"Unnötig spannend": Kiel gewinnt erneut in letzter Minute
Wieder einmal machte es die KSV Holstein am Samstag unfassbar spannend, um in letzter Spielminute mit 3:2 gegen Erzgebirge Aue zu gewinnen. Ein Manko, das die Beteiligten gerne abstellen würden, wenngleich die Freude nach dem nächsten Spektakel natürlich überwog.
Zwei unterschiedliche Hälften
Bockstark und ohne Niederlage sind die Kieler in das Jahr 2022 gestartet. Dass dies so spektakulär aussehen würde, war nach dem Saisonbeginn nicht unbedingt abzusehen. Nach dem Sieg durch den Sonntagsschuss von Jonas Sterner gegen Düsseldorf in der dritten Minute der Nachspielzeit in der vergangenen Woche, sollte gerade einmal sechs Tage später der nächste Lucky-Punch-Sieg in Aue gelingen. Aber der Reihe nach. Nach einer starken Anfangsphase ging die KSV gegen den Tabellenvorletzten früh mit 2:o in Führung. "Wir haben in der ersten Halbzeit ein super Auswärtsspiel gemacht", stellte auch Holstein-Keeper Dähne nach den aufregenden 90 Minuten fest. Kurz vor der Pause dezimierte sich die Heimmannschaft durch eine Rote Karte gegen Messeguem auch noch selbst (42.), sodass "das Spiel eigentlich entschieden ist", wie Marcel Rapp auf der Pressekonferenz nach dem Spiel zugab.
Entschieden war aber nichts. Stattdessen habe das Team "Aue trotz 2:0-Führung und Überzahl noch zurück ins Spiel kommen lassen", wie Routinier Bartels feststellte. Und auch Rapp kritisierte: "Mit zwei Chancen, wo wir stümperhaft verteidigen, kommt Aue ran." Die "große Effizienz", die Rapp in der ersten Halbzeit sah, sei nun dahin gewesen. So "machen wir uns das Leben selber schwer", missfiel es dem 42-Jährigen, was er im Laufe des zweiten Durchgangs zunächst sah. Auch die Überzahl wurde nicht als positiver Faktor wahrgenommen. "Manchmal ist es mit einem Mann mehr schwieriger als man denkt", bemerkte Kapitän Mühling, der ebenfalls kritisierte, dass das Spiel so "unnötig spannend" geworden sei.
"Liegt Arbeit vor uns"
Doch während die KSV zu Beginn der Hinrunde an diesem Punkt umgekippt wäre, wiederholte sich die Geschichte der vergangenen Tage. Nach Ablage von Mühling, der am ersten Pfosten zu viel Platz erhielt, musste Joker Wriedt nur noch den Fuß hinhalten, um in buchstäblich letzter Spielminute das 3:2 zu markieren (90.). Ausschlaggebend für den erneuten Lucky-Punch? "Wir haben daran geglaubt, hier noch zu gewinnen", versicherte Vorlagengeber Mühling. "Dass wir den dritten Treffer noch gemacht haben, war eine Willensleistung. Es sind drei Punkte, wir sind super drauf – das ist das, was zählt", freute sich auch Schlussmann Dähne.
Doch von Jubel, Trubel, Heiterkeit war nicht unbedingt die Rede. Zwar belegen die Kieler in der Rückrundentabelle hinter dem ungeschlagenen SV Werder Bremen mit starken 13 Punkten aus fünf Spielen den zweiten Rang, doch von 'einfach' war der Sieg wieder weit entfernt. "Es liegt weiterhin noch Arbeit vor uns", mahnte Fin Bartels und auch Übungsleiter Rapp war nach dem "sehr glücklichen Sieg" nicht unbedingt in Feiertagslaune. "Einges aufzuarbeiten" habe er mit seinem Team vor dem kommenden Spiel gegen den KSC. Dennoch wolle man den "dreckigen Sieg", so Mühling, genießen. Falls diese Siege künftig weniger dramatisch ausfallen, wird sich dennoch wohl kein Storch beschweren.