"Tasten uns langsam ran": Walter sieht die HSV-Entwicklung
Ein wildes Duell lieferten sich der Hamburger SV und der SV Darmstadt 98 beim 2:2-Unentschieden am 4. Spieltag. Zunächst schien die Elf von Tim Walter nach einem Rückstand die Kontrolle über die Partie zu gewinnen, doch die Lilien schlugen eiskalt zurück. Der HSV-Coach war mit der Ausbeute daher nicht zufrieden - aber mit der Spielweise.
"Genau das, was wir wollten"
Kurz vor dem Halbzeitpfiff jubelte zunächst der HSV nach einem Hackentreffer von Moritz Heyer, dann pennten die Hamburger bei einem Einwurf der Gäste und schon fiel der Treffer zum späteren 2:2-Endstand. Das Spektakel aus dem ersten Abschnitt trudelte aus, obwohl der HSV auf Sieg spielte. "Wir sind wieder intensiv drin, erspielen uns Torchancen und wollen das Spiel unbedingt gewinnen", beschrieb Tim Walter die Spannung im zweiten Durchgang. Es reichte aber nicht mehr. "Wir haben dann ein bisschen den Kopf verloren, weil die Zuschauer auch kommen, weil sie uns nach vorne pushen und nicht den Ball immer bei Ferro haben wollen. Aber das gehört einfach zu unserem Spiel. Da brauchen wir noch mehr Geduld."
Abgesehen von der Punktausbeute war der Cheftrainer eigentlich zufrieden. "Mit der Art und Weise tasten wir uns langsam ran", lobte Walter seine Mannschaft - und auch das Publikum kam insgesamt nicht zu kurz: "Ich hoffe, dass auch die Zuschauer uns noch mehr nach vorne pushen, so wie sie es auch in anderen Situationen machen." Denn die Zuschauer im Volkspark-Stadion sahen eine ansehnliche Partie mit vielen Chancen, was entsprechend von den Rängen honoriert wurde. "Das ist genau das, was wir wollten: Chipbälle hinten rein oder Bälle vorne rum vor die Kette. Ich glaube, da werden wir immer besser", erklärte Walter über die Spielweise. Ein Manko gab es dennoch: "Wir müssen im Abschluss konsequenter werden."
Freude und Ärger beim HSV
Die Euphorie in der Offensive könne die Mannschaft noch nicht in der Defensive umsetzen. "Wir haben heute mehr Phasen der Bereitschaft gesehen, sind auch überragend nach dem Elfmeter zurückgekommen und verdientermaßen mit 2:1 in Führung gegangen. Dann kriegen wir über einen Einwurf das 2:2. Das darf uns so einfach nicht passieren", ärgerte sich Walter. Insgesamt übertrug sich seine Analyse auch auf die Spieler. "Heute müssen wir uns vor allem ankreiden, dass wir in der 45. Minute mit 2:1 in Führung gehen und noch vor der Pause den Ausgleich bekommen", schimpfte Daniel Heuer Fernandes, während Kapitän Sebastian Schonlau sagte: "Nichtsdestotrotz hatten wir genug Chancen, um das Spiel noch zu entscheiden."
Ein positives Erlebnis war das Remis in jedem Fall für Moritz Heyer, der den Führungstreffer der Hamburger per Hackentor erzielte. "Es war ein schönes Tor von mir. So eins habe ich bestimmt zuletzt in der Jugend geschossen", freute sich der Defensiv-Allrounder zwar über den gelungenen Treffer, aber ein Sieg wäre Heyer selbstverständlich lieber gewesen. Dazu nahm sich der 26-Jährige genauso selbst in die Pflicht: "Ich selber hatte auch ein, zwei Dinger, bei denen ich mir selber an den Kopf fasse, was ich da mache. Das müssen wir abstellen." Denn mit fünf Punkten aus vier Partien ist der HSV noch lange nicht da, wo er sein will.