1. FC Köln: Aus der finanziellen Not eine Jugend machen
Ein Blick auf die Tabelle der 2. Bundesliga genügt, um schnell festzustellen, dass der 1. FC Köln vor dem fünften Bundesliga-Aufstieg in seiner Historie steht. Bei acht Punkten Vorsprung sowohl auf den Relegationsplatz drei als auch auf Nichtaufstiegsplatz vier ist die Perspektive des FC wahrlich glänzend. Es gibt viele Gründe, warum die „Geißböcke“ wieder in die Erfolgsspur gefunden haben. Wichtig sicherlich die Tatsache, dass die Kölner nun wieder vermehrt auf Eigengewächse setzen.
Früher Söldner, heute Eigengewächse
In der Vergangenheit haben die Rheinländer für vermeintliche internationale Stars wie Maniche, Lilian Laslandes oder auch Goran Vucevic, um nur einige zu nennen, viel Geld ausgegeben. Die Konsequenzen waren bitter, denn die Finanzkraft wurde ebenso geringer wie die Identifikation der treuen Fans zum eigenen Verein. Die ausländischen Spieler hatten ihre beste Zeit als Fußball hinter sich. Das „Söldntertum“ hatte zuweilen Hochkonjunktur. Die aktuelle Kölner-Vereinsführung hat nach dem Bundesliga-Abstieg 2012 die richtigen Konsequenzen gezogen. Es wurde vermehrt auf junge, entwicklungsfähige Spieler gesetzt, die optional aus der eigenen Jugend entstammen und somit den gewissen Stallgeruch mitbringen. Drei Spieler sind zu den „Gesichtern“ dieses „FC reloaded“ geworden, der sich irgendwie neu erfunden hat und damit höchst erfolgreich ist. Die neuen Publikumslieblinge sind Keeper Timo Horn, Außenverteidiger Jonas Hector und Mittelfeldmann Yannick Gerhardt. Das Trio vereint, dass sie aus der eigenen Jugend entstammen und mit konstant starken Leistungen den technisch anspruchsvollen, modernen Fußball des 1. FC Köln prägen können. Die sportliche Führung hat nach dem Motto gehandelt „Aus der finanziellen Not eine Jugend machen“. Der Erfolg gibt den Kölnern Recht.
Hohe Identifikation und Leistungsbereitschaft
Gerade einmal 20 Jahre alt ist Keeper Timo Horn. Mit starken Reflexen ausgestattet, hat er sämtliche 19 Partien für die Kölner von der ersten bis zur letzten Spielminute bestritten und dabei zudem meist mit einer tollen Ausstrahlung überzeugt. Seine Reife hat er direkt nach dem ersten Spiel eindrucksvoll unter Beweis stellen können. Mit einem Fehler verursachte er maßgeblich den Gegentreffer zum 1:1-Ausgleich. In den Spielen danach konnte er große Nervenstärke beweisen und kassierte in den weiteren 18 Partien nur noch neun Gegentreffer, was den zweitbesten Wert im deutschen Fußball bedeutet. Im Tor der deutschen U21-Nationalmannschaft konnte er ebenfalls seine Qualitäten als herausragender Schlussmann unter Beweis stellen. Außenverteidiger Jonas Hector ist drei Jahre älter und hat vor drei Jahren noch Südwest-Oberligisten SV Auersmacher gespielt, ehe er zum 1. FC Köln gewechselt ist. Dort hat er sich mit konstant starken Vorstellungen in der U21-Auswahl für höhere Aufgaben empfehlen können. Seit der letzten Spielzeit hat er sich zu einer verlässlichen Stammkraft auf der Außenposition mausern können. In der aktuellen Spielzeit kommt er auf 18 Einsätze, in denen er einen Treffer erzielte. Die gleiche Anzahl an Einsätzen aber zwei Tore mehr auf der Habenseite hat der erst 19-jährige Jannick Gerhardt, der sich mit seiner Zweikampfstärke Übersicht und Passsicherheit auf der Position im zentralen, defensiven Mittelfeld einen Stammplatz erarbeiten konnte. Der U21-Nationalspieler war genauso wie Horn von Geburt an FC-Fan. Seine 15-jährige Schwester spielt in der Jugend des 1. FC Köln. Diese jungen FC-Spieler besitzen selbst eine gewaltige, emotionale Nähe zu diesem Verein, da sie selbst Fan waren und auch das Umfeld eine enge Bindung zu diesem Verein aufbauen konnte. Diese Tugenden haben sich als echte Erfolgsfaktoren erwiesen und deutlich zum Ausdruck gebracht, dass der 1. FC Köln den richtigen Weg gewählt hat.