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Saisonvorschau 1. FC Heidenheim: Klassenerhalt keine Utopie

Aus der 3. Liga stiegen drei Mannschaften in die 2. Bundesliga auf. Meister wurde mit 79 Punkten und einer Tordifferenz von 59:25 (+34) der 1. FC Heidenheim. Es war eine beeindruckende Runde, die das Team von Cheftrainer Frank Schmidt gezeigt hat und sich am Ende deutlich gegen die Konkurrenz durchsetzte. Nun nimmt man erstmals an der 2. Bundesliga teil und will versuchen sich dauerhaft in dieser zu etablieren. Und schon in der Vorbereitung war zu sehen, dass das Team realistische Chancen auf den Klassenerhalt hat.

Testspiele überzeugend gestaltet

Zu Beginn der Vorbereitung standen viele Testspiele gegen unterklassige Gegner an, die allesamt problemlos überstanden wurden. Die erste Testspielniederlage setzte es gegen Borussia Dortmund. Obwohl viele WM-Fahrer der Borussen noch im Urlaub verweilten, standen u.a. mit Schmelzer, Bender und Aubameyang zahlreiche Stars auf dem Platz. Der 1. FCH bot eine ansprechende Leistung musste sich aber am Ende mit 3:4 geschlagen geben. Nur vier Tage später testete man gegen den französischen Erstligisten Stade Rennes. Dort erzielte Florian Niederlechner in der Nachspielzeit den 3:3 Endstand. Als letzter Testspielgegner gastierte der VfB Stuttgart in der Voith-Arena. Armin Veh bot die momentan stärkste Anfangself auf, doch auf dem Spielfeld dominierte ganz klar der Zweitligist. Er ließ gut den Ball durch die eigenen Reihen laufen und spielte schnell und zielstrebig nach vorne. So konnte der VfB mit dem 1:0 Pausenrückstand noch sehr zufrieden sein. Auch in Hälfte zwei waren die Heidenheimer anfangs stärker. Jedoch verpasste man die Vorentscheidung und so kam der VfB nochmals zurück und konnte das Spiel letztendlich mit 4:2 für sich entscheiden. Doch mit dem Auftritt seiner Spieler konnte Schmidt sehr zufrieden sein.

Mögliche Startelf

Vieles deutet darauf hin, dass die Elf gegen den VfB Stuttgart auch am nächsten Sonntag gegen den FSV Frankfurt auflaufen wird. Damit setzt Schmidt überwiegend auf bewährtes Personal. Sicher ist, dass nach dem Karriereende von Erol Sabanov eine neue Nummer eins gesucht wird. Dort scheint Neuzugang Jan Zimmermann die Nase knapp vor Rouven Sattelmaier zu haben. Die Viererkette wird mit Heise, Göhlert, Wittek und Strauß das gleiche Gesicht haben wie in der abgelaufenen Spielzeit. Im Mittelfeld agieren Schnatterer, Titsch-Rivero und Griesbeck. Zudem dürfte der vom FC Schalke 04 II gekommene Robert Leipertz sich in die Stammformation gespielt haben. Er überzeugte in den Testspielen und soll die Außenbahn im Heidenheimer Mittelfeld beleben. Im Angriff hat Schmidt die große Qual der Wahl. Zum Saisonstart wird das Angriffsduo höchstwahrscheinlich Niederlechner/Morabit heißen.

Wichtigster Spieler

In den vergangenen Spielzeiten hing die größte Last auf den Schultern von Kapitän Marc Schnatterer. Auch in dieser Saison werden viele Augen auf ihn gerichtet sein, doch ist die Mannschaft nun viel breiter aufgestellt und ist nicht mehr so abhängig von einem einzigen Spieler. Es wird entscheidend sein, dass sich das Team als Einheit auf dem Platz präsentiert. Im Laufe der Saison werden alle Spieler gefordert sein und nur wenn jeder einzelne auch seine Leistung abruft ist der Klassenerhalt möglich.

