissen brodelt. Die Sponsoren, Mitglieder und aktiven Fans nutzten die Gelegenheit um ihren Unmut freien Lauf zu lassen, wollten, dass ihre Kritik endlich beim Verein Gehör findet. Doch die Geschäftsführung des FC Erzgebirge Aue unter Präsident Helge Leonhardt zeigte sich nicht kompromissbereit, auch aufgrund eines Beitrags mit persönlichen Anfeindungen. Die verbalen Auseinandersetzungen bedrückten Helge Leonhardt, er lässt sich bis Dienstag Zeit, ob er weiter im Amt bleibt. Trotz der soliden wirtschaftlichen Lage, den Aufstieg ins deutsche Unterhaus und dem Stadionneubau ist der Verein seit diesem Sommer tief gespalten, ohne Gespräche auf Augenhöhe, ohne sachlichen Konsens wird man die Probleme im und um den Verein nicht optimal lösen können.