Saisonfazit 1. FC Heidenheim: Teamgeist als Fundament des Erfolges

Als Drittligameister startete der 1. FC Heidenheim in seine Premierensaison in der zweiten Bundesliga. Am Ende stand man in der Tabelle hinter den beiden Mitaufsteigern aus Darmstadt und Leipzig, aber Grund zur Trauer gab es beim 1. FCH nicht. Mit 46 Punkten konnte man nach 34 Spieltagen den achten Tabellenplatz sichern und hat unter anderem Teams, wie den 1. FC Nürnberg und Fortuna Düsseldorf hinter sich gelassen. Mit einem Torverhältnis von 49:44 konnte man auch hier eine positive Bilanz erkennen. Im Folgenden schaut sich liga2-online.de die bisherige Saison vom 1. FC Heidenheim genauer an.

Top: Teamgeist, Wille und Ruhe

Die technisch und individuell stärksten Fußballer durften man in Reihen des FCH nicht erwarten. Doch haben sie die fehlende Qualität durch einen unbändigen Willen und einen ganz speziellen Teamspirit wett gemacht. Man merkte jedem Spieler und jedem Verantwortlichen an jedem Spieltag an, mit welcher Entschlossenheit und Hingabe für jedes Spiel gearbeitet wurde. Denn nur so war es möglich die nötigen Punkte für den Klassenerhalt einzufahren. Zudem überraschte das Team auch während des kleinen Tiefs kurz nach der Winterpause. Besonders bei den Heimspielen ließ man zahlreiche Punkte liegen. Dennoch behielt man stets die Ruhe und besann sich auf die eigenen Stärken. Dies zahlte sich aus und zum Ende der Runde agierte man so souverän wie auch schon zu Saisonbeginn.

Flop: Coolness, Lockerheit und fehlende Back-Ups

Der kleine Durchhänger lässt sich auch ganz leicht ausmachen. Während es nicht so lief, war man vor dem Tor viel zu ineffektiv. Man war nicht abgezockt genug, um die sich bietenden Gelegenheiten zu nutzen. So verkrampfte das Team zunehmend und die anfängliche Lockerheit und Unbekümmertheit ging verloren. Zudem merkte man zum Ende der Saison, dass Alternativen auf der Ersatzbank rar sind. Ein Glück blieb das Team von vielen und längeren Verletzungen verschont, aber auch ohne diese Probleme hat man der Mannschaft angesehen, dass einige Spieler überspielt wirkten und öfters einmal eine Pause benötigt hätten.

Stärkster Spieler: Jan Zimmermann

Es verbietet sich eigentlich bei einem Team, welches überwiegend durch mannschaftliche Geschlossenheit glänzt einen Spieler besonders herauszuheben. Zudem wäre es auch zu einfach gewesen hier Florian Niederlechner zu nennen, der eine unglaubliche Entwicklung genommen hat und mit 15 Toren und zehn Vorlagen auch völlig zu Recht nun von Bundesligaklubs umworben wirbt und auch die Qualität dazu hat im Fußballoberhaus auf sich aufmerksam zu machen. Deshalb verdient das Prädikat als „stärkster“ Spieler in dieser Saison Jan Zimmermann. Er bestach nicht nur durch seine gute Leistungen auf dem Platz und gehört zu den Notenbesten Spielern der Liga, auch außerhalb des Platzes bewies er, welch starke Persönlichkeit er ist. Nach dem glücklichen Zusammenprall auf St. Pauli konnte man auf anraten des Arztes einen Tumor im Gehirn entdecken. Zimmermann ging mit der Situation vorbildlich um. Er ließ sich davon nicht zermürben und kämpfte, um eines Tages wieder im Tor des FCH stehen zu können. Am 1. März diesen Jahres war es dann wieder so weit und Zimmermann feierte sein Comeback.

Schwächster Spieler: Michael Vitzthum

Sehr unglücklich verlief die Saison für Michael Vitzthum. Gegen Philip Heise, welcher nun zum VfB Stuttgart in die erste Liga wechselt, hatte Vitzthum stets das Nachsehen und brachte es lediglich auf drei Ligaeinsätze und ein Spiel im DFB-Pokal. Seine Statistik liest sich gar nicht so schlecht, da er in beiden Wettbewerben eine Torvorlage für sich verbuchen konnte. Zum Ende der Saison stand Vitzthum dann nicht einmal mehr im 18-köpfigen Kader für das Spiel und so ist es wenig verwunderlich, dass er nach nur einem Jahr Heidenheim wieder verlässt und nun sein Glück beim SV Wehen Wiesbaden in der dritten Liga sucht.

Tiefpunkt: Derbyniederlage

Am 5. Dezember empfing man den nördlichen Nachbarn aus Aalen zum Derby. Es war das letzte Heimspiel der Vorrunde und bis zu diesem Zeitpunkt konnte noch kein Gast drei Punkte aus Heidenheim entführen. Das Stadion war unter Flutlichtatmosphäre restlos ausverkauft. Die Heidenheimer Anhänger sorgten mit einer beeindruckenden Choreo schon vor dem Spiel für Gänsehaut, aber was dann auf dem Spielfeld passierte, konnte keiner so recht glauben. Die Gäste waren drückend überlegen. Die Heidenheimer zeigten die mit Abstand schwächste Leistung der Saison. Sie hatten Glück, dass die Gäste in der ersten Hälfte einen Elfmeter vergaben. Doch das war auch schon das einzig Positive. Es folgte die rote Karte für Kevin Kraus und kurz nach der Halbzeit musste man folgerichtig das 0:1 gegen sich hinnehmen. Es lief auch in der Folgezeit so gut wie nichts zusammen und so blieb es bei der verdienten und schmerzlichen Heimniederlage gegen den ungeliebten Nachbarn.

