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Kommentar: Wenn es dem Verein zu gut geht

Der DSC Arminia Bielefeld hat auf die sportliche Situation der vergangenen Monate reagiert und am Montagmittag Cheftrainer Jeff Saibene freigestellt. Nach zuletzt zehn Pflichtspielen ohne Sieg musste der Luxemburger seine Koffer packen und den Verein verlassen. Die Entscheidung sorgte an vielen Stellen für Unverständnis und ist am Ende – trotz der Krise – eine Überraschung. Ein Kommentar.

Zwei Lager im Verein

Zuerst einmal ist es im Fußballgeschäft leider zur Normalität geworden, dass das schwächste Glied einer Kette im Fußballbusiness der Trainer ist. Läuft es nicht, muss dieser als erster gehen. Das ist auch beim DSC Arminia Bielefeld nicht anders, egal wie beliebt der Übungsleiter ist. Nachzufragen ist dies übrigens insbesondere auch beim derzeitigen Uerdingen-Trainer Stefan Krämer, dem vor vier Jahren dasselbe auf der Alm passiert war. Dass nach zehn sieglosen Spielen in Serie – und einigen teils höchst fragwürdigen Leistungen der Mannschaft – der Trainer gehen muss, würde wohl bei anderen Vereinen ansonsten auch niemanden groß überraschen. Bei Arminia Bielefeld ist die Situation allerdings doch ein wenig anders.

Zuletzt entstanden merklich zwei große Gegenpole im Verein, vor allem unter den Fans. Zum einen diejenigen, die den Trainer entlassen haben wollten, weil er die Mannschaft nicht mehr erreichte. Zum anderen diejenigen, die den Übungsleiter unbedingt halten wollten, weil sie an ihn glaubten und seine Leistungen in der Vergangenheit würdigten. Glaubt man den Bekundungen der Fans im Stadion, gehörten die meisten Anhänger der zweiten Gruppe an: "Chef bleibt Jeff", skandierte der harte Kern der Bielefelder Südtribüne mit einem Plakat im Stadion gegen Sandhausen. Daher wird das, was nun rund um die Alm passiert ist, nicht nur einige Fragen aufwerfen, sondern auch nicht leicht zu verstehen sein. Ein Trainer, der die Mannschaft vor dem Abstieg gerettet hat, sie in der letzten Saison auf Rang vier führte, einen guten Saisonstart hatte und von seiner Art offenbar perfekt zum Verein und den Anhängern passte, wurde trotz vier Punkten Vorsprungs auf die Abstiegsplätze entlassen.

Spielerisch erschreckend, aber zuletzt mit Kampf und Einsatz

Dass die Mannschaft in dieser Situation verunsichert ist und teils schlechten Fußball spielt, dürfte wohl nicht in Frage stehen. Auch warum diese Negativserie überhaupt zustande kommen musste, wird wohl auf ewig ein Geheimnis der Spieler selbst bleiben. Gerade die Auftritte gegen Ingolstadt, Duisburg, Aue oder Fürth (2. Hälfte) ähnelten fast einer Leistungsverweigerung.

Fakt ist aber, dass die letzten beiden Spiele gegen Paderborn und Sandhausen wieder klar in die richtige Richtung gezeigt hatten. Nicht was die spielerischen Elemente angeht, die waren in beiden Partien weiterhin nur in weiter Ferne zu erkennen. Immerhin zeigten die Spieler aber wieder ein kämpferisches Gesicht und taten das, was man im Abstiegskampf immer wieder fordert: Sie versuchten sich den "Arsch" aufzureißen. Fairerweise muss man an dieser Stelle auch deutlich sagen, dass die beiden Remis gegen Paderborn und Sandhausen eigentlich zwei Siege hätten sein müssen. Ein Ausgleich in der Nachspielzeit und einige höchst fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen machten dies zunichte.

Da kommt es dann auch nicht von ungefähr, dass bei den Blauen das Spielglück – was übrigens in der letzten Saison durchweg vorhanden war – nun gänzlich abhanden gekommen zu sein scheint. Selbst trifft man Aluminium, wird von Abseitsentscheidungen benachteiligt oder verliert die Spiele in der Schlussphase, während die Gegner mit Sonntagsschüssen (Aue), irregulären Toren (Sandhausen), späten Treffern (Duisburg, Paderborn) oder überragenden Torhütern das Fortune auf ihrer Seite haben. Auch wenn die Fans größtenteils zurecht sauer auf die Leistungen ihrer Spieler waren, so kann man das Glück eben nicht – obwohl es sprichwörtlich so heißt – erzwingen.

Entlassung hat faden Beigeschmack

Nun hatte man hat also zuletzt wieder vom Einsatz her bessere Leistungen gezeigt, durchaus viel Pech gehabt und steht immer noch vier Punkte über der Abstiegszone. Zudem forderten die Fans am Sonntag mit Plakaten und mit Rufen nach dem Paderborn-Spiel den Verbleib ihres Trainers, der sich davon merklich gerührt zeigte. Auch die Spieler stellten sich deutlich vor ihren Coach und sprachen vom "besten, was Arminia passieren konnte." Sonntags-Torschütze Andreas Voglsammer fügte an: "Ich will, dass der Trainer bleibt." Dass die Entlassung also nun doch kommt, einen Tag nachdem man äußerst unglücklich durch eine schwere Fehlentscheidung der Unparteiischen zum zweiten Mal in Folge nicht gewonnen hat, fühlt sich nach einer Entscheidung mit Beigeschmack ab. Es wirkt, als hätte Saibene sowieso keine Chance mehr gehabt. Dass dazu auch noch Ur-Armine Carsten Rump den Posten des Co-Trainers räumen muss, macht diesen Eindruck nicht unbedingt besser.

Insgesamt hat man den Eindruck, dass man in Bielefeld ein wenig zu sehr auf der Erfolgswelle geschwommen ist. Platz vier in der letzten Saison, der gute Saisonstart und die finanzielle Konsolidierung waren alles gute Nachrichten. Auch steht man trotz der schwarzen Serie immer noch vier Punkte vor den Abstiegsrängen und hört von Fans und Spielern, dass der Trainer unbedingt hätte bleiben müssen. An dieser Stelle und zu diesem Zeitpunkt den Trainer zu entlassen, darf schon die Frage nach sich ziehen, ob es den entsprechenden Verantwortlichen vielleicht zu gut geht.

Neues Chaos ist perfekt

Was man allerdings zweifelsohne geschafft hat bei der Arminia ist, dass man ein neuerliches Chaos entfacht hat. Die sportliche Talfahrt ist das eine und die ist – ohne Frage – erschreckend. Aber nun hat man gleichzeitig eine frustrierte Mannschaft – die sich vor ihren Trainer gestellt hatte – und ebenso eine wenig begeisterte Fanbasis, die den Luxemburger ebenfalls zu großen Teilen an der Seitenlinie behalten wollte. Im schlimmsten Fall drohen also nun nicht nur maulende Akteure auf dem Rasen, sondern auch noch Protestaktionen der Anhänger. Der DSC hat es also mal wieder geschafft, dass man quasi ohne Not im Chaos steckt. Und der erhoffte Trainereffekt ist sicherlich auch keine Garantie, egal wer der neue Mann an der Seite sein wird.