Umbruch bei 96: "Da brauchst du Spieler, die das auch annehmen"
Trotz des 3:0-Erfolges über den SC Freiburg ist seit dem vergangenen Samstag klar: Hannover 96 muss den Gang in die 2. Bundesliga antreten. Es ist der zweite Abstieg innerhalb von vier Jahren, der direkte Wiederaufstieg erscheint indes unwahrscheinlicher als noch im Sommer 2016. Vielmehr steht bei den Niedersachsen ein Komplett-Umbruch an. Auch die Trainerfrage ist noch ungeklärt.
Kind: "Offen für einen Neuanfang"
Gegen den SC Freiburg brachte Hannover 96 wohl die beste Leistung der Saison auf den Platz. Am Ende stand ein verdientes 3:0. Da auch der VfB Stuttgart gegen Wolfsburg siegte, stand jedoch noch etwas: Der Abstieg. Nach nur drei Jahren muss Hannover damit erneut runter. Die Aufgabe dürfte nicht leichter werden als nach dem letzten Abstieg, unzählige Fragen sind derzeit noch unbeantwortet. Einerseits sind die Niedersachsen zum Sparen verdammt, müssen für die Zweitliga-Lizenz bis Ende Mai eine Summe von rund 20 Millionen Euro aufweisen. Andererseits soll am Ende der kommenden Spielzeit die Rückkehr in das Oberhaus stehen. Die Konsequenz? Ein personeller Komplett-Umbruch.
Konkret ist beim Absteiger bisher allerdings wenig, wie Vorstandsvorsitzender Martin Kind am Sky-Mikrofon zugab: "Wir sind offen für einen Neuanfang, wie der sich darstellen wird, kann ich allerdings nicht beantworten." Laut "Bild"-Bericht soll mithilfe von Spielertransfers zunächst die klaffende Finanzlücke geschlossen werden. Hier bieten sich Verkäufe der abwanderungswilligen Waldemar Anton (22) und Wallace (24) an. Für ersteren wird demnach eine Summe von bis zu 12 Millionen Euro aufgerufen. Der Brasilianer hingegen besitzt eine Ausstiegsklausel in Höhe von 33 Millionen Euro, wird letztlich aber kaum mehr als 10 Millionen einbringen. Auch im Falle des Offensivmannes Genki Haraguchi dürfte der Preis nicht ansatzweise bei den in seiner Ausstiegsklausel fixierten 8 Millionen Euro liegen. Fest planen können die Verantwortlichen bisher lediglich mit den 6,5 Millionen Euro, die der Transfer von Angreifer Niklas Füllkrug zu Werder Bremen in die Kassen spülte.
Dolls Zukunft: Gespräche nach Saisonende
Iver Fossum, Julian Korb, Josip Elez und Miiko Albornoz sollen trotz laufender Verträge gehen. Ebenso können Ihlas Bebou und Matthias Ostrzolek den Verein bei entsprechenden Angeboten verlassen. Insbesondere Bebou steht im Fokus mehrerer Vereine, könnte einen zweistelligen Millionenbetrag einbringen. Klar ist, dass die Gruppe der Leihspieler um Frankfurts Nikolai Müller und Stoke Citys Kevin Wimmer nicht bleiben wird. Überhaupt stehen bis auf Kapitän Marvin Bakalorz und Urgestein Edgar Prib kaum Akteure im Kader, die unbedingt gehalten werden sollen - und selbst bei den beiden letztgenannten laufen die Verträge aus.
"Die zweite Liga", erklärte Trainer Thomas Doll, "ist eine harte Kiste. Da brauchst du Spieler, die das auch annehmen." Fraglich dabei allerdings, ob sich der Übungsleiter selbst dieser Aufgabe überhaupt annehmen darf. Klubchef Kind: "Wir haben besprochen, dass wir uns nach dem letzten Spiel zusammensetzen und kritisch und selbstkritisch die Gesamtsaison und die Phase seiner Verantwortung analysieren. Dann werden wir zu einer Entscheidung kommen."