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Kommentar: Die Schiele-Entlassung mutet kurios an

imago images / foto2press

David Wagner (Schalke), Achim Beierlorzer (Mainz), Boris Schommer (Lautern), Michael Schiele (Würzburg) – die Trainerstühle in Fußball-Deutschland wackeln brutal. Sind in der Bundesliga noch Versäumnisse der Vorjahres-Analyse oder individuelle Personalstreiks als Grund für die frühe Handlung auf der Trainerposition aufzuführen, so mutet die Entlassung von Aufstiegstrainer Schiele in der 2. Bundesliga schlichtweg nur noch kurios an. Ein Kommentar.

Langes Schweigen statt Verlängerung

Liebe Würzburger, was ist denn jetzt los? Ein Aufsteiger, dem die größten Leistungsträger den Rücken kehrten, entlässt nach zwei Spieltagen und einem knappen DFB-Pokal-Aus den Erfolgstrainer? Um das zu verkaufen, reicht kein Bedauern der "sportlichen Entwicklung in den letzten Wochen" und der Verweis auf eine "professionelle Entscheidung" – denn das Image von Trainer-Ikone Felix Magath prägt sich zunehmend auf einen bis dahin solide wirtschaftenden Aufbauklub des Profi-Fußballs.

Hätte Robert Herrmann den Elfmeter in der Nachspielzeit verwandelt und ein 1:1-Remis gegen Bundesliga-Absteiger Düsseldorf errungen, wäre das Ergebnis dasselbe gewesen? Die Frage stellt sich nicht erst seit heute. Schon seit der Wintervorbereitung zieht sich ein mysteriöses Schweigen durch den Verein, über dem Flyeralarm seine Hand als Hauptsponsor hält. Deren "Global Sports Director" seit dem 20. Januar Magath heißt. Eine Vertragsverlängerung des auslaufenden Arbeitspapiers, von dem sich Schiele exakt einen Monat vorher noch sicher war, gab es danach nicht mehr. Es sprach nicht einmal mehr jemand darüber. Schiele blieb, weil sich sein Kontrakt mit dem sensationellen – aber auch überraschenden – Aufstieg automatisch verlängerte. Das war öffentlich aber nichtmal auf der Aufstiegsparty bis dato bekannt.

Würzburger Image leidet

Die Preisfrage ist wohl, welchen Einfluss der mehrfache Meistertrainer Magath auf diese Entscheidung hat. Mit dem übergreifenden Sportdirektor scheint nämlich der Bruch mit Schiele gekommen zu sein. Dazu konnten Leistungsträger wie Fabio Kaufmann oder Aufstiegstorwart Vincent Müller nicht gehalten werden oder wurden abgegeben. Führungsspieler Sebastian Schuppan beendete die Karriere. Aus dem stabilen Sechsertrio um Gnaase, Rhein und Sontheimer ist nur noch Letzterer geblieben.

Dass nun nach einer Drittliga-Rückrunde mit einem glatten Zwei-Punkte-Schnitt nach Niederlagen gegen Hannover, Aue und Düsseldorf – die wohl nicht gerade zu Laufkundschaft der 2. Bundesliga gezählt werden können – alles schlecht sein soll, mutet zumindest in Hinsicht auf die Personalie von Michael Schiele äußerst kurios an. Zumal mit Marco Antwerpen nun ein Nachfolger geholt wurde, der eine ganz ähnliche Geschichte bei Mit-Aufsteiger Braunschweig erlebte. Nach der Aufstiegsparty war nämlich Schluss für den Aufstiegstrainer. Und das alles innerhalb einer Anfrage "am gestrigen Abend", wie der neue Mann bei seiner Präsentation betonte, geregelt wurde, ist wohl auch bezeichnend für ein Fußballgeschäft, das schnelllebiger wohl kaum noch werden kann.

Sind schnelle Trainerentlassungen in der Bundesliga, wie jene von David Wagner (18 Spiele ohne Sieg) oder Achim Beierlorzer (Spielerstreik), noch in ihren individuellen Hintergründen nachvollziehbar, so droht den Würzburgern in ihrem Fall zumindest ein Eigentor im Image. Der Druck auf Antwerpen für einen unmittelbaren sportlichen Erfolg ist groß.