• Facebook
  • Twitter

Zwischenfazit: Heidenheim begeistert die Liga und die Fans

Man sagt, dass man es als Aufsteiger in die zweite Liga nicht leicht hat – es sei denn, man heißt RB Leipzig – doch was der letztjährige Meister der dritten Liga, der 1. FC Heidenheim, bisher zeigt, verzückt nicht nur die eigenen Fans.  Nach neun Spieltagen steht der Aufsteiger auf einem beachtlichen fünften Tabellenplatz. Mit bisher 15 erreichten Punkten beträgt der Abstand zum Tabellenführer nur vier Zähler. Doch im Schwabenland ist man nicht so vermessen, dass man den Blick nur nach oben richtet. Das Ziel bleibt wie vor Saisonbeginn der Klassenerhalt. Zuletzt erreichte man beim Gastspiel in Leipzig ein 1:1. Durch eine leidenschaftliche und taktisch disziplinierte Leistung bewies das Team aus Ostwürttemberg, dass man auch gegen individuell stärker besetze Teams keineswegs chancenlos ist.

Positiv: Offensiv und erfolgreich

Eine Sache sticht beim forschen Aufsteiger besonders heraus. Mit 19 Treffern ist der 1. FCH das torgefährlichste Team der gesamten Liga. Fast die Hälfte der Tore gelang den Heidenheimern bei den Spielen gegen den 1. FC Nürnberg (3:0) und den VfL Bochum (5:0). Das Team schafft es jedoch nie die Kontrolle dabei zu verlieren und trotz des offensiven Auftretens, das Defensivverhalten zu vergessen. Zudem zeigte die Mannschaft, dass sie Aufgaben des Trainers Frank Schmidt hervorragend umsetzen kann. So analysiert Schmidt ganz genau die Stärken und Schwächen des Gegners und entscheidet somit, neben den Trainingseindrücken, wer im kommenden Spiel wo eingesetzt wird. Damit ist man nicht an nur eine Taktik gebunden, sondern kann je nach Gegner und Spielsituation agieren, was aber auch nur dank des breiten und qualitativ gut besetzten Kaders möglich ist.

Negativ: Auswärts noch sieglos

Bei einem solch erfolgreichen Start in die zweite Bundesliga fällt es schwer irgendwelche Schwächen ausfindig zu machen. Aber trotz des sehr guten Auftakts gelang den Heidenheimern bei den bisherigen vier Auswärtsspielen noch kein Sieg. Zwei Unentschieden stehen zwei Niederlagen gegenüber. Aber mit Braunschweig, Karlsruhe, Düsseldorf und Leipzig musste man auch stets vor einer großen Kulisse antreten und sämtliche Teams gehören zum erweiterten Kreis der Aufstiegsanwärter. Dabei kassierten die Heidenheimer stets mindestens einen Gegentreffer. Gegen Braunschweig und Düsseldorf waren es gar drei. Das ist auch für das sonst so offensivstarke Team von der Brenz nicht immer wett zu machen. Doch auch hier scheint sich die Mannschaft weiterzuentwickeln. So resultierte der Gegentreffer in Leipzig aus einem direkt verwandelten Freistoß.

Gewinner: Marcel Titsch-Rivero

Die bisher größte Überraschung im Team ist wohl Marcel Titsch-Rivero. In der abgelaufenen Spielzeit war Titsch-Rivero nicht immer gesetzt. In der dritten Liga lautete das zentrale Mittelfeldduo meist Griesbeck/Reinhardt. Gegen Ende der Spielzeit erhielt Titsch-Rivero aber mehr Spielzeit und wusste dabei zu überzeugen. Nun, eine Etage höher, ist er kaum noch aus der Zentralen wegzudenken. Neben Griesbeck besticht Titsch-Rivero durch ein enormes Laufpensum und Zweikampfstärke. Er schließt Lücken und dient als Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff. Deshalb gehört Titsch-Rivero zu den größten Gewinnern des Saisonstarts. Doch auch ein Marc Schnatterer, Florian Niederlechner, Philip Heise und Sebastian Griesbeck überzeugten und stellten ihre Klasse auch in der zweiten Bundesliga unter Beweis.

Verlierer: Manuel Janzer

Als Back-up für die Außenbahn wurde mit großen Erwartungen Manuel Janzer verpflichtet. Dieser zeigte in den Testspielen einige ansprechende Leistungen und kam deshalb relativ schnell zu Einsätzen in der zweithöchsten Spielklasse. Bei seinen Einwechslungen agierte Janzer dann aber meist unauffällig und unglücklich. So wurden seine Einsatzzeiten weniger und zu allem Überfluss verletzte sich Janzer. Ein Muskelfaserriss setzte ihn für einige Wochen außer Gefecht. Inzwischen ist Janzer zurück im Mannschaftstraining und stand beim Testspiel gegen den österreichischen Erstligisten SCR Altach (2:2) auch wieder auf dem Platz. Es wird noch einige Zeit dauern bis Janzer wieder topfit ist und dann muss er sich gegen seine starken Konkurrenten auf der Außenbahn durchsetzen.

Fazit: Überzeugender Start

Was bleibt nach neun Spieltagen festzuhalten? Als Aufsteiger muss man in der höheren Spielklasse keineswegs chancenlos sein. Manche überzeugen durch eine stabile Defensive, andere durch erfrischenden Offensivfußball, oder auch durch ein taktisch diszipliniertes Verhalten. Auf den 1. FC Heidenheim treffen am ehesten die beiden letztgenannten Eigenschaften zu. Als neutraler Zuschauer kann man sich über Spiele mit Beteiligung der Heidenheimer nur freuen. Im Gegensatz zu vielen, kleineren Vereinen versuchen sie nicht hinten zu mauern und irgendwie die Punkte einzufahren. Das intensive Spiel der Heidenheimer ist geprägt von schnellem Umschaltspiel mit herausgespielten Situationen.

Aussicht: Keine Abstiegsgefahr

Über die gesamte Saison kann der 1. FCH dieses hohe Niveau wohl nicht halten. Vor allem werden Teams, die einige Anlaufschwierigkeiten hatten wie Braunschweig und Nürnberg, von Spiel zu Spiel beständiger. Auch ist unklar, wie schnell Schmidts-Team sich aus einer kleinen Negativserie befreit, die in jeder Saison bei allen Teams festzustellen ist. Zudem sind die Heidenheimer von einer größeren Verletzungsmisere bisher verschont geblieben, auch wenn mit Adriano Grimaldi und Patrick Mayer zuletzt zwei der vier nominell im Kader befindlichen Angreifer ausgefallen sind. Wenn sich das Team aber an taktische Vorgaben hält und in jedem Spiel durch Einsatz, Leidenschaft und Willen überzeugt, dann sollte das Abstiegsgespenst schon sehr früh in der Saison vom Schlossberg vertrieben werden und man kann beruhigt einen sicheren Mittelfeldplatz anpeilen.

FOTO:  FU Sportfotografie