VfL Bochum: Die Gründe für die Talfahrt
Die Euphorie zum Saisonstart ist verflogen, sieben sieglose Pflichtspiele und kein Heimsieg sorgen für viel Unruhe rund um die Castroper Straße. Der VfL Bochum und seine Herbstdepression – wie im Vorjahr wird im Oktober der gute Saisonstart und viel Kredit verspielt. Der vorläufige Tiefpunkt wurde bei der ersten Heimniederlage (0:3) gegen das ehemalige Schlusslicht aus München erreicht. Nach dem Spiel richtete sich die Wut der Anhänger auf Keeper und Kapitän Andreas Luthe, auch Peter Neururer steht stark unter Druck, das Spiel in Kaiserslautern könnte schon über sein Schicksal entscheiden. Es sind nicht die einzigen Gründe, die den erneuten Absturz des Traditionsvereins verantworten:
Andreas Luthe: Zwischen Held und Sündenbock
Der Keeper des VfL gehört auf der Linie zu den Stärksten in der Liga, in Sachen Strafraumbeherrschung, Spieleröffnung und Abstöße hat der langjährige Kapitän aber sichtbaren Nachholbedarf. Der Torhüter zeigt oftmals bärenstarke Reaktionen, fliegt aber genauso oft an hohen Flanken vorbei und bringt Abstöße direkt zum Gegner. Im Spiel gegen Darmstadt 98 tritt der Torhüter als Vorlagengeber zum Ausgleich in der Nachspielzeit auf, gegen 1860 München spielt er den Ball unbedrängt in den Fuß von Daniel Adlung und zieht damit sämtlichen Unmut auf sich. Ersatzkeeper Michael Esser agierte in seinen Einsätzen zwar ohne großen Fehler, ein Torwartwechsel scheint durch den Kapitänstatus von Luthe aber in weiter Ferne zu liegen – auch wenn er leistungsmäßig sicher im Bereich des Möglichen liegt.
Ohne Simunek: Keine defensive Stabilität
19 Gegentore in 10 Spielen – kein Spiel zu Null. Die drittmeisten Gegentreffer der Liga zeigen eine weitere Problemzone des VfL auf. Jan Simunek fehlt an allen Ecken und Enden, der verletzungsanfällige Innenverteidiger zählt zwar zu den besten seines Fachs, ist aber eben mehr Patient beim Arzt, statt auf dem Fußballplatz. Seine Qualität kann der VfL weder im Team, noch personell auffangen. Patrick Fabian und Malcolm Cacutalua wirken überfordert und im Duo nicht zweitligatauglich, Heiko Butscher spielte in Dresden zwar ordentlich, der Routinier bekommt im Ligaalltag aber keine Chance von Peter Neururer. Auch Stefano Celozzi hat die Erwartungen noch nicht erfüllt. Es muss an der defensiven Struktur gefeilt werden, denn nur mit einer stabilen Hintermannschaft kann man eine Saison erfolgreich bestreiten.
Simon Terodde und die fehlenden Anspiele
8 Tore in den ersten 6 Pflichtspielen – danach nur noch ein Tor bei Dynamo Dresden im Pokal. Simon Terodde ist ein Sinnbild des Bochumer Negativlaufs, dabei kann der volleingeschlagene Mittelstürmer am wenigsten für die ausbleibende Torgefahr: Es liegt an der fehlenden Kreativität aus dem offensiven Mittelfeldbereich, keiner der Alternativen im Kader konnte nachhaltig überzeugen. Simon Terodde ist von der Versorgung abgeschnitten, in manchen Situationen fehlt dem Neuzugang von Union Berlin auch das nötige Quäntchen Glück. Die Konkurrenz hat sich auf das Offensivspiel des VfL eingestellt – Peter Neururer hat bislang kein Gegenmittel gefunden. Dies muss sich schleunigst ändern – ansonsten droht in Bochum eine erneute Zittersaison. Und ob der finanziell angeschlagene Verein eine erneute Saison im Abstiegskampf übersteht, erscheint angesichts der angespannten wirtschaftlichen Situation fraglich.