Highlight: Derbysieg

Für die Heidenheimer gab es viele, schöne Momente während der Saison. Die Auswärtsfahrten nach Pauli und München und mit den anschließenden Siegen gehören sicher auch dazu, aber das größte der Gefühle war für jeden Rot-Blauen Anhänger der Derbysieg am vorletzten Spieltag. Mit 2.500 rotgekleideten Fans ging es in die Nachbarstadt, wo man zu allem Überfluss früh in Rückstand geriet. Doch vor der Pause noch drehten Marc Schnatterer und Niederlechner die Partie. Nach der Halbzeit waren wieder die Hausherren am Drücker und konnten ausgleichen. Mit Glück und Geschick verhinderte man einen Rückstand und es kam sogar noch besser. Robert Leipertz verwandelte einen Elfmeter sicher und Florian Niederlechner düpierte mit dem vierten Treffer die VfR-Defensive. Als dann die Ergebnisse aus den anderen Stadien bekannt wurden stand neben dem Derbysieg noch der Abstieg des VfR fest.

Transfers: Drei zu drei zu drei

Im Sommer hat man sieben Spieler verpflichtet, zudem hat man noch Smail Morabit, der zuvor nur vom VfL Bochum ausgeliehen war, fest verpflichtet und im Winter kam noch Andreas Voglsammer dazu. Während diese beiden und auch Adriano Grimaldi bisher nicht richtig glänzen konnten und eher eine solide und unauffällige Saison spielen, könnte die Saison der restlichen sechs Spieler unterschiedlicher kaum sein. Drei von diesen nämlich, Zimmermann, Kraus und Leipertz benötigten auch etwas Anlaufzeit, aber gehören nun unumstritten in die erste Elf des Teams und sind von dort auch kaum noch wegzudenken und zählen daher zu den absoluten Leistungsträgern. Auf der anderen Seite stehen mit Vitzthum, Philipp Riese und Manuel Janzer drei Spieler gegenüber, die sich wohl mehr von ihrem Wechsel nach Heidenheim erhofft hatten. Alle waren nie so richtig drin im Team und werden daher den Verein nach nur einem Jahr wieder verlassen.

Trainer: Beständig wie der gesamte Verein

An der Seitenlinie hat nun seit fast acht Jahren Frank Schmidt das Sagen. Und genau wie mit dem Verein, ging es auch für Schmidt stetig nach oben. Oftmals wird ihm nachgesagt, dass sich Talente bei ihm nicht vollständig entwickeln und er dies zu wenig fördert, aber schon letzte Saison hat er dies widerlegt und auch diese Saison hat sich wieder gezeigt, dass er in der Lage ist das Potenzial aus den Spielern heraus zu kitzeln. Neben Leipertz haben sich auch Niederlechner, Sebastian Griesbeck und auch Marcel Titsch-Rivero großartig entwickelt, bei denen man dachte, dass sie den Anforderungen der zweiten Liga nicht gewachsen wären.

Fazit: Gelungene Premiere

Einige Experten hätten damit wohl nicht gerechnet, aber der 1. FC Heidenheim war die gesamte Saison über im gesicherten Mittelfeld der Tabelle zu finden. Auch von der Schwächephase hat man sich nicht beeindrucken lassen und die Saison sehr stark beendet. Auch für die gesamte Stadt ist die zweite Liga ein einzigartiges Erlebnis. Im Schnitt besuchten fast 13.000 Zuschauer die Heimspiele. Eine beeindruckende Zahl, weil erst seit den letzten vier Heimspielen mehr als 13.000 Zuschauer in der Arena Platz finden. Und auch auswärts wird das Team von zahlreichen Fans unterstützt und gibt in den Gästeblöcken ein ordentliches Bild ab.

Ausblick: Entspannt wird´s nicht

Die zweite Saison wird wohl noch einen Ticken schwieriger werden, als noch die erste. Mit Arminia Bielefeld und dem MSV Duisburg sind zwei Teams aufgestiegen, die sich unbedingt langfristig in der zweiten Liga halten wollen. Die beiden Bundesligaabsteiger Freiburg und Paderborn haben sowieso andere Ansprüche als auf den Klassenerhalt in der zweiten Liga. Desweiteren wollen Teams wie 1860 München oder auch St. Pauli eine weitere, schwache Saison, wie sie in diesem Jahr der Fall gewesen ist, vermeiden. Deshalb muss in Heidenheim ab dem Trainingsstart wieder Tag für Tag auf das große Ziel hingearbeitet werden. Mit Heise hat man schon eine wichtige Stütze im Team verloren und wohl auch Niederlechner wird den Verein noch verlassen. Daher gilt es für die Verantwortlichen durch überlegte Transfers, die fehlende Qualität zu verpflichten. Doch nur wenn die Spieler auch von ihrer Persönlichkeit in das Team passen, werden sie dem Verein weiterhelfen. Es muss und es wird wieder nur über die geschlossene Mannschaftsleistung, den unbedingten Willen und den leidenschaftlichen Einsatz gehen, um die Klasse zu halten. Daher lautet das Ziel, so früh wie möglich 40 Punkte einsammeln und dann mindestens drei Teams hinter sich lassen. Heidenheim hat bereits einmal gezeigt, dass sie zweite Liga können. In der nächsten Saison folgt dann der Beweis, dass dies nicht nur durch Glück und Zufall geschehen ist, sondern der Lohn für harte und ehrliche Arbeit.

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