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St. Pauli mit Moral: "Mit 30.000 Fans wäre das Dach abgehoben“

© imago images / Sven Simon

So richtig konnte beim FC St. Pauli zunächst niemand etwas mit dem 2:2 gegen den 1. FC Nürnberg anfangen: Sollten sich die Hamburger über den Punkt nach zweimaligem Rückstand freuen oder über den verpassten Heimsieg ärgern? Je länger aber bei den Kiez-Kickern die Emotionen nach dem rassigen Duell wieder runterkochten, desto mehr setzte sich das Gefühl einer durchaus stolzen Zufriedenheit mit einer bravourösen Vorstellung durch und ließ nur noch wenig Platz für unschöne Gefühle.

Buballas Kunstschuss mit Seltenheitswert: "Hat mir niemand zugetraut“

Die Analyse von Trainer Timo Schultz spiegelte das Seelenleben seiner Spieler denn auch sehr gut wieder. "Natürlich ärgere ich mich, dass es nur ein 2:2 geworden ist, denn wir waren die aktivere Mannschaft und hätten den Sieg eher verdient gehabt“, haderte der Coach auf der Vereinshomepage nur ein wenig mit dem Ergebnis und überschüttete sein Team stattdessen geradezu mit Lob für den begeisternden Kampf: "Wir haben alles in die Waagschale geworfen und extrem viel investiert. Bei der Art und Weise, wie die Mannschaft aufgetreten ist, wäre mit 30.000 Fans das Dach abgehoben und wären wir mit Standing Ovations verabschiedet worden. Die Mannschaft hat wirklich alles rausgehauen. Genauso stelle ich mir ein Spiel auf St. Pauli vor.“

Im Mittelpunkt stand Daniel Buballa. Mit seinem ersten Tor seit fünfeinhalb Jahren sicherte der Abwehrspieler den Gastgebern nach dem ersten Ausgleich durch Rodrigo Zalazar (28., Elfmeter) mit einem sehenswerten Kunstschuss zwölf Minuten vor Spielende wenigstens das hochverdiente Remis. "Die Mannschaft und der Trainer haben mir das gar nicht zugetraut, aber ich kann auch das Tor treffen“, freute sich Buballa mit einem breiten Grinsen über seinen wichtigen Anteil am Punktgewinn: "Normalerweise übe ich nicht so viele Torschüsse, aber vor dem Spiel habe ich zwei Tage lang mit dem Spann geschossen – und wurde direkt belohnt.“

Himmelmann lässt nur verpassten Sieg als Vorwurf gelten

Nicht ausreichend belohnt fühlte sich aber Christopher Avevor beim Blick auf das Resultat. "Unterm Strich können wir nicht zufrieden sein, weil wir gewinnen wollten“, meinte der Kapitän, sah sein Team aber dennoch auf dem richtigen Weg: "Man muss der Mannschaft ein Riesenkompliment machen, sie hat super Moral bewiesen.“ Auch Torwart Robin Himmelmann war von dem Einsatzwillen seiner Vorderleute und den Bemühungen um einen Last-Minute-Erfolg gegen die zunehmend wankenden Franken bis zur letzten Sekunde sehr angetan: "Über 90 Minuten kann man uns nicht viel vorwerfen – nur, dass nicht gewonnen haben.“

Die zwei liegen gelassenen Punkte wollen die „Boys in brown“ am Samstag bei Darmstadt 98 einfahren. Dabei stehen die Hamburger auf Tabellenplatz sieben schon fast unter Zugzwang: Ohne den zweiten Saisonsieg würde das Schultz-Team aller Moral und Einsatzfreude zum Trotz die Spitzengruppe schon frühzeitig außer Reichweite ziehen lassen müssen.