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Kommentar: Die etwas andere Kontinuität des Hamburger SV

© IMAGO / Zink

Der Nächste, bitte! Drei Spieltage vor Schluss entscheidet sich der Hamburger SV wieder einmal für einen Trainerwechsel, weil die Rückkehr in die Bundesliga vor dem Scheitern steht. Eine gewisse Kontinutität im Handeln der Elbstädter ist unverkennbar vorhanden, jedoch sorgt diese schon lange für Hohn und Spott statt für Souveränität. Zumal der Zeitpunkt selten fragwürdiger war. Ein Kommentar.

Ambitionierte Aufholjagd

1993 begeisterte Schauspieler Bill Murray in der Dauerschleifen-Komödie 'Und täglich grüßt das Murmeltier' ein Millionenpublikum. Bis heute wurde das Filmkonzept, einen bestimmten Tag immer und immer wieder zu wiederholen, unzählige Male kopiert. Auch der eigentlich fachfremde Hamburger SV scheint ein Stück von diesem Kuchen zu wollen, denn die Entlassung von Cheftrainer Daniel Thioune am heutigen Montag hat durchaus Potential für die Reihe. Viele Fußball-Fans, darunter auch zahlreiche HSV-Anhänger, kommentieren die Entscheidung auch gerne im gängigen Stil von Miss Sophie: The same procedure as every year.

Die Zweitliga-Vorgänger von Daniel Thioune erlebten den HSV tatsächlich anders, denn sowohl Hannes Wolf wie auch Dieter Hecking durften die Saison nach ihrem jeweiligen Scheitern wenigstens noch bis zum 34. Spieltag zu Ende spielen. Der Ex-Osnabrücker muss nun drei Spiele vor der Abrechnung gehen, weil sich die Elbstädter noch einen letzten Impuls erhoffen. Möglich ist der Aufstieg nämlich noch, wenngleich der HSV bei 52 Punkten schon die volle Ausbeute aus den verbleibenden Spielen brauchen wird. Fürth (57) und Bochum (60) sind dem Ex-Bundesliga-Dino bereits enteilt – und die bangen Blicke gehen nach Kiel (50). Mit dem Nachholspiel am Dienstagabend gegen Sandhausen können die Störche den HSV schon auf den vierten Platz verdrängen, zwei weitere Partien hätten sie danach noch gegenüber den Elbstädtern in der Hinterhand. Selbst der Aufstiegs-Relegationsplatz könnte demnach in weite Ferne rücken.

"Keine Zweifel am Trainer"

Wird die HSV-Aufholjagd jetzt schon vor ihrem Beginn im Keim erstickt? Dazu müssten die Hamburger zunächst einmal ihre eigenen Aufgaben erledigen. Fünf sieglose Spiele in Folge kosteten nun Thioune den Job – und fraglich ist, welche Kohlen Horst Hrubesch nun aus dem Feuer holen soll. Nach den Niederlagen gegen Darmstadt und Sandhausen wurde es im Hamburger Umfeld bereits unruhig, spätestens nach dem Remis gegen Regensburg gab es keinen Rückhalt mehr seitens der Fans. "Ich habe keine Zweifel am Trainer", sagte Sportvorstand Jonas Boldt nach dem 1:1-Unentschieden und reagierte sichtlich gereizt auf die Trainerfrage: "Was haben Sie denn heute gesehen? Eine blutleere Mannschaft?"

Im Sinne von Boldt war natürlich, dass der HSV nach jahrelangem Hin und Her endlich Kontinuität auf der Trainerposition bekommt. Daniel Thioune sollte die Lösung sein – nachdem der Klub seit 2009 bereits 13 Cheftrainer beschäftigte. Doch eine gewisse Kontinuität ist in den Handlungen des HSV dann doch zu erkennen, denn Thioune reiht sich nun als Nummer 14 nahtlos in diese Kette ein. Niemand kann behaupten, dass es dahingehend keine Regelmäßigkeit an der Elbe gäbe.

Neues Team, altes Leid

Wieder einmal stellt sich aber auch die Frage, warum es der Trainer sein muss. Mindestens genauso fraglich ist jedoch, warum der HSV bei drei verschiedenen Übungsleitern zum dritten Mal in Folge in der Rückrunde einbricht. Gerade einmal zehn Akteure stehen unter Vertrag, die bereits 2018/19 in die erste Zweitliga-Saison gingen. Sechs von ihnen kommen in dieser Saison noch auf über 1.000 Einsatzminuten – das Personal wurde also weitestgehend in den letzten Jahren ausgetauscht. Trotzdem klappt es nicht. Eine weitere Personalfrage, die sich vor allem Jonas Boldt jetzt stellen muss. Denn andernfalls wird der HSV wohl noch eine Weile in seiner Dauerschleife steckenbleiben.