Offensiv sehr flexibel

Die große Stärke der Heidenheimer ist ein breitaufgestellter und qualitativ hochwertiger Kader. Jede Position ist nahezu doppelt besetzt, ohne dabei einen merkbaren Leistungsabfall wahrnehmen zu können. In den Testspielen überzeugte das Team aus dem Osten Württembergs mit feinem Angriffsspiel und flüssigen Kombinationen. So verwundert es nicht, dass man den Bundesligateams aus Dortmund und Stuttgart drei bzw. zwei Gegentore zufügte. Auch gegen Stade Rennes überzeugte man im Offensivspiel indem man drei Treffer erzielte. Bei einer konsequenteren Chancenverwertung wären gegen alle drei Teams sogar noch mehr Treffer möglich gewesen.

Schwächen im Defensivverhalten

Eine Schwäche wurde aber auch während den Testspielen deutlich. Besonders im Spiel gegen den VfB Stuttgart offenbarte man Schwächen bei Standards. Nahezu jeder hohe Ball brachte Gefahr für das eigene Tor. Es fehlte die letzte Konsequenz, um den Ball zu klären. Gerade die Defensive war in der abgelaufenen Spielzeit die größte Stärke des 1. FCH. Nun hat Schmidt nur noch wenige Tage Zeit, um dieses Problem bis zu Saisonstart in den Griff zu bekommen. Aus dem Spiel heraus ließ die eingespielte Viererkette den Gegnern jedoch kaum eine Chance zu.

Trainer

Als Spieler hat Schmidt bereits Erfahrungen in der 2. Bundesliga sammeln können. Aber als Trainer ist das Fußballunterhaus auch für ihn Neuland. Bereits seit 2007 leitet Schmidt die Geschicke an der Seitenlinie und das ziemlich erfolgreich. Nach dem geglückten Aufstieg in die 2. Bundesliga verlängerte man mit Schmidt vorzeitig bis 2020. Früher selbst als Verteidiger aktiv, liegt Schmidts Fokus als Trainer aber nicht ausschließlich auf der Defensive. Er bevorzugt das variable Offensivspiel mit herausgespielten Situationen und Toren. Dafür verlangt er von den Spielern im Training sehr viel ab. Einige Spiele, die aus anderen Vereinen nach Heidenheim kamen bemerkten, dass das Training eine viel höhere Intensität hat als anderswo, und zudem noch sehr akribisch abläuft.

Prognose

Mit voller Euphorie, Vorfreude und einem guten Gefühl geht man in Heidenheim in die Zweitligasaison. Noch beflügelt von der Meisterschaft und den guten Auftritten während den Testspielen sehen viele der Mission Klassenerhalt positiv entgegen. Nicht nur das Umfeld ist gewappnet für die nächsthöhere Etage. Die Heidenheimer verfügen über ein eingespieltes Team, indem der Kern seit Jahren besteht und stetig, punktuell ergänzt wurde. So auch in diesem Jahr. Die Transfers waren wohl überlegt und bereits vor Trainingsauftakt stand der Kader der neuen Saison fest. So hatten die Neuzugänge genug Zeit, um sich zu integrieren. Dabei wurde an der Philosophie  des Vereins festgehalten. Es wurden überwiegend junge Spieler, die aus dem Süddeutschenraum stammen verpflichtet. Das ist ein wichtiger Grund, weshalb das familiäre Gefühl in Heidenheim besonders ausgeprägt ist. Und genau mit diesem „Wir-Gefühl“ und einem unglaublich breit und qualitativ gut aufgestellten Kader will man in Heidenheim die Klasse halten. Vor der Saison ist es immer schwer zu sagen wohin die Reise geht. Sollte das Team von schweren Verletzungen und Rückschlägen verschont bleiben, so ist der Klassenerhalt alles andere als ein Wunschgedanke.

FOTO: Marcel Junghanns / Klettermaxe Photographie