HSV-Coach Walter biegt die Wirklichkeit: "Druck ist ein Privileg“
Verlieren verboten: Nach den "Wochen zum Vergessen“ steht der Hamburger SV im Endspurt um den Bundesliga-Aufstieg mit dem Rücken zur Wand. Gegen den SC Paderborn könnte für die Rothosen am Samstag alles andere als die Rückkehr in die Erfolgsspur nach schon vier Spielen ohne Sieg wieder einmal schon das vorzeitige Ende aller Erstliga-Träume bedeuten.
Blumige Walter-Visionen treffen auf Zweitliga-Realität
Trainer Tim Walter redetet sein Team den auch für das wegweisende Duell mit den Ostwestfalen stark und bastelte seinen Spielern und auch dem Anhang aus der unbequemen Jägerrolle eine ganz spezielle Wirklichkeit. "Mit dem steigenden Druck“, sagte Walter auf der Spieltagspressekonferenz also, "können wir umgehen, denn Druck ist ein Privileg. Nur wer in der Position ist, Dinge erreichen zu können, hat den Druck, den wir uns somit hart erarbeitet haben.“
In der Zweitliga-Wirklichkeit ist der HSV allerdings erst durch unzureichende Leistungen statt harter Arbeit so massiv unter Zugzwang geraten. Durch zuletzt nur zwei Punkte aus den vergangenen Auftritten ist für die Norddeutschen der Druck auf Platz sechs ein ganz anderer als für die Teams an der Tabellenspitze. Bei sechs Punkten Rückstand alleine auf den Aufstiegsrelegationsrang und sogar neun Zählern hinter den beiden Aufstiegsplätzen darf sich Walters Mannschaft mutmaßlich keinen einzigen Ausrutscher mehr leisten, um die Rückkehr ins Oberhaus nicht erneut frühzeitig um mindestens ein Jahr verschieben zu müssen.
Umso naschdrücklicher macht Walter für die Begegnung mit Paderborn aus der Not eine Tugend und blendet die frustrierende Tabellenkonstellation aus. "Für uns geht es nur um den SC Paderborn. Alles andere interessierte uns nicht“, meinte der Coach allen Ernstes.
"Wir glauben an uns“
Immerhin forderte Walte von seinen Spielern die Beendigung der wochenlangen Durststrecke. "Wir haben zuletzt kein gutes Spiel gemacht. Wir wollen schon ein paar Dinge besser machen und wissen, an welchen Stellschrauben wir drehen müssen. Wir wollen wieder mehr Präsenz, mehr Überzeugung und mehr positive Energie auf den Platz bringen als zuletzt. All dies haben wir uns in der Länderspielpause wieder erarbeitet, wir sind zudem physisch auf einem Toplevel und gehen mit breiter Brust in dieses Spiel“, sagte Walter und betonte ausdrücklich: "Wir glauben an uns.“
Zur Unterstreichung seiner Beschwörungsformel kündigte der HSV-Trainer ungeachtet von Paderborns Qualitäten den Versuch einer dominanten Spielweise durch seine Mannschaft an: "Wir sind aber auf alle Eventualitäten vorbereitet. Für uns ist es vor allem wichtig, bei uns zu bleiben und auf uns zu schauen.“