Darmstadts Rückkehr in die 2. Liga: The boys are back in town
„Wir wussten, dass Darmstadt eine gute Mannschaft hat. Vor allem ihre Defensive, Dirk, korrigiere mich, hat in der vergangenen Saison nur 29 Tore zugelassen. Diese Stärke hat man auch heute gesehen.“ Als Sandhausens Trainer Alois Schwartz seinen Darmstädter Kollegen Dirk Schuster in seine Einschätzung zur 0:1-Niederlage zum Zweitligaauftakt einbund, überlegte dieser einen kurzen Moment und bejahte Schwartz’ These mit einem Kopfnicken. Die Rückkehr der Darmstädter „Lilien“ in die Zweite Bundesliga war in der Tat geprägt von einer starken Defensiv-Leistung – dies jedoch auf beiden Seiten.
Sandhausen harmlos in der Offensive
Dominik Stroh-Engel erzielte per Handelfmeter das Tor des Tages (36. Minute), ansonsten hatte der Drittliga-Torschützenkönig in Seyi Olajengbesi und Florian Hübner jedoch zwei knallharte Bewacher, die ihre Kopfballstärke ein ums andere Mal nachwiesen. Auch ansonsten zeigte der SV Sandhausen eine stabile Grundordnung, die verstehen ließ, warum das Team in der vergangenen Spielzeit nur 35 Gegentore kassierte – der zweitbeste Wert der Zweiten Liga. Allerdings erzielte der SVS auch nur 29 Treffer – und diese Schwäche zeigte die Mannschaft auch im Merck-Stadion am Böllenfalltor. Völlig harmlos in der Offensive brachte Sandhausen lediglich zwei gute Chancen zustande, jeweils am Beginn (2. Minute durch Alexander Bieler) sowie am Ende des Spiels (89. Minute durch Aziz Bouhaddouz). Ansonsten erstickte die Abwehr um Darmstadts Kapitän Aytac Sulu die Angriffsbemühungen der Gäste im Keim. Auch Zugang Romain Brégerie fügte sich direkt gut ein und zeigte eine starke Leistung. Allerdings war den „Lilien“ die Nervosität in den ersten zwanzig Minuten deutlich anzumerken. „Klar, das war schon etwas Besonderes und wir haben etwas gebraucht, um uns zurecht zu finden“, sagt etwa Rechtsverteidiger Sandro Sirigu.
Marcel Heller mit starker Leistung
Mit zunehmender Spieldauer fand Darmstadt jedoch immer mehr zu seinem eigentlichen Stil, obwohl im Passspiel noch deutlich Luft nach oben herrschte. Die Rote Karte für Timo Achenbach, ausgerechnet der Erfahrenste im Team der Gäste, spielte Darmstadt natürlich in die Karten. So fand auch Jerôme Gondorf besser ins Spiel, der als erste Anspielstation der Defensive von Sandhausen bislang erfolgreich gedoppelt wurde. Dies war nach der Roten Karte naturgemäß nicht mehr in dieser Form möglich. In der Schlussphase suchten die Gäste ihr Heil in der Offensive, was vor allem Flügelspieler Marcel Heller Raum für seine Tempoläufe bot. Heller zeigte eine der auffälligsten Leistungen im Lilien-Dress, auch wenn der letzte Pass oft nicht ankam. Am Ende konnten auch die eingewechselten Aziz Bouhaddouz und Tim Kister nicht mehr für die Wende für Sandhausen sorgen, auch wenn besonders Bouhaddouz für Betrieb sorgte. Auf Darmstädter Seite hatte Dominik Stroh-Engel nach 76. Minuten Feierabend, Zugang Ronny König feierte sein Debüt. Und der zeigte direkt mal, dass man auch in gut fünfzehn Minuten einen bleibenden Eindruck hinterlassen kann: König setzte seinen Körper gekonnt ein, gewann alle Kopfballduelle und zeigte, dass mit ihm in dieser Saison zu rechnen ist. Unterm Strich steht ein verdienter Auftaktsieg für den SV Darmstadt 98, der sich damit nach 21 Jahren erfolgreich in der Zweiten Liga zurückmeldet.
FOTO: Claus Krentscher