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Hinrundenfazit RB Leipzig: Keine Euphorie trotz Tabellenführung

© Gepa

Wer das meiste Geld hat, der soll bitteschön auch den größten Erfolg erringen. Das ist allgemeinhin so und gegen dieser Erwartungen ist auch RB Leipzig nicht immun. So kann es wenig verwundern, dass die Tabellenführung im Umfeld zwar wohlwollend zur Kenntnis genommen wird – in Euphorie verfällt aber niemand. Der Normalfall ist bislang eben eingetreten.

Das lief gut

Pragmatisch kann man hier sagen: die Ergebnisse. In diesem Bereich haben die Rasenballer abgeliefert, da gibt es wenig Ansatz zur Kritik. Vor allem enge Spiele wurden regelmäßig noch irgendwie gewonnen – vielleicht der größte Unterschied im Vergleich zur Vorsaison. Ins Auge sticht die überragende Auswärtsbilanz. Auf fremden Plätzen punkten die Bullen wie keine andere Mannschaft in der Liga. Defensiv ist man sehr stabil, trotz einiger Wackler im Defensivzentrum zu Beginn der Spielzeit. Routinier Fabio Coltorti ist nach wie vor ein sicherer Rückhalt, der die Mannschaft gerade in kritischen Situationen ein ums andere Mal tragen konnte. Offensiv hat Yussuf Poulsen lange Zeit Probleme gehabt, letztlich aber wieder zu seiner Form gefunden. Durch die Vielzahl starker Offensivspieler ist man schwer ausrechenbar – denn auch Selke, Forsberg oder Sabitzer können an guten Tagen ein Spiel alleine entscheiden.

Das lief nicht gut

Spielerisch konnte man einfach zu selten überzeugen. Die Erwartungen sind wie angesprochen sehr hoch, da wirkt ein knapper Kampfsieg oft wenig berauschend. Natürlich leidet RB auch unter dem Fakt, dass die Gegner gegen den Favoriten immer tief stehen und der Spielaufbau oft wieder neu begonnen werden muss, um die Wand um den Strafraum der Kontrahenten zu durchbrechen – dennoch muss mit der vorhanden Qualität dabei eine höhere Erfolgsquote der Anspruch sein.
Besonders bei Heimspielen fällt das Umsetzen dieser Pläne oft schwer. Die Partien, in denen die Leipziger Fans tollen Angriffsfußball sehen konnten – wie ihn sich gewiss auch Ralf Rangnick vorstellt – waren zu rar gesät.

Bewertung der Neuzugänge

Im Sommer wurde kräftig investiert, für knapp 20 Millionen Euro kamen 10 neue Akteure. Dabei konnten durchaus einige Volltreffer gelandet werden. Marcel Halstenberg als Linksverteidiger, Willi Orban defensiv zentral, Stefan Ilsanker im defensiven Mittelfeld sowie Marcel Sabitzer und Davie Selke im Sturm sind aus der Mannschaft kaum noch wegzudenken. Atinc Nukan, der türkische Innenverteidiger, ist ebenfalls nah dran an der ersten Elf, in der Rückrunde dürfte er sich – verletzungsfrei vorausgesetzt – wohl etablieren. Peter Gulacsi als zweiter Torwart, Sturmbrecher Nils Quaschner und Talent Ken Gipson sind wertvolle Backups, sie füllen die ihnen zugedachten Rollen aus. Die einzige wirkliche Enttäuschung ist bislang Massimo Bruno. Der hochveranlagte Belgier konnte die ihm offerierten Chancen kaum nutzen, er ist Stand jetzt nicht mehr als ein teurer Mitläufer.

Bester Spieler

Der Tabellenführer überzeugt als Kollektiv – den einen alles überragenden Spieler kann man schwer ausmachen. Ob Halstenberg, Sabitzer, Poulsen oder Forsberg – sie alle hatten Phasen, in denen sie besonders herausragen konnten.
Die Wahl sollte deshalb hier auf Keeper Coltorti fallen, der wenige Ausschwenker nach unten hatte und ein Musterbeispiel für Solidität ist.

Größte Enttäuschung

Auch wenn es für einen Spitzenreiter komisch klingen mag: die größte Enttäuschung, auf hohem Niveau gemeckert, ist wohl Trainer Ralf Rangnick. Er hat es noch nicht geschafft, der Mannschaft seine spielerische Note einzupflanzen. Solang die Punkte stimmen wird er selber darüber aber gewiss hinwegsehen können – zumal er seinen Posten im kommenden Sommer ohnehin wieder räumen wird.

Fazit

Rasenballsport ist Herbstmeister und wird, wenn nichts völlig Außergewöhnliches passiert, wohl im Sommer in die Bundesliga aufsteigen. Damit wäre das anvisierte Ziel erreicht und man würde dies wohlwollend zur Kenntnis nehmen.
Eine Euphorie konnte jedoch wie erwähnt in der Messestadt bisher nicht entfacht werden und über "business as usual" geht das Geleistete nicht hinaus. Die Zuschauerzahlen sind dennoch herausragend, umso mehr sollte in den kommenden Wochen am Tagesordnungspunkt Attraktivität gefeilt werden.

Ausblick und Prognose

Große Einkäufe in der Winterpause hat die sportliche Leitung ausgeschlossen. Dass diese Worte nur Lippenbekenntnisse sind, sobald ein interessanter Spieler auf den Markt kommt, sollte aber auch klar sein. Geld ist vorhanden – und wenn es sinnvoll erscheint, nehmen die Verantwortlichen dieses auch in die Hand. Doch wo könnte der Kader denn tatsächlich noch eine Auffrischung brauchen? Möglicherweise auf der Rechtsverteidigerposition, wo es keine dauerhafte Besetzung gab in der Hinrunde – aber auch da, wie an so vielen Stellen im RB-Kosmos, würde man auf sehr hohem Niveau denken.