Zwischenfazit: 1.FC Kaiserslautern meistert den Umbruch

Eine schwierige Saison wurde dem 1.FC Kaiserslautern von vielen Seiten prognostiziert. Die Abgänge wichtiger Spieler, das Fehlen von Führungsspielern und vor allem das große Loch im Sturm, welches Simon Zoller und Mo Idrissou hinterlassen haben, wurden dafür als Gründe ins Feld geschickt. Nun, nachdem die Hälfte der Vorrunde gespielt ist, stehen die Roten Teufel auf dem 2. Tabellenplatz und wirken im Vergleich zur letzten Saison stärker und gereifter und belehren alle sogennanten Experten eines Besseren. Liga2online.de nimmt die Elf aus der Pfalz unter die Lupe:

Top: Heimstärke und offensive Vielfalt

Den Hauptgrund für den tollen Saisonstart stellt zweifellos die wiedergewonnene Heimstärke dar. Alle fünf Spiele auf dem Betzenberg wurden gewonnen und zudem wurde dem Gegner stets deutlich gemacht wer der Herr im Hause ist. Zwar wurden vier der fünf Siege mit nur einem Tor Differenz eingefahren, doch lag dies hauptsächlich an der miesen Chancenverwertung der Pfälzer. Dennoch zeigten besonders die dominanten Auftritte gegen den Karlsruher SC oder Union Berlin mit welchem Selbstbewusstsein die Roten Teufel aktuell vor heimischer Kulisse auftreten. Als weiteren Grund der steigenden Formkurve darf die neue offensive Vielfalt gelten. Was in der letzten Saison noch fast komplett auf den Schultern von Zoller und Idrissou lastete wird inzwischen auf mehrere Positionen verteilt. Bestes Beispiel dafür ist Alexander Ring. Der Finne erzielte vor der laufenden Saison kein einziges Pflichtspieltor für den FCK und steht nun mit vier Treffern auf dem zweiten Rang der vereinsinternen Schützenliste. Srdjan Lakic wird seiner Rolle als Führungsspieler und Kapitän gerecht, zeigt wieder seine gewohnte Leistung und erzielte bereits fünf Treffer. Doch auch die anderen Akteure egal ob Stammspieler oder Joker strahlen eine enorme Torgefahr aus, deren einziges Manko es bislang ist zu viele Chancen liegen zu lassen.

Flop: Chancentod und Auswärtsfluch

Letztes Jahr war der Mangel an Torszenen das größte Problem in der Pfalz. Nun erspielen sich die Roten Teufel reihenweise Chancen, lassen diese jedoch – teilweise sehr kläglich – aus. In den Heimspielen wurden so mögliche höhere Siege verhindert. Besonders gegen Berlin, als Philipp Hofmann und Ruben Jenssen beide in den Schlussminuten den entscheidenden Treffer zum 2:0 auf spektakuläre Art vergeigten, hätte so eine entspantere Endphase der Partie entstehen können. Schlimmer jedoch wiegt das Auslassen der Gelegenheiten bei den bisherigen Auswärtspartien. Denn dort liegt das bisher größte Problem des FCK: Noch immer wartet man auf den ersten Dreier in der Fremde. Sowohl in Sandhausen, als auch in Aalen und Fürth lagen die Pfälzer in Führung, verpassten es nachzulegen und ließen so die Punkte liegen. Einerseits scheint der Truppe bei Gastspielen die Konstanz zu fehlen, andererseits wäre bei besserer Chancenverwertung wohl in allen drei Partien ein Sieg machbar gewesen. Einzig beim 1.FC Nürnberg verloren die Roten Teufel durch eine ganz schwache Leistung, die sie nach einem 0:3-Rückstand nicht mehr ausbügeln konnten, verdient.

Gewinner: Srdjan Lakic

Eigentlich kann man nur schwer Gewinner und Verlierer im FCK-Kader finden, da viele Spieler bislang in guter Form sind und ihren Teil zum guten Saisonstart beigesteuert haben. Lakic steht jedoch als neuer Kapitän und erfolgreichster Torschütze ein wenig in Sonderstellung. Zudem war der Kroate vor der Saison absoluter Wackelkandidat und drohte gegenüber Hofmann seinen Platz in der ersten Elf zu verlieren. Lakic hat sich mit Toren und ansprechenden Leistungen behauptet und wurde so wieder zur festen Größe im Team. Doch auch andere wie der bereits erwähnte Ring, Kevin Stöger oder die junge Viererkette aus Chris Löwe, Dominique Heintz, Willy Orban und Jean Zimmer stehen für das Gesicht des neuen FCK.

Verlierer: Die Neuzugänge

Wenn es überhaupt Verlierer gibt dann sind es wohl die Sommerzugänge Philipp Hofmann, André Fomitschow, Michael Schulze, Stefan Mugosa und Tim Heubach, die durch den tollen Saisonstart bislang wenige bis gar keine Einsatzchancen bekamen. Einzig Hofmann, der in jedem Spiel eingewechselt wurde, durfte sich regelmäßig zeigen, auch wenn er aktuell nicht an Lakic in der Spitze vorbeikommt. Für die anderen gilt es zu auf eine Gelegenheit zu warten. Besser lief es da für die Leihspieler Kerem Demirbay und Amin Younes, die  direkt zu den potentiellen Stammspielern zählten. Während Demirbay bislang stets zum Einsatz kam, wurde Younes jedoch von einer Muskelverletzung gebremst, sollte jedoch nach der Länderspielpause wieder voll einsatzfähig sein.

Fazit: Umbruch abgehakt

Der Umbruch wurde in der Pfalz überraschend schnell und erfolgreich gemeistert. Die Makel der letzten Saison, wie die Probleme mit tiefstehenden Gegnern und dem kreiieren von Torchancen sind nicht mehr zu erkennen. Lücken im Kader wurden sinnvoll gefüllt und eine neue Hierarchie im Team hergestellt. Das neue Führungsteam um Trainer Kosta Runjaic, Sportdirektor Markus Schupp und Vorstand Stefan Kuntz funktioniert scheinbar gut und lässt erste Früchte ihrer Arbeit erkennen. Wichtig ist es nun den eingeschlagenen Weg weiterzugehen, auch wenn möglicherweise im Laufe der Saison Rückschlage passieren. In einem ruhigen Umfeld könnte sich das Team weiter im bisherigen Maß entwickeln und den Fans eine erfreuliche Saison bieten.

Prognose: Mit Konstanz in den Aufstiegskampf

Schafft es Kaiserslautern die Dominanz in den Heimspieln über die Saison zu tragen, steht ihnen in jedem Fall eine erfolgreiche Spielzeit bevor. Gelingt es ihnen darüber hinaus mehr Konstanz zu zeigen, die Chancenverwertung zu verbessern und somit den lästigen Auswärtsfluch zu besiegen steht einem Startplatz im Rennen um Rang 1 bis 3 nichts im Wege. Wie konkurrenzfähig die Pfälzer wirklich sind, werden womöglich schon die nächsten Spiele bei den ebenfalls sehr heimstarken Heidenheimern, sowie gegen aktuellen Spitzenteams aus Düsseldorf (H), Leipzig (A), Bochum (H) und Darmstadt (H) zeigen.

FOTO: Hübner

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