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"Nur zweiter Sieger": Schuster kritisiert Abwehrverhalten bei Jahrtausendspiel

© IMAGO / Eibner

Das war ein Jahrtausendspiel! Unter freundlicher Mithilfe der eigenen Defensive ließ sich der FC Erzgebirge Aue am Sonntag ganze acht Buden von Paderborn einschenken. Demgegenüber steht immerhin der erste Dreierpack für FCE-Stürmer Dimitrij Nazarov in dessen Karriere. Viel mehr war von Cheftrainer Dirk Schuster eigentlich schon nicht mehr hervorzuheben.

Schuster rechnet mit Hohn und Spott

3:8 – ein Ergebnis, wie von der Spielkonsole. Doch im Erzgebirgsstadion geschah es wirklich auf dem Rasen. "Ich denke, dass wir uns einiges anhören müssen und das wird seine Berechtigung haben", schlussfolgerte der Übungsleiter im Erzgebirge nach der historischen Klatsche. Der FCE war im torreichsten Spiel des Jahrtausends schließlich nur "zweiter Sieger", wie es Dirk Schuster noch charmant verpackte. Doch der 53-Jährige kam schnell zum Ernst der Lage zurück und kündigte die Aufarbeitung an: "Wir liegen jetzt am Boden, das ist klar. Keiner verliert gerne zuhause und schon gar nicht in dieser Höhe."

Obwohl der FCE nach vier Zeigerumdrehungen bereits mit zwei Toren in Front lagen und auch kurz nach der Pause zum zwischenzeitlichen 3:4-Anschluss trafen, gingen die Veilchen regelrecht unter. "Wir müssen den Finger ein bisschen in die Wunde legen und ganz deutlich sagen, dass wir von den acht Gegentoren schon mehr als die Hälfte mit individuellen Fehlern begünstigt haben", kritisierte Schuster die Abwehrarbeit seiner ganzen Mannschaft. Einzelne Spieler hob er nicht hervor, aber Ballverluste und mangelndes Zweikampfverhalten in der letzten Reihe ärgerten den Coach. "Das waren alles Dinge, die bisher nicht so in dieser geballten Ladung zu sehen war."

"Können uns nur entschuldigen"

Der kurioseste Treffer war wohl das Eigentor von Stammkeeper Martin Männel, dem ein Ball vom Pfosten gegen den Kopf flog, anschließend wieder den Pfosten und dann per Hacke des Torhüters über die Linie. Eine Szene, in der Männel schlichtweg machtlos war – aber die bezeichnend für den Spielverlauf war. "Wir haben so einfache Fehler gemacht, die darfst du in keiner Liga machen", fasste sich auch FCE-Angreifer Ben Zolinski an die eigene Nase. Es war ein Ergebnis, das in Erinnerungen bleiben wird. "Das kriege ich nicht so schnell aus dem Kopf, das wird mir eine schlaflose Nacht bereiten", erklärte der Ex-Paderborner und wandte sich an die Fans: "Wir können uns eigentlich nur entschuldigen."

Ein Teil des historischen Ergebnisses ging immerhin auch auf das Konto von Dimitrij Nazarov, der zum ersten Mal in seiner Karriere einen Dreierpack schnürte. Es ist vielleicht ein Tropfen auf dem heißen Stein im Gesamtergebnis, doch für den Deutsch-Aserbaidschaner sicherlich nicht ganz egal. Über sein Dabeisein in der Historie wird der FCE sich insgesamt aber vermutlich nicht freuen – bisher gehörte der Rekord für das torreichste Spiel seit der Jahrtausendwende dem Karlsruher SC und Energie Cottbus, die sich 2010 mit einem 5:5-Remis trennten. Das einzige Zweitligaspiel, welches generell noch mehr Tore sah, war ein 7:6-Sieg von Kaiserslautern gegen Meppen aus dem Jahr 1